Ihnen scheint ein Hauch von Trivialität anzuhaften, und sie rauben (wie bei satanischem Trunk kaum anders zu erwarten) die Seele. Die `Nachgelassenen Papiere des Bruders Medardus eines Kapuziners' führen uns auf die Nachtpfade fremder und eigener Psyche und lassen uns von den verbotenen Früchten des Wahnsinns kosten. Unser Bruder Medardus begibt sich - verführt - auf eine Irr-Fahrt, getrieben von weltlichen Gelüsten verliert er sich in Morden und inzestuösen Beziehungen. An den Schauplätzen des trivialen Schauers wird er selbst zum dominanten Schauplatz und kann sich der Konfrontation mit dem eigenen Anderen nicht entziehen. Dieser Konstruktion wird auch der Leser trotz potentieller Versuche, die Verstrickungen durch hilfreiche Lektürebegleiter wie die Stammtafel des Medardus zu entkräften, kaum entkommen können: Formales und Stoffliches fordern ihren Tribut in der Unmittel-, Unmitteilbarkeit ihres Zusammenspiels. Auf der Ebene der Fabel manifestiert sich dieser Tribut freilich in der Opferung des weiblichen Personals, welches das Ich des Mönches zuvor entzweit hatte. Mit dem Weiblichen schweigt auch der Trieb, und auch wir verstummen ob der uns gebotenen Entsetzlichkeiten (Ent-Setzungen) - nur um schließlich Beifall zu spenden: Ja, das ist es. (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)