Ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll mit meinem Lob für diesen erstklassigen Film. Am besten ich schreibe mein Fazit zuerst, dann können alle, denen meine folgenden, ellenlangen Lobgesänge zu ausgiebig sind, gleich zum Kauf der DVD schreiten ;-).
FAZIT: Ein 100-Sterne BBC-Period Drama.
Cranford ist eine spritzige Spitzenhäubchen-Geschichte voller Wärme und Menschenliebe, aber auch mit einem Hauch von Romantik und einem Haufen Tragik und das alles ist verpackt in überbordendem, britischem Humor, wunderschönen Bildern und erstklassiger Musik. Gespielt von der Elite der Elite aller Schauspieler sieht man eine warmherzige Geschichte über eine kleine Stadt und eine kleine, liebenswürdige Gesellschaft mit all ihren menschlichen Schwächen und Stärken, Höhen und Tiefen.
Herzerwärmend schön! Absolut sehenswert!
Geschichte:
Es sind die 40er Jahre des 19. Jahrhunderts und die Welt ist im Wandel. Technischer und vor allem gesellschaftlicher Fortschritt bricht sich Bahn. Ein Eisenbahnnetz entsteht. Das alte Feudalsystem beginnt zu wanken. Nur das kleine (unbeugsame ;-)) Städtchen Cranford scheint davon zunächst unberührt und dämmert unter der Regie einiger alleinstehender, verwitweter oder lediger Damen in eine Art Dornröschchenschlaf vor sich hin.
Die Damen von Cranford, haben hohe und althergebrachte Ansprüche an das was man "proper and decent" nennt. Allen voran die beiden altjüngferlichen Schwestern, die warmherzige Miss Matty (Judi Dench), die darunter leidet dass sie einst ihrer großen Liebe (Michael Gambon) entsagen musste und die sittenstrenge Miss Deborah Jenkins, die sozusagen als lebender Maßstab für soziale und moralische Verhaltensregeln gilt. Diese beiden sind der Dreh- und Angelpunkt der Geschichte, und um sie herum entspinnen sich nun viele weitere, schöne, traurige und herzerfrischend lustige Geschichten, ganz wie sie das Leben schreibt.
Da gibt es den attraktiven Doktor Frank Harrison (Simon Woods). Als er in Cranford zu praktizieren beginnt, kommt es zu einigen Unruhen, denn der junge Arzt arbeitet nicht nur mit unkonventionellen und fortschrittlichen Methoden er bringt auch so manches schwache (altjüngferliche und jungjüngferliche) Frauenherz zum Rasen.
Und da lebt auch die konservative Lady Ludlow (Francesca Annis) in ihrem herrschaftlichen aber verschuldeten Anwesen. Sie kann dem Wandel nicht folgen und hält krampfhaft an alten verkrusteten Strukturen fest - was nicht nur ihr viel Kummer beschert. Die vermeintlich hartherzige Frau offenbart aber schließlich auch ganz andere Seiten.
Es gibt den jungen Harry Gregson (Alex Etel), der sich mit aller Kraft bemüht und gegen die Armut seiner Familie an kämpft. Sein junges Leben und sein Werdegang ist ein tragisches Auf und Ab, das niemanden ungerührt lässt, und da ist die junge, hübsche Pfarrerstochter, die die ganze Last einer Mutter schultern muss, das aufrechte und loyale Dienstmädchen und der reformerische Verwalter... ach ich könnte endlos fortfahren, denn es werden derer Geschichten noch so viele so wunderbar erzählt, dass man sie einfach selbst gesehen haben muss.
Darsteller
Eine große Riege an hochkarätigen Darstellern führt diesen beschwingten Reigen an.
Dame Eileen Atkins, Dame Judi Dench, Francesca Annis, Michael Gambon, Philip Glenister, Julia MCKenzie und Julia Sawalha, Imelda Staunton, das sind nur einige der vielen wirklich namhaften und aus vielen anderen BBC-Serien bekannten Stars, die alle mit ihren eigenen Hauptrollen und ihren eigenen kleinen Geschichtchen in diesem fünfteiligen Wunderwerk vertreten sind und jede einzelne Rolle perfekt mit Leben, Leidenschaft und Farbe erfüllen.
Die große Kunst dieses Films liegt aber sicherlich darin, dass er trotz der vielen Hauptdarsteller und der vielen Handlungsstränge eine sehr homogene, flüssige, ja beschwingte Geschichte erzählt und ein komplexes und dazu noch überaus bezauberndes Portrait einer ganzen Stadt zeichnet ohne dass man sich je verloren oder verwirrt fühlt. Diese Homogenität erreicht die Serie allerdings erst am Ende der ersten Episode. Diese erste Episode zieht sich als einzige etwas eintöniger hin. Das ist aber durchaus nachvollziehbar, denn zu Beginn müssen natürlich alle Charaktere und ihre Geschichten eingeführt werden. Also nicht verzagen, wenn man nach der ersten Episode zwar schon die ersten Tränen vergossen hat, aber sich doch noch nicht so recht mitgerissen fühlt. Ich garantiere, die Serie packt Sie auf jeden Fall ab den ersten Minuten der zweiten Episode und dann heftig und nachhaltig.
Als Zuschauer steht man quasi an der Seite der jungen, aufgeschlossenen Mary Smith (Lisa Dillon) - die das Alter Ego von Elizabeth Gaskell darstellt - und beobachtet das Geschehen aus ihrer Warte, leidet mit, freut sich mit und genießt in vollen Zügen.
Das Drehbuch (Heidi Thomas) stellt für mich eine ausgezeichnete, filmische Aufbereitung von drei Cranford-Novellen Elizabeth Gaskells dar, in der diese große Autorin sehr sensibel und geistreich den kleineren Verrücktheiten und größeren Tragödien des Lebens nachspürt und der Gesellschaft ihrer Zeit empfindlich auf den Zahn fühlt.
Die Pride and Prejudice und Wives and Daughters-Produzentinnen Sue Birtwistle und Susie Conklin haben dieses neue wunderbare "Masterpiece" geschaffen und sind damit ihrer hohen Qualität, die man aus ihren anderen Filmen kennt, verhaftet geblieben.
Dank sei ihnen für fast 270 Minuten mitreißender BBC-Unterhaltung.
DVD:
Dieses Mal hat es gar nicht so lange gedauert, bis die DVD auch in Deutscher Sprache und mit deutschen Untertiteln erscheint. Diese deutsche Ausgabe hat mit 268 Minuten allerdings 32 Minuten weniger Filmzeit. Warum wieder einmal diese völlig überflüssigen Kürzungen? Ich weiß es nicht.
Bildformat 16:9 anamorph, Ton Deutsch: Dolby Digital 5.1, Dolby Digital 2.0, Englisch: Dolby Digital 2.0, deutsche Untertitel
Ausstattung: * Trailer,* Biographien Crew * Kapitel- / Szenenanwahl *Making Of, *Animiertes DVD-Menü, * Menü mit Soundeffekten, *Bildergalerie, * Filmographien,