Hier hat jemand, der mit der Orffschen Vertonung der mittelalterlichen Liedersammlung "Carmina Burana" groß geworden ist, sich den überlieferten Vertonungen der Texte zugewandt. Zwar sind das nun Melodien, die einem ganz anderen Geist entspringen, aber der spielerische und gesangliche Duktus hat immer noch etwas von Orffschem Monumentalismus, Orffscher Zackigkeit und weihevoller klassischer Aufführungspraxis. Man vergleiche das nur mit der wunderbar lebendigen Einspielung von Oni Wytars und Unicorn, um zu erkennen, wie verstaubt der Ansatz von Pickett und seinem New London Consort ist. Sogar Catherine Bott, die auf ihrer A-cappella-Trobador-CD so einen ganz eigenständigen Zugang zur mittelalterlichen Musik gefunden hat, singt hier wie bei einer Klassik-Gala. Also: Es wird sauber gesungen und musiziert, aber alle wirken, als würde Herr Pickett sie nicht von der Leine lassen. Die Aufnahme ist allerdings auch schon von 1989, so steif geht es inzwischen auch in der historisch-authentischen Szene nicht mehr zu. Insgesamt eine Brücke für Leute, die mit der Klassik groß geworden sind, und nun Zugänge zur Frühen Musik suchen.