Aus der Amazon.de-Redaktion
Kurios: Ein schottischer Komponist/Arrangeur und sein indischer Kollege untermalen den zweiten Teil eines Dramas, in dessen Mittelpunkt die englische Monarchin Elizabeth I. steht. Die überraschende Kooperation der beiden Musiker führt zu einem facettenreichen, unterhaltsamen/hörenswerten Resultat, wogegen Teil zwei der Historienthriller-Film-Trilogie selber nicht überzeugt.
Die erste Folge handelte von Macht, dieser von Göttlichkeit, erklärt Regisseur Shekhar Kapur gegenüber Cinema. Die Kritik von Europas größtem Filmmagazin fiel allerdings negativ aus. Zitat: Er schwelgt in güldenem Gegenlicht und religiösem Symbolismus. Ein edler Bilderbogen, der doch nie die Klasse und Intensität des Originals erreicht. Steuerte für Part 1 (1998) der Australier David Hirschfelder den Score bei und erhielt dafür eine Oscar-Nominierung, so wurde diesmal auf eine ungewöhnliche und höchst gegensätzliche Komponisten-Kombination gesetzt. Da ist einerseits der für seine Verbindung von elektronischen Klängen und klassischen Instrumenten bekannte Craig Armstrong (Moulin Rouge, Plunkett & Macleane, Romeo + Julia), welcher auch schon für Madonna, U2 oder Massive Attack tätig gewesen ist. Andererseits Komponist/Sänger AR Rahman ein Mega-Star, wenn es um die Untermalung von Bollywood-Filmen wie Bombay Dreams geht. Auf den ersten Blick ist nicht ganz einleuchtend, wie ein europäischer und ein asiatischer Musiker anlässlich eines gemeinsamen Projektes einen in sich schlüssigen Sound schaffen könnten. Für denjenigen, der die Regierungszeit der in dem Drama relevanten Königin (1558 bis 1603) betrachtet, macht die Kooperation jedoch Sinn. Denn während des Elisabethianischen Zeitalters entstanden die Werke eines William Shakespeare, wurde die moderne Wissenschaft mit Francis Bacon begründet, die Welt von Francis Drake umsegelt. Deshalb ist die Fusion der konträr beheimateten Score-Kreativen auch symbolisch für den Aufbruch für eine neue Epoche. Ihre Zusammenarbeit beweist die Richtigkeit der Redewendung Gegensätze ziehen sich an. Die Teamwork funktioniert erstaunlich gut und bringt ein harmonisches Resultat zu Tage. Dabei lassen sich die Grenzen der Beiträge der beiden Machern bisweilen nicht mehr eindeutig zuordnen. In 20 Instrumentalstücken, die mit großem Orchester plus Chor, zwei hochkarätigen Sopranistinnen sowie einer Top-Violinistin und einem Cello-Solisten realisiert worden sind, wird geschildert, wie Die jungfräuliche Königin mächtigen Feinden und verbotenen Gefühlen trotzt. Der thematische Bogen spannt sich von romantischen Klängen bis hin zur kraftvollen Vertonung von Schlachten. 48 Minuten 42 Sekunden in einem warmen, melodiösen Sound, der auch ohne Bilder für sich steht und den Genuss eines audiophilen Abenteuers garantiert! --Thomas Hammerl