Elisabeth I (1533-1603) trat im Jahre 1558 die Nachfolge ihrer Schwester Maria an. Das Land war von Inflation und Währungsproblemen geplagt, zerrissen durch innere Spannungen, die Armee rückständig. Die junge Herrscherin war aber intelligent genug die Realität und die damit verbundenen Grenzen zu erkennen. England war den anderen europäischen Mächten gegenüber nicht ebenbürtig und so musste sie sich vorsichtig und sehr diplomatisch bewegen. Die Gegenreformation, Probleme in Schottland und Irland sowie nach 1585 der sich zuspitzende Konflikt mit Spanien prägten u.a. die ersten Jahrzehnte.
Zunächst aber zum Untertitel "Strategic lessons from the leader who built an empire" , dieser ist in meinen Augen zu hinterfragen. Hat Elisabeth I. tatsächlich bei ihrem Tode ein Weltreich hinterlassen? Paul Kennedy schreibt hierzu in seinem Buch
Aufstieg und Fall der großen Mächte auf Seite 130, dass England erst nach 1688 während der Herrschaft von Wilhelm und Maria sein elisabethisches Potential als die größte europäische Seemacht entfaltete.
Die Gründung der East-India Company im Jahre 1600, welche später zu einem Träger der britischen Kolonialpolitik werden sollte, die Eröffnung der Londoner Börse im Jahre 1571, das sind zwei der Bausteine für das von Elisabeth geschaffene Fundament. Die ersten Kolonien? Zwar gründete im Jahre 1584 Sir Walter Raleigh eine englische Kolonie namens Virginia, zu Ehren der Königin, diese musste jedoch vorübergehend aufgegeben werden und erst im Jahre 1607 konnte mit Jamestown die erste dauerhafte überseeische Kolonie geschaffen werden.
Zum Aufbau des Buches: Nach einer Einführung, die einen kurzen Überblick über die Randbedingungen zu Beginn ihrer Herrschaft gibt, definiert Alan Axelrod zehn Oberbegriffe, in welchen sich dann die insgesamt 136 Lektionen wiederfinden. Es folgt ein Anhang mit Zeittafel, Bibliografie und Index. Wie überlebt man als Führer, wie hält man sich an der Macht, wie findet man loyale Mitarbeiter ... dies sind einige der von Axelrod benannten Oberbegriffe. Leider geht er bei der folgenden Analyse nicht chronologisch vor, sondern arbeitet sich im Rösselsprung-Verfahren quer durch die Herrschaft von Elisabeth, vor und zurück und wieder vor, so dass der in Geschichte wenig informierte Leser Mühe haben wird zu folgen. Vieles wird nur kurz und knapp angesprochen, manche dieser Lektionen sind nur wenige Zeilen lang, zum Beispiel Lektion 19 PROCLAIM YOUR DEVOTION mit Elisabeths Bekenntnis zur Jungfräulichkeit: ganze 7 Zeilen! Oder Lektion 27 A LEADER IS A LEADER IN EVERYTHING SHE DOES mit ebenfalls 7 Zeilen.
Erschwerend kommt hinzu, dass einzelne Ereignisse mehrfach als Begründung herangezogen werden. Beispiel Tilbury, der Ort wo Elisabeth eine Invasion durch die spanische Armada befürchtete. Unter Lektion 43 SHARE THE DANGER wird aufgeführt wie sie vor Ort präsent war, ihre berühmte Rede zu den Truppen wird in Auszügen zitiert. Knappe 100 Seiten später unter Lektion 94 GET IN THE TRENCHES wird Tilbury nochmals als Beispiel genannt, diesmal ist es u.a. ihr mit dem General gemeinsam eingenommenes Essen. Wieso bitte konnte man dies nicht zusammen fassen? Die jeweiligen Ereignisse werden dabei nicht komplett analysiert, sondern immer nur in Fragmenten geschildert. Masse statt Klasse ... Hauptsache es finden sich möglichst viele Punkte, die Axelrod aufführen kann, so mein Eindruck.
Alles in Allem fand ich persönlich dieses Buch sehr unbefriedigend. Es ist schade, dass Axelrod bei der Analyse der 45-jährigen Herrschaft der englischen Königin Elisabeth I. nicht anders vorgegangen ist. Zu oberflächlich, zu unübersichtlich, die Nennung von Banalitäten einerseits und das Weglassen von wesentlichen Informationen andererseits, eine wenig gekonnte Schwerpunktsetzung, dies ist mein Eindruck. Guten Gewissens kann ich dieses Buch wirklich nicht weiterempfehlen.