Nachdem ich vor Kurzem zum x-ten Mal mit großer Begeisterung den Film "Elizabeth" (mit Cate Blanchett) gesehen habe, wollte ich mein Wissen rund um Elizabeth I. und das nach ihr benannte Zeitalter ein bisschen auffrischen und erweitern. Aus der riesigen Auswahl an einschlägiger Literatur zu dem Thema habe ich mich für dieses Werk entschieden, weil David Starkey in Großbritannien ein relativ bekannter und populärer Historiker ist, der geschichtliche Themen für die breite Masse in verschiedenen TV-Serien interessant aufbereitet hat. Ähnliches habe ich mir auch von diesem Buch erhofft.
Um es kurz zu machen: Diese Hoffnung hat sich leider nicht erfüllt.
Das Buch trägt den Untertitel "Apprenticeship" und beschäftigt sich fast vollständig mit den frühen Jahren von Elizabeth, d.h. der Zeit, bevor sie Königin wurde. Das ist an sich ein interessanter Ansatz (was hat sie zu der Frau gemacht, die wir alle kennen bzw. zu kennen glauben?); leider ist Starkey für mich dabei zu detailverliebt. Zu viele Einzelnheiten, zu viele Kleinigkeiten, zu viele Nebensächlichkeiten. Sehr, sehr viel Information - zu viel für meinen Geschmack. Die Jahre bis zu ihrer Krönung werden in winzigsten Schritten beschrieben. Was noch schlimmer ist: das Ganze passiert in der sehr trockenen Sprache, die man typischerweise aus Sachbüchern kennt: Fakten, Fakten Fakten - sonst nichts. Trotz der vielen Informationen, die man über Elizabeth und ihr Umfeld bekommt, wird sie nicht lebendig. Am Ende hatte ich zwar viel über sie erfahren, sie aber kein bisschen kennengelernt.
Starkey kritisiert in seinem Vorwort, dass die meisten Historiker, die sich mit Elizabeth beschäftigen, ein bisschen in sie verliebt sind. Ein Vorwurf, den ich Starkey anhand dieses Buches sicherlich nicht machen würde. Vielleicht täuscht sein Schreibstil, aber ich zumindest hatte nie das Gefühl, dass er dem Thema und v.a. der Figur besonders viel Leidenschaft entgegenbringt. Schade, denn vielleicht wäre der Funke dann auf den Leser übergesprungen.
Fazit: Wer auf der Suche nach Informationen rund um die junge Elizabeth ist, ist mit diesem Buch gut beraten. Wer auch ein Geschichtsbuch irgendwie noch als Buch genießen will, wird damit wohl nicht glücklich werden. Ich zumindest habe mich trotz des interessanten Themas über weite Teile des Buches ziemlich gelangweilt. Dennoch vergebe ich wohlwollende drei Sterne, da meine Erwartungshaltung (Vermittlung von Geschichtswissen + Unterhaltung) wohl einfach unrealistisch war, d.h. an der Enttäuschung war ich ich teilweise selbst schuld.