Zugegeben, am Anfang hatte ich so meine Probleme mit dem Buch. Hatte ich doch gerade Koschorreks grandioses Buch "Vergiss die Zeit der Dornen nicht" gelesen und war nun auf der Suche nach ähnlichen Erlebnisberichten. Zuerst war ich vom Schreibstil ein wenig enttäuscht, denn während man bei Koschorrek das Gefühl hat eine richtige Geschichte mitzuerleben, so lässt die Tagebuchform anfangs kaum solche Gefühle aufkeimen. Ebenso gibt es außer der Person Rehfeldts keinen weiteren Hauptcharakter an dessen Schicksal man teilhaben kann. Einzig sein Kamerad Jupp Dörflein ist mir in Erinnerung geblieben. Auch hatte ich meine Probleme mit gewissen Sichtweisen die so während des Buchs auftauchten. Geärgert habe ich mich zum Beispiel als Rehfeldt beschreibt wie sie in einem russischen Dorf die Tiere der Bauern zusammengetrieben und geschlachtet haben und er in seiner Güte den Bewohnern auch etwas abgibt "weil es doch irgendwie auch Ihnen gehörte". Diese Distanz die an mancher Stelle aufkommt erkläre ich mir zum einen mit seinem jungen Alter zum anderen mit dem fehlenden Unrechtsbewußtsein aufgrund der Indoktrination die ihn ja ein Großteil seines Lebens begleitet haben muss. (die Division war, soweit mir bekannt, ein Freiwilligenregiment)
Warum gebe ich dem Buch trotzdem 5 Sterne? Nun, zum einen stört die Tagebuchform nach einiger Zeit nicht wirklich mehr, auch das Fehlen von anderen Hauptpersonen fällt nicht negativ auf, einfach weil Rehfeldt eine verdammt spannende und authentische Geschichte erzählt. Ja, ich habe mich hier und da geärgert, aber das ist nun mal ein unverfälschtes Zeitdokument und bei manchen Tagebucheinträgen spürt man förmlich wie sie unter dem Eindruck der vorangegangenen Erlebnisse geschrieben worden sind. Das ist mir lieber als Bücher in denen man eine geglättete Version präsentiert bekommt. Das Leben und die Grausamkeit an der Front wird plastisch beschrieben, man hat das Gefühl dass man hautnah dabei wäre, zudem gibt es detaillierte Einblicke in Waffengattungen die Rehfeldt immer gut erklärt. Gleichzeitig merkt man wie Rehfeldt langsam eine Wandlung durchmacht, auch wenn er dies nicht explizit niederschreibt. Die Grausamkeit des Krieges, das Fallen seiner Kameraden, die Beschimpfung von anderen Wehrmachtseinheiten als "Kriegsverlängerungsdivison", all dies trägt dazu bei dass Rehfeldt immer öfters dem russischen Satz "Krieg nix gut" zustimmen muss. Gefallen hat mir ebenfalls, dass uns diese Geschichte an den wichtigsten Schlachten des zweiten Weltkriegs teilhaben lässt, da Großdeutschland als "Feuerwehrdivision" an allen wichtigen Schlachten wie bspw. Tula, am Don, Rshew, Charkow und Kursk teilnimmt. (nur 1. Band aufgezählt) Die Fotos sind gut, der Preis geht auch in Ordnung, das Buch ist zwar dünner als bei Koschorrek, aber die Schrift ist auch viel kleiner, so dass man insgesamt fast mehr zu lesen hat. Ganz klare Kaufempfehlung, dies gilt gleichfalls für den zweiten Band.