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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
9 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Ein durchgehend religiöses Buch des Nobelpreisträgers,
Von Carl-heinrich Bock "Literatur- und Kinofan" (Bad Nenndorf) - Alle meine Rezensionen ansehen (TOP 500 REZENSENT) (HALL OF FAME REZENSENT) (REAL NAME)
Rezension bezieht sich auf: Elizabeth Costello (Gebundene Ausgabe)
Wenn man dieses Buch in die Hand nimmt, dann fällt einem sofort dieses grandiose Titelbild ins Auge. Da schlängelt sich eine Achterbahn durch die Lüfte und genau darum geht es in diesem Buch, es geht um die Achterbahn des Denkens. Das Buch ist das erste welches in Deutsch erschienen ist, nachdem J.M. Coetzee den Nobelpreis erhalten hat. Es ist ein recht merkwürdiges Buch das in 8 Lehrstücke, vielleicht sollte man besser sagen, in 8 Vorlesungsthemen unterteilt ist. Elizabeth Costello ist eine in die Jahre gekommenen Schriftstellerin, die einen Roman geschrieben hat in dem sie sich mit verschiedenen Themen auseinandersetzt und dabei sicher keine geläufigen Ansichten vertritt. Sie reist um die Welt und hält Vorlesungen, hält Vorlesungen bei dem die Zuhörer nur sehr verhalten klatschen, eben weil die Ansichten die sie vertritt etwas merkwürdig sind. Sie hält zum Beispiel eine Vorlesung über das Lehrstück „Das Böse". Sie sagt es gibt das Böse in der Welt, doch wenn man als Schriftsteller den Pakt mit dem Bösen eingeht, es beschreibt, dann wird man von dem Bösen angesteckt. Sowohl der Schreiber wie auch der Leser wird danach ein etwas schlechterer Mensch sein. Das Böse nistet sich in ihm in irgendeiner Form ein. In einer anderen Vorlesung spricht sie von dem Skandal der Massentierschlachtung. Sie vergleicht das Massentierschlachten mit dem Holocaust. Sie spricht von Tier KZs. Wenn Hitler die Menschen wie Vieh umbrachte, dann muss ihrer Meinung auch der Umkehrschluss erlaubt sein, das Vieh umgebracht wird wie Menschen. Sie setzt so in irgendeiner Weise die Menschen und die Tiere auf eine Ebene. Sie sagt die Vernunft ist nicht so wichtig, die Seele die uns verbindet ist wichtig. Und am Ende dieser Vorlesung ist das Publikum natürlich erheblich verstört, weil sie den Menschen als Krone der Schöpfung doch in irgendeiner Form in Frage stellt. Und wenn dann Seiten später der Brief eines jüdischen Mannes auftaucht in dem er sagt, so können sie diese Geschichte nicht in die Welt setzen, dann geschieht das was Coetzee durchgehend in seinem Buch macht, er lässt schließlich alles in der Schwebe weil er einer These einen Widerspruch folgen lässt. Er bezieht keine wahre Position und man fragt sich immer wieder, ob er an das was seine Frau Costello in den Vorlesungen vorträgt auch wirklich glaubt. Man wir es nicht herausfinden, so geschickt ist dieses Buch aufgebaut. Coetzee ist sehr intelligent und wenn er diesen Vergleich mit der Nazizeit so einfach darstellt, dann sicher darum um die Leser erst einmal zu provozieren in dem er die Frage aufwirft ob die Tiere auch Seelen haben? Und dann hält sie einen weiteren Vortrag über die Humanwissenschaften. Sie reist nach Afrika zu ihrer Schwester, sie ist Nonne und sie sagt unsere Kultur beruht auf Leiden. Sie sagt schreiben soll man nichts, man soll Gutes tun. Die Humanity ist gar nichts, der Glaube ist alles. Und so leiden wir alle mit. Das ist das größte was man den Menschen geben kann. Deshalb ist der blutende Christus eine richtige Ikone. Elizabeth Costello geht in ein Krankenhaus und sieht wie die Glaubensschwestern dort arbeiten, man sieht auch ihre Selbstgerechtigkeit und den ganzen „Schwulst" der Caritas. Es ist ein vielstimmiges Buch, ein Dialog, bei dem Coetzee es geschickt versteht, nie eine feste Position zu den aufgeworfenen Dingen, einzunehmen. Man hat schließlich nicht mehr das Gefühl einen zu lesen, weil Elizabeth Costello das Ego von Coetzee ist. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Arbeit,
Von
Rezension bezieht sich auf: Elizabeth Costello (Gebundene Ausgabe)
Ich gebe hier nur eine Kurzbeschreibung meiner Leseerfahrung ab. Für die inhaltliche Zusammenfassung und detaillierte Sezierung werden sich andere zuständig empfinden.Die olle Costello gibt einem ganz schön was auf. Das Buch gibt mir zu tun, ich muss denken, nicht nur konsumieren, und das finde ich herrlich erfrischend an diesen "acht Lehrstücken". Ich bin nicht mit allem einverstanden, wie auch, wenn ich sie gar nicht in allem verstehe, doch die angesprochenen Themen erscheinen mir von so gigantischer Wichtigkeit, dass ich Coetzee sehr dankbar bin für das literarische Aufgreifen. Ich fühle mich an manchen Stellen gespiegelt, bestätigt, gefordert, herausgefordert oder auch überfordert. Daher werde ich sicher im Laufe meines Lebens den Kontakt zu diesem Buch aufrecht erhalten. Coetzees Alter Ego ist jemand, an dem man sich reiben kann. Da kommt keine Langeweile auf. Für mich ist Elisabeth Costello eine der interessantesten Persönlichkeiten, denen ich in der Literatur (oder im realen Leben) begegnet bin. Und ich habe das Gefühl, ich darf in Coetzees geistige Schatztruhe blicken. Da funkelt und blitzt es mächtig. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
3.0 von 5 Sternen
Interessant, aber teilweise ermüdend,
Von
Rezension bezieht sich auf: Elizabeth Costello: Acht Lehrstücke (Broschiert)
Mit diesen acht Lehrstücken hat J.M. Coetzee in der Tat lehrreiche, gut geschriebene Texte verfasst, in gleichem Maße wie seine anderen Romane überzeugen konnten sie mich jedoch nicht.Elizabeth Costello (mir noch aus 'Zeitlupe' in Erinnerung) reist in diesem nach ihr benannten Buch durch die Welt, zu verschiedenen Vorträgen und Personen, bei denen mal ihre Texte und Reden (und Erinnerungen) im Vordergrund stehen, mal die der anderen, und sie lediglich eine kommentierende Funktion inne hat. Dabei reist sie auch von einem Thema ins andere: Religion, das Böse, Behandlung von Tieren, Liebe, Alter und noch einiges mehr wird thematisiert. Spannende Ideen und Gedankengänge gibt es viele, bei der vorhandenen Themenvielfalt konnten mich allerdings nicht alle Lehrstücke gleichermaßen fesseln. Und trotz des gewohnt guten Schreibstils und einer vermutlich ebenso guten Übersetzung (habe die deutsche Ausgabe nicht mit dem englischen Original verglichen) fand ich auch die für mich interessanten Passagen teilweise recht ermüdend; die Länge einiger im Buch vorkommenden Vorträge recht anstrengend. 'Elizabeth Costello' ist ein interessantes Buch mit vielen guten (auch anregenden), meistens gut nachvollziehbaren Gedanken, das jedoch einige Längen hat. Angenehmer zu lesen finde ich Coetzees Romane wie 'Zeitlupe', 'Schande' oder 'Leben und Zeit des Michael K.', würde aber auch 'Elizabeth Costello' ohne Bedenken weiterempfehlen. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
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