Als ich 2006 über ein Wiener Antiquariat eine Ausgabe des Filmprogramms zu "Elisabeth von Österreich" erstand, hätte ich mir nie zu träumen gewagt, diesen Film auch einmal wirklich sehen zu können.
Außer dem Filmprogramm und einem kleinen Eintrag bei in der International Movie Database war nichts über diesen frühen Sisi-Film zu finden und die Wahrscheinlichkeit, dass ein so alter Film überhaupt mal auf VHS oder DVD veröffentlicht wird - zumal ungewiss war, ob er überhaupt noch existierte - stand eins zu einer Million. Ich hakte diesen Wunsch also als unerfüllbar ab und erfreute mich viel mehr an dem ausführlichen Filmprogramm, dessen Inhalt ein Melodram über die vollständige Biographie der Kaiserin versprach. 2010 geschah dann ein kleines Wunder und der Verleih Kinowelt veröffentlichte "Elisabeth von Österreich" auf DVD, in "exzellenter, neu abgetasteter Bildqualität" (Eigenwerbung von Kinowelt).
Zwar handelt es sich bei "Elisabeth von Österreich" nicht wie von Kinowelt behauptet, um den allerersten Film über die Kaiserin -da reicht ein einziger Klick auf www.imdb.com -aber er ist immerhin einer der ältesten Filme zum Thema und sicherlich der älteste Film über die Kaiserin, der derzeit erhältlich ist. Die DVD enthält als Bonusmaterial noch einige Trailer zu weiteren Filmen von Kinowelt und eine als "Presseheft" angekündigte Kopie des Filmprogramms als pdf-Datei, die man sich auf dem heimischen PC angucken oder ausdrucken kann. Allerdings ist die Qualität der für diese pdf-Datei verwendeten Kopie des Filmprogramms mehr als dürftig, das Programm wirkt wie die Kopie einer Kopie einer Kopie einer Kopie...
Auch der Eindruck, "Elisabeth von Österreich" würde das gesamte Leben der Kaiserin behandeln, wie er durch das Lesen des Programmheftes suggeriert werden mag, muß leider revidiert werden. Der Film hat lediglich eine Spieldauer von 78 Minuten, so dass Kürzungen unvermeidbar erscheinen. Tatsächlich bezeichnet "Elisabeth von Österreich" sich gleich zu Anfang als "historische Reportage" und beleuchtet auch nur einige Episoden aus dem Leben der Kaiserin und das -man muss es leider so drastisch formulieren- mitunter auch ohne große Zusammenhänge.
Dieser Film konzentriert sich nur auf einige Episoden aus dem Leben der Kaiserin, wobei die Mayerling-Tragödie den Schwerpunkt bildet. Der Rest des Filmes ist eine mitunter ziemlich lose aneinandergereihte Nummern-Revue, der leider der verbindende dramaturgische rote Faden fehlt. So wirkt der Film leider vor allem in der ersten Hälfte ziemlich unkoordiniert und vermag so weder als Spielfilm noch als historische Reportage zu überzeugen. Des weiteren lässt der Film sämtliche historischen Hintergründe außer Acht. Hinweise auf die Revolution von 1848, Solferino, Königgrätz, den Ausgleich mit Ungarn oder ähnliches wird man vergebens suchen, auch kommen Elisabeths Kinder mit Ausnahme des Kronprinzen Rudolf überhaupt nicht vor. Zudem verliert sich der Film stellenweise in einigen Nebenszenen, die viel zu lang sind und somit die Haupthandlung nur verzögern.
Was lässt sich also als Fazit zu "Elisabeth von Österreich" sagen? Als langjährige Sisi-Sammlerin und Hobbyforscherin bin ich Kinowelt wirklich mehr als dankbar, dass sie diesen Film, der sicherlich für jeden ernsthaften Sammler ein absolutes Muss darstellt, auf DVD veröffentlicht haben.
Die Bildqualität ist wirklich exzellent und lässt für einen solch alten Film keinerlei Wünsche übrig. Als Liebhaberin von Historienfilmen und Dokumentationen muss ich sagen, dass das Konzept dieses Films leider nicht aufgeht.
Es bleibt also weiterhin mein Aufruf an alle Filmschaffenden dieser Welt, endlich mal eine historisch korrekte und gleichzeitig dramaturgisch spannende (und nicht im Kitsch ertrinkende) filmische Darstellung des Lebens der österreichischen Kaiserin auf die Leinwände dieser Welt (oder zumindest auf die heimischen Mattscheiben) zu bringen.
Danke, Kinowelt! Es war sehr schön, es hat mich sehr gefreut.