Elisabeth Langgässer stand in der unmittelbaren Nachkriegszeit hoch im Kurs. 1950 wurde ihr der Büchner-Preis zugesprochen, allerdings hat sie das selbst nicht mehr erlebt; sie war kurz zuvor im gleichen Jahr gestorben. In der Zeit seitdem ist sie zusehends in Vergessenheit geraten.
Sonja Hilzinger hatte es mit ihrer Biografie doppelt schwer: zum einen war es gar nicht leicht, dafür einen Verlag zu finden, zum andern musste sie sich mit zahlreichen Widersprüchen und Schattenseiten im Leben der Protagonistin auseinandersetzen. Langgässer war als Autorin stark von katholischer Mystik geprägt - aber die Nazis verboten ihr als Halbjüdin das Publizieren, deportierten ihre älteste Tochter trotz zwischenzeitlich erlangter spanischer Staatsbürgerschaft nach Theresienstadt und Auschwitz. Sie reagierte auf das Dritte Reich aber eher mit innerer Emigration oder geradezu Realitätsflucht und keinesfalls auf der politischen Ebene, hatte sie doch 1932/33 selbst die NSDAP gewählt...
Diese und andere merkwürdige Verhaltensweisen und Vorstellungen versucht die Biografin zu verstehen und verständlich zu machen, stellt die Autorin Langgässer in die wechselnden historischen und kulturellen Kontexte ihrer Lebensstationen, zu denen zwei Weltkriege ebenso gehören wie verschiedene Besatzungsmächte in den Nachkriegszeiten und ein Wechsel der Staatsformen vom Kaiserreich bis zur frühen Bundesrepublik.
Der rund 450seitige Text der Biografie wird durch einen kurzen Anhang mit Anmerkungen, Bibliografie und Personenregister ergänzt. Und erfreulicher Weise durch eine Reihe von Fotos illustriert, die verschiedene Gesichter von Elisabeth Langgässer zeigen und nicht nur das eine, das bisher auf den meisten Werkausgaben zu sehen war.