Eigentlich schreibe ich hier keine Rezensionen, aber 2,5 Sterne für dieses Buch sind wirklich unangemessen.
Zugegeben, "Elsie's Lebenslust" ist nicht für Leute, die einen rasanten Krimi oder aber sehr explizite Psychologie suchen - aber da ist man ja bei Highsmith eh an der falschen Adresse.
Aber wie hier Elsie als Katalysator für die ewig unausgesprochenen Sehnsüchte der anderen Figuen dient, das ist manchmal atemberaubend.
Manchmal sind das einzelne Momente: Gegen Ende des Romans gibt es eine Schlägerei zwischen Jack und dem Außenseiter Ralph, die dem Wort "Spiegelfechterei" eine ganz neue Bedeutung gibt.
Aber auch der große Bogen ist da: Die Sprachlosigkeiten und versteckten Gefühle der anderen Personen werden sichtbar, wenn sie mit Elsies geradezu banaler Aufrichtigkeit konfrontiert werden. So wird etwa die scheinbar glückliche Ehe von Natalia und Jack ganz sanft demontiert, und dass wir als Leser am Ende wissen, dass sie einfach so weiter leben werden, ohne jemals ein ehrliches Wort zueinander zu sagen, ja ohne sich auch nur selbst einzugestehen, was ihnen fehlt, gehört zu den unglücklichsten Romanenden, die ich kenne.
Nicht gerade erhebend, aber großartig!