Dieses Buch ist keine leichte Kost. Zu einen wegen des wissenschaftlichen Anspruchs; es handelt sich um die überarbeitete Fassung einer Doktorarbeit. Zum andern wegen seines Inhalts: werden hier doch Analysen der antisemitischen Schmähung und Hetze gegen Heine geliefert, die sich keineswegs auf die Jahre 1933 bis 1945 beschränken, sondern eine lange Vorgeschichte mit einbeziehen.
Bemerkenswert ist gewiss Peters' These, dass viele von denen, die Heine als Dichter diskreditieren und am liebsten aus der deutschen Literaturgeschichte löschen wollten, seine Botschaften möglicherweise besser verstanden haben als seine Verehrer oder Verteidiger. Heines volkstümliche Lyrik war auch in der Lage, revolutionäre Inhalte populär zu machen (Wintermärchen, Weberlied...) und sein scharfer Blick für gesellschaftliche Entwicklungen ließ ihn den Siegeszug des Kapitalismus ebenso prognostizieren wie die daraus resultierenden Auseinandersetzungen zwischen den Klassen. All dies war denen, die lieber an den alten gesellschaftlichen Verhältnissen festhalten und sich in Deutschtümelei und Innerlichkeit zurückziehen wollten, nicht ganz geheuer. Mit dem ganzen Abwehrarsenal des Antisemitismus wollten sie sich Heines Texte und am liebsten seine ganze Person vom Leibe halten, als ob damit auch die gesellschaftlichen Realitäten gebannt werden könnten, die er benannte und beschrieb.
Peters geht die ganze unheilvolle Entwicklung der Heine-Schmähung durch, angefangen mit einstigen Liberalen wie Menzel oder Wagner, die ihren politischen Idealen untreu wurden, über nationale Ideologen wie Treitschke oder Bartels bis hin zur völkischen und nationalsozialistischen Hetze, deren Nachwirkungen auch die ersten Jahrzehnte der bundesdeutschen Heine-Rezeption überschatteten.
Ein eigenes Kapitel widmet Peters der Heine-Kritik von Karl Kraus und ihren fatalen Folgen. Kraus als Herausgeber der 'Fackel' war für viele eine Art Literaturpapst und seine scheinbar nur ästhetisch motivierte Abwertung Heines war nicht nur Wasser auf die Mühlen der antisemitischen Heine-Gegner, sondern wirkte auch auf mehr als eine Generation jüdischer Intellektueller. Selbst Adornos Aufsatz 'Die Wunde Heine' aus dem Jahr 1956 (der für den Buchtitel wohl Pate stand) transportiert - vielleicht ungewollt und unbewusst - ein Großteil der haltlosen Vorurteile gegen den Dichter Heine mit, dem auf diese Weise viel zu lange der Rang eines Klassikers vorenthalten wurde.