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Das Buch ist das erste welches in Deutsch erschienen ist, nachdem J.M. Coetzee den Nobelpreis erhalten hat. Es ist ein recht merkwürdiges Buch das in 8 Lehrstücke, vielleicht sollte man besser sagen, in 8 Vorlesungsthemen unterteilt ist.
Elizabeth Costello ist eine in die Jahre gekommenen Schriftstellerin, die einen Roman geschrieben hat in dem sie sich mit verschiedenen Themen auseinandersetzt und dabei sicher keine geläufigen Ansichten vertritt.
Sie reist um die Welt und hält Vorlesungen, hält Vorlesungen bei dem die Zuhörer nur sehr verhalten klatschen, eben weil die Ansichten die sie vertritt etwas merkwürdig sind.
Sie hält zum Beispiel eine Vorlesung über das Lehrstück „Das Böse". Sie sagt es gibt das Böse in der Welt, doch wenn man als Schriftsteller den Pakt mit dem Bösen eingeht, es beschreibt, dann wird man von dem Bösen angesteckt. Sowohl der Schreiber wie auch der Leser wird danach ein etwas schlechterer Mensch sein. Das Böse nistet sich in ihm in irgendeiner Form ein.
In einer anderen Vorlesung spricht sie von dem Skandal der Massentierschlachtung. Sie vergleicht das Massentierschlachten mit dem Holocaust. Sie spricht von Tier KZs. Wenn Hitler die Menschen wie Vieh umbrachte, dann muss ihrer Meinung auch der Umkehrschluss erlaubt sein, das Vieh umgebracht wird wie Menschen. Sie setzt so in irgendeiner Weise die Menschen und die Tiere auf eine Ebene. Sie sagt die Vernunft ist nicht so wichtig, die Seele die uns verbindet ist wichtig. Und am Ende dieser Vorlesung ist das Publikum natürlich erheblich verstört, weil sie den Menschen als Krone der Schöpfung doch in irgendeiner Form in Frage stellt. Und wenn dann Seiten später der Brief eines jüdischen Mannes auftaucht in dem er sagt, so können sie diese Geschichte nicht in die Welt setzen, dann geschieht das was Coetzee durchgehend in seinem Buch macht, er lässt schließlich alles in der Schwebe weil er einer These einen Widerspruch folgen lässt. Er bezieht keine wahre Position und man fragt sich immer wieder, ob er an das was seine Frau Costello in den Vorlesungen vorträgt auch wirklich glaubt. Man wir es nicht herausfinden, so geschickt ist dieses Buch aufgebaut. Coetzee ist sehr intelligent und wenn er diesen Vergleich mit der Nazizeit so einfach darstellt, dann sicher darum um die Leser erst einmal zu provozieren in dem er die Frage aufwirft ob die Tiere auch Seelen haben?
Und dann hält sie einen weiteren Vortrag über die Humanwissenschaften. Sie reist nach Afrika zu ihrer Schwester, sie ist Nonne und sie sagt unsere Kultur beruht auf Leiden. Sie sagt schreiben soll man nichts, man soll Gutes tun. Die Humanity ist gar nichts, der Glaube ist alles. Und so leiden wir alle mit. Das ist das größte was man den Menschen geben kann. Deshalb ist der blutende Christus eine richtige Ikone. Elizabeth Costello geht in ein Krankenhaus und sieht wie die Glaubensschwestern dort arbeiten, man sieht auch ihre Selbstgerechtigkeit und den ganzen „Schwulst" der Caritas.
Am Ende sind wir vor dem Tor ins Jenseits, wo Frau Costello vor dem Torhüter ein Glaubensbekenntnis abgeben soll. Uns da sagt sie, Überzeugungen können wir als Schriftsteller nicht haben. Überzeugungen kommen zu mir.
Es ist ein vielstimmiges Buch, ein Dialog, bei dem Coetzee es geschickt versteht, nie eine feste Position zu den aufgeworfenen Dingen, einzunehmen. Man hat schließlich nicht mehr das Gefühl einen zu lesen, weil Elizabeth Costello das Ego von Coetzee ist.
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