Als Elizabeth 1558 den englischen Thron bestieg - die Erfahrung von einem Jahr Einkerkerung im Tower wegen falschen Glaubens und Verdacht des Hochverrats und des nachmaligen "Hausarrests" hinter sich lassend - war England eines der wirtschaftlich und kulturell heruntergekommensten und politisch instabilsten Länder Europas. Als sie 45 Jahre später starb, war England eines der wohlhabendesten und mächtigsten Länder. Elizabeths Leistungen in einem Jahrhundert, als Frauen an der Macht nichts galten oder regelmässig die Macht einbüssten, sind kaum zu überschätzen. Dem Autor Jürgen Klein gelingt es, die Königin nicht nur als Objekt einer Biografie mit Lebensdaten darzustellen, sondern ihren Platz in der Gesellschaft und Kultur des damaligen Englands, im Machtgefüge Europas, im Kampf um die Vormacht auf der gesamten britischen Insel und in Irland, im Streit um die "richtige" christliche Religion anschaulich darzustellen. Auch Schwächen und Grausamkeiten der Königin werden nicht ausgespart. Das Buch ist für den historisch Interessierten gut lesbar, in einem verständlichen Deutsch geschrieben und von einer kritschen Sympathie, welche durchaus auch eine distanzierte Betrachtung einzelner Lebenselemente zulässt, geprägt.