Dieses Buch zerfällt eigentlich in zwei klar voneinander abgrenzbare Teile: Das Leben vor dem Tode Thomas Manns und das Leben nach dem Tode Thomas Manns.
Dem Leser fällt auf, daß Elisabeth Manns Lebenserlebnisse dicht mit denen des Vaters verwoben sind, und nicht nur das, sondern auch die biographischen Erläuterungen der Geschwister, eingestreut in den Text, ausführlichen Raum einnehmen. So läßt sich der Eindruck nicht verwischen, eher eine Geschichte einer Vaterbeziehung zu seinen Kindern erzählt zu bekommen anstatt die ausschließliche Jugendbeschreibung der titelgebenden Persönlichkeit zu lesen.
Nach dem Tode des Vaters findet dieser im nachfolgenden Text keinerlei nennenswerte Erwähnung mehr, bzw. Auswirkungen einer wie auch immer gearteten Beeinflussung sind nicht mehr wahrnehmbar. Statt dessen folgt man dem Leben einer Frau, die literaturabseitigen Tätigkeiten (von spärlichen Ausnahmen abgesehen) nachgeht in einer Intensität, daß man als Leser sich häufig gezielt bewußt machen muß, es doch mit der Tochter von Thomas Mann zu tun zu haben, anstatt mit dem Leben einer fremden ökologisch-juristisch-politologischen Autodidaktin mit ausgeprägter Willensstärke zu folgen, die neben ihrer Tatkraft auf bestimmte spleenige Angewohnheiten nicht verzichten will. Zum Beispiel immer mit ihren Hunden zu beruflichen Besprechungen zu erscheinen und diese eher durch Hundeverhalten als durch Sacherledigungen terminieren zu lassen.
Die Stärke des vorliegenden Buches liegt in seinem Untertitel: Denn bei einem Lebensportrait erwartet man im Gegensatz zur Biographie einen leicht lesbaren, der menschlichen Neugier nach fremden Familien-Interna nachgebenden Text, der nicht durch tiefschürfende Detaildarstellungen bzw. -analysen von etwas spezielleren Einzelsachverhalten sowie mit einem überbordenden Anmerkungsapparat geprägt ist. Stattdessen "rauscht" man gewissermaßen in zwei Abenden durch Elisabeths Leben.
Doch die o.g. Stärke ist aber auch gleichzeitig seine Schwäche, die zwar den ersten Teil des Buches nicht betrifft, da geht's ja nur um die Familie, sondern als etwas irritierend im zweiten Abschnitt auffällt: Angesichts dieser außergewöhnlichen Materie von Meeresbiologie, Seerechts-Konvention, Politologie und Zukunftsforschung nimmt der Leser es zwar staunend und ehrfurchsvoll zur Kenntnis, welche Meriten Elisabeth Mann sich durch zähen Fleiß erworben hat, vermag aber eigentlich die Inhalte dieser wissenschaftlichen Tätigkeiten nicht so recht nachzuvollziehen. Eine tiefergehende Themenbeschreibung mit eingeschlossenem Risiko des Abweichens vom eigentlichen Handlungsfaden wäre dem Informationsbedürfnis des Lesers sowie der Nachvollziehbarkeit der dargestellten Materie insgesamt gesehen gerechter geworden.
So aber nimmt der Leser die Seerechtsproblematik oder die universitäre Lehrtätigkeit Elisabeth Manns nur als solche wahr, ohne sich recht ein Bild machen zu können, was denn nun das Besondere des Seerechts gegenüber dem "Land"recht sei, bzw. was für Inhalte Elisabeth Mann ihren Studenten nun im Einzelnen nahebrachte. Zudem würde auch die Didaktik ihrer Lehrveranstaltungen interessieren: Frontalunterricht im Sinne einer Vorlesung oder Moderation als koordinierende Seminarleiterin?
Abschließend ist positiv zur Entstehungsgeschichte dieses Buches anzumerken, daß es nicht als Nachwirkung aufgrund des vorher ausgestrahlten Breloer-Films über die Manns entstanden ist, sondern zeitlich davor. Somit wirkt das Buch authentischer und ehrlicher, weil ihm der Merchandising-Geruch nicht anhaftet.