Die gutherzige Molly Gibson (Justine Waddell) lebt glücklich mit ihrem Vater, der ein angesehener Landarzt ist und ganz in seinem Beruf aufgeht. Als eines Tages ein Schüler ihres Vaters ein Auge auf Molly wirft, schickt er sie für eine Zeit in den Haushalt von Squire Hamley (Michael Gambon). Dort soll sie dessen kranker Frau Gesellschaft leisten. Alle im Haushalt des Squires schließen Molly in ihr Herz, besonders aber die Söhne Roger und Osborne. Molly wird zum nicht mehr weg denkbaren Bestandteil und zur engsten Vertrauten der Familie Hamley, doch als Mollys Vater wieder heiratet holt er seine Tochter zurück.
Molly ist über die Veränderung in ihrer kleinen, heilen Welt gar nicht erfreut. Sie kann die kühle und egoistische Stiefmutter, eine ehemalige Gouvernante, einfach nicht gerne haben, dafür aber liebt sie ihre neue Stiefschwester Cynthia (Keeley Hawes) um so mehr. Alle Männer liegen der schönen Cynthia zu Füßen und Roger Hamley, den auch Molly heimlich liebt, ist geradezu geblendet von Cynthias Charisma.
Die gute Molly muss also noch viel Herzschmerz erdulden und auch sonst noch einige bittere Dinge erfahren, bis sie endlich als gereifte und erwachsene Frau, das bekommt was sie sich am meisten wünscht.
Ich hatte nicht erwartet, dass ein Film an Pride and Prejudice herankommt oder es möglicherweise noch toppen könnte, aber ich tendiere dazu, Wives and Daughters fast ein wenig mehr zu mögen als P&P. Warum?
Wives and Daughters ist anders, ein wenig tiefer, ruhiger, trauriger und doch - wer genau hinhört und hinsieht, der wird feststellen, wie geistreich und ironisch diese Geschichte ist. Witzige und scharfsinnige Dialoge wechseln sich mit nachdenklichen und melancholischen Passagen ab. Die Menschen sind nicht so schillernd oder exzentrisch wie Jane Austens Charaktere aber umso liebenswerter, und in ihren allzumenschlichen Schwächen nachvollziehbarer und, ja, auch glaubwürdiger. Ach, ich weiß nicht - ich liebte sie alle, sogar den garstigen Mister Preston und die egozentrische Stiefmutter Hyacinth (Francesca Annis) sowieso.
Die Geschichte um Molly und ihre Freunde und Familie ist natürlich das Sittengemälde einer prüden und kleinkarierten Welt und Epoche, aber mit großer Liebe für die Menschen erschaffen worden und der Film setzt diese Geschichte eins zu eins in herrlichen Bildern, Farben und Dialogen um.
Die Vorlage zu dieser wunderschönen BBC Miniserie (die übrigens ebenso wie P&P 1995 von Sue Birtwistle produziert wurde) bildete der letzte Roman von Elizabeth Gaskell aus dem Jahre 1866, den sie leider vor ihrem Tode nicht mehr vollenden konnte. Der Film bietet ein fiktives Ende wie es schöner und passender nicht sein könnte. Ich bin zwar keine ausgesprochene Kennerin von Elizabeth Gaskell, aber ich denke, da sie sich auch für die Rechte von unterdrückten Frauen eingesetzt hat, sie wäre mit diesem romantischen und ungewöhnlichen Ende durchaus zufrieden.
So wie auch ich. ;-)
Schön, dass diese wundervolle Geschichte endlich auch in Deutsch UND Englisch zu haben ist. Und das sogar ungekürzt! Obwohl ich jedem empfehlen möchte sich auch die englische Fassung (z.B. mit Untertiteln) anzusehen. Denn ganz besonders in der Originalsprache kann man den spitzfindigen Humor von Elisabeth Gaskell spüren. Gelegentliches Nuscheln der Protagonisten (besonders der alte und etwas kauzige Squire Hamley nuschelt oft liebenswürdig vor sich hin) schadet gar nichts, ganz im Gegenteil.
Also was bleibt zusammenfassend zu sagen?
Für jeden Fan von Pride and Prejudice ist Wives and Daughters eine große Bereicherung und natürlich ein absolutes Muss. Und für alle, die Pride an Pejudice nicht kennen, ist Wives and Daughter ein schöner Einstieg in die zauberhafte Welt dieser Reihe von genialen BBC-Literatur Verfilmungen.