Der Essay "Elite - Erziehung für den Ernstfall" von Gerd Klaus Kaltenbrunner, ist nicht als Plädoyer für oder gegen eine politische Meinung, für oder gegen einen ideologischen Standtpunkt zu verstehen. Die Schrift ist eine analytische Definition des Elite-Begriffes unter philosophischer Betrachtung.
Unter seit Jahrzehnten wachsender Meinungsführerschaft bedenklicher Gleichheits-Ideologen (was letztlich der Leitgedanke eines jeden kommunistischen Systems war) oder derer tumber, gedankenloser Nachplapperer bis hinauf in höchste politische und gesellschaftliche Funktionen, droht der Begriff Elite zunehmend negativ besetzt zu werden.
Diese von Ideologie verbrämte Dummspruch-Verklärung von Elite (des Wortes und vor allem auch dessen inhaltlicher Bedeutung für die Gesellschaft, besser, für unsere Gesellschaft!) zu etwas suggestiv Negativem, ist leider nicht nur bloßer Unfug und darüber hinaus auch vollkommen fern jeder Realität des menschlichen Seins, es ist leider auch gefährlich, weil mit der Negation von gesellschaftlich anerkannten (!) Eliten, nichts geringeres in Gefahr gerät, als unsere freie, demokratische Gesellschaftsordnung!
Ohne Elite ist kein Staat zu machen. Ohne eine kleine Schicht an besonders befähigten Personen die sich natürlich, hoffentlich immer und grundsätzlich, am Leitspruch des Römischen Philosophen-Politikers Cicero "Salus publica suprema lex" orientieren, droht jede Gesellschaft binnen weniger Jahrzehnte kulturell, geistes-politisch, zivilisatorisch zu verwahrlosen. Gewiß, auch Eliten können versagen, die Geschichte hat es oft genug gezeigt. Daraus aber den Umkehrschluß zu ziehen, und das scheint hierzulande seit längeren Jahren die Marschrichtung der politischen Klasse und der veröffentlichten Meinung zu sein, man könne auf Eliten verzichten und in gesellschaftlich verordneter Gleichheit auch schwierige Zeiten durchstehen, ist ein fataler Irrglaube. Totale Egalität (Gleichheit) führt zwangsläufig in gedanklose, inhaltsleere, seichte Beliebigkeit. Nicht gerade Atribute einer starken, stabilen, krisenfesten Gesellschaft.
Die Anerkennung von Eliten bedeutet keineswegs die Diskriminierung oder abschätzige Herabsetzung von Schwächeren! Derartig gelagerten Auslegungen, sollte entschieden, argumentativ entgegengetreten werden. Sie sind nicht nur nicht hilfreich und noch weniger redlich, sie sind vor allem gesellschaftlich von großem Schaden.
Kaltenbrunners Büchlein ist nicht nur inhaltlich wichtig, es ist auch überaus angenehm zu lesen. Der Autor versucht nicht im mindesten den Leser wortgewaltig zu überzeugen oder gar zu überrumpeln, keine Spur von ideologischer Einfärbung. Wie oben angeführt, es ist kein Plädoyer für oder gegen etwas. Kaltenbrunner zeigt nüchtern und rational auf, welche Funktionen Eliten hatten und haben, benennt auch die Risiken eines (wie in jeder gesellschaftlichen Schicht) möglichen Fehlverhaltens und weist pragmatisch, beinahe trocken auf die Folgen eines dauerhaften Fehlens jener Talents- und Verantwortungs-Eliten hin, die letzlich aktiv herbeigeführt wurde durch gesellschaftliche Ablehung, eklatante bildungspolitische Versäumnisse etc. und nur umkehrbar wäre durch ebenso aktive Rückbesinnung auf Werte, die im Nebel der Egalität bereits über Bord gegangen sind.
Gerd Klaus Kaltenbrunner starb im April diesen Jahres. Es bleibt zu wünschen, daß dieser Essay ins gesellschaftliche Bewußtsein gehoben wird. Es ist es wert, und mir will scheinen auch nötig, darüber zu diskutieren und nachzudenken.