ELIZABETH (1998)
"Die jungfräuliche Königin" heißt es im Nachspann zu "Elizabeth", dem filmischen Denkmal, welches der indisch-englische Regisseur Shekhar Kapur der Anfangszeit des elisabethanischen Zeitalters, dem so genannten Golden Age, im Jahre 1998 setzte.
Der Film befasst sich mit dem Tod von Bloody Mary, der katholischen Halbschwester Elisabeths, der anschließenden Thronbesteigung Elisabeths im Alter von 25 Jahren und der darauf folgenden ersten Regierungsphase (1558-1563) unter ihrer Ägide.
Kongenial verkörpert wurde die bis zum heutigen Tag beliebteste Monarchin der Briten hierbei von einer meisterhaft spielenden Cate Blanchett, die ihrer Rolle ein Höchstmaß an Authentizität angedeihen lässt. Vor allem aber auch die Nebenrollen sind hervorragend besetzt, beispielsweise mit Richard Attenborough in der Rolle des William Cecil, erster Baron Burghley, sowie mit einem mephistophelischen Geoffrey Rush als Sir Francis Walsingham, dessen Spiel als im Sinne der Königin spionierender und intrigierender Leibwächter und Berater absolut bemerkenswert ist.
Was mich an "Elizabeth" aber am meisten beeindruckt hat, ist - entgegen der vielfach angebrachten Kritik an der historischen Ungenauigkeit - die Porträtierung einer jungen Frau, die sich allen politischen und konspirativen Widerständen zum Trotz an der Spitze Englands behauptet und dabei die Wandlung von der selbstunsicheren, von einem Großteil ihres eigenen Kabinetts angezweifelten Thronnachfolgerin zum "mit England vermählten", der engstirnigen Männerwelt der damaligen Zeit den Kampf ansagenden Souverän vollzieht. Dass dieser Reifungsprozess mit allerlei psychischen Verletzungen einhergegangen sein muss, wird im Film immer wieder eindrucksvoll vor Augen geführt. Eine Szene gegen Ende des Films, in der Elisabeth vor einer Marienstatue niederkniet und Walsingham von Marias Macht über die Herzen der Menschen berichtet, ihrer bedingungslosen Liebe und Bereitschaft, für sie in den Tod zu gehen, hat mich mitunter am nachhaltigsten beeindruckt.
Im Ganzen ein absolut faszinierender Film, dessen Bildgewalt und brillante schauspielerische Leistungen trotz mancher Geschichtsbeugung überzeugen; vor allem aufgrund des fulminanten Charakterspiels seiner Hauptdarstellerin.
ELIZABETH - THE GOLDEN AGE (2007)
Mit "Elizabeth - The Golden Age" kam gegen Ende des vergangenen Jahres dann der langersehnte Nachfolgefilm in die Kinos, der allerdings im direkten Vergleich zur eben bewerteten Vorlage qualitativ etwas abfällt.
Jahrzehnte später angesiedelt und den Krieg Englands gegen den spanischen König und seine - filmisch beeindruckend in Szene gesetzte - Schlachtschiff-Armada in den Mittelpunkt des Geschehens stellend, versucht der Film den Bogen von den jungen Herrschaftsjahren Elisabeths hinüberzuspannen zu einem weiteren Kapitel ihres ikonenhaften Lebens.
Wenn sie dann allerdings mit rot wehendem Haar, auf einem prächtig gesattelten Kriegsross thronend und mit einem Schwert bewaffnet die eigenen Soldaten zum ultimativen Freiheitskampf gegen die erzkatholischen Eindringlinge aufruft, ist der Bogen doch ein wenig zu sehr überspannt. Dass Elisabeth sich selbst als ein statuenartiges, nahezu überirdisches Vor- und Leitbild ihres Volkes verstand, ist historisch zweifelsfrei überliefert - dass sie sich aber als die englische Jeanne d'Arc betätigt hat, wohl eher nicht.
Darüber hinaus verliert sich der Film in manch trivialer Nebensächlichkeit und lässt im Ganzen die mitreißende Atmosphäre seines Vorgängers vermissen; dennoch besticht auch "Das goldene Königreich" durch seine aufwändige Ausstattung und die bildgewaltige Hochglanzoptik.
Ich vergebe 4|5 möglichen Punkten, runde aber zugunsten des ersten Teils auf 5 Gesamtpunkte auf.