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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
44 von 47 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Ein Leben zur falschen Zeit am falschen Ort!,
Rezension bezieht sich auf: Elisabeth: Kaiserin wider Willen (Broschiert)
Brigitte Hamann ist mit dieser Biographie etwas gelungen, was nur wenigen Historikern gelingt. Sie musste gegen einen Mythos anschreiben, der im kollektiven Gedächtnis der Leser herumspukt, gegen ein "Sissi"-Klischee, das nicht nur an Romy Schneider wie Pech haftete, sondern auch an der historischen Elisabeth von Österreich. Das die Wittelsbacherin, die tatsächlich vom österreichischen Kaiser vom Fleck weg geheiratet wurde, mit den Marischka-Heimatfilmen nur sehr wenig gemeinsam hatte, ist seither hinlänglich bewiesen. An dieser Richtigstellung trägt diese Biographie einen sehr großen Anteil.Vor allem aber zeichnet sich Brigitte Hamanns Buch durch eine Lesbarkeit aus, die von den ersten Seiten an fesselt. Auf über sechshundert Seiten langweilt die Historikerin ihre Leser keinen Moment. Ihr gelingt nicht nur ein sehr differenziertes Portrait einer sehr widersprüchlichen und vielschichtigen Persönlichkeit. Auch die Lebensbedingungen bei Hofe und die politisch-gesellschaftlichen Verhältnisse in der k.u.k. Monarchie werden glänzend dargestellt. Jahrgang 1837, wächst Elisabeth tatsächlich in verhältnismäßig freien Verhältnissen heran. Zwar gehört ihre Familie zum bayerischen Hochadel, aber ihr Vater, der sich nicht um höfische Etikette schert, bekleidet eine Außenseiter-Position im Wittelsbach-Gefüge und kann so seine Familie weitestgehend abschotten. Seine Frau Ludovica ist jedoch von dem Wunsch beseelt, ihre älteste Tochter mit dem Sohn ihrer Schwester zu verheiraten: Kaiser Franz-Joseph von Österreich-Ungarn. Als die beiden einander vorgestellt werden, ist auch die sechzehnjährige Elisabeth dabei und der Kaiser entscheidet sich für eine Ehe mit der jüngeren Cousine, die allerdings auf diese Aufgabe überhaupt noch nicht vorbereitet ist und darum nach ihrer Heirat dauernd am Hofe aneckt. Bereits in den ersten Ehejahren kristallisiert sich ein Lebensmotiv Elisabeths heraus: Sie entzieht sich durch Krankheit und Flucht ihren Aufgaben und der ständigen Kontrolle, sowohl als erste Frau eines riesengroßen Reiches, das Kaiser Franz-Joseph nur mit Mühe zusammenhalten kann, als auch in ihrer Ehe und ihrer Familie. Zwar wird sie immer wieder Akzente setzen und auch politische Entscheidungen treffen, sich immer wieder mit Vehemenz für Ziele und Menschen einsetzen und doch bleibt sie stets unnahbar. Sie kann durchaus leidenschaftlich eine Sache verfolgen, verliert aber genauso schnell auch wieder das Interesse und zieht sich in der Folge in sich selbst zurück. Sie erweckt große Hoffnungen, bei ihrem Volk, ihren Kindern und nicht zuletzt ihrem Mann, um sie dann doch zu enttäuschen. Aber es ist wohl auch nur sehr schwer nachvollziehbar, welcher Druck auf dieser Frau lastete, die lange vor der Zeit eine Aufgabe übernehmen musste, die sie weder ausfüllen konnte noch wollte. Elisabeth von Österreich symbolisiert auch das Scheitern einer Weltmacht. Mit ihrer fortschrittlichen Denkweise sieht sie kommen, dass sich die großen Monarchien nicht mehr lange halten können. Und doch ist sie Repräsentantin eines Reiches und einer Zeit, der sie persönlich bereits voraus ist. Spätestens nach dem Tod ihres Sohnes, Kronprinz Rudolph, wird offenbar, wie marode die Monarchie geworden ist. So liest sich diese Biographie auch wie ein Abgesang auf einen geschichtlichen Anachronismus. Brigitte Hamann hat in diesem Buch grandios geschildert, wie tragisch ein falsches Leben zur falschen Zeit am falschen Ort ist. Elisabeth von Österreich ist dafür das beste Beispiel! Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
29 von 32 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Kaiserin ohne Zuckerguss,
Rezension bezieht sich auf: Elisabeth: Kaiserin wider Willen (Broschiert)
Dass Elisabeth von Österreich mit der süßen Sissi der Oskar-Marischka-Filme allenfalls die biographischen Eckdaten gemeinsam hatte, dürfte ohnehin jedem bekannt sein. Aber wer war Elisabeth dann? -- Die nicht nur wegen ihrer fundierten Biographien renommierte Historikerin Brigitte Hamann geht dieser Frage nach und präsentiert auf knapp 600 Seiten ein faszinierendes Porträt einer widersprüchlichen Frau. Hamann hat wie gewohnt ausgiebig recherchiert und viele bis dato unberücksichtigte Quellen herangezogen; vor allem private Aufzeichnungen und Briefe naher Verwandter und enger Freunde erwiesen sich als Fundgrube. Allerdings -- darauf weist Hamann nachdrücklich hin -- waren ihr nicht alle Quellen zugänglich.Dass nach der letzten Überarbeitung dieser voluminösen Biographie (1998) immer noch Neues zutage gefördert wurde, zeigt eigentlich nur, wie dürftig vor Hamanns Arbeit die Lage war... Und dass neue Funde (z.B. weiß man seit neustem, dass Elisabeth von Österreich zur illustren Schar prominenter Junkies gehörte) dem von Hamann gezeichneten Bild im Grunde nur Nuancen beisteuern, zeigt, wie fundiert ihre Monographie ist. Und wer war nun diese legendenumrankte Elisabeth von Österreich? Die unbeholfene 16jährige vom Land, der vor der spektakulären Hochzeit noch im Crashkurs die notwendige Bildung beigebracht werden musste? Die jahrelang auf dem glatten Parkett des Habsburger-Zeremoniells hilflos umherrutschte? Die aber ganz offensichtlich intelligent, frei von Standesdünkel und Neuem gegenüber aufgeschlossen war -- im Gegensatz zu ihrer Umgebung? War sie die selbstbewusste Frau, die schließlich gelernt hatte, sich nachdrücklich gegen die zeremonielle Starre aufzulehnen -- und dabei nicht selten über das Ziel hinausschoss? Die besorgte Mutter, deren energischem Eingreifen ihr Sohn Rudolf, der Thronfolger, einen liberalen Erzieher verdankte? Oder die desinteressierte Mutter, die ausgerechnet zu dem ihr intellektuell sehr nahe stehenden Sohn keinen Kontakt suchte? War sie die engagierte Ungarn-Freundin, die den ungarischen Teil des Reiches (damals umfasste der u.a. große Teile der heutigen Staaten Ungarn, Rumänien, Ukraine, Kroatien, Slowakei) befrieden half? Oder war sie die Intrigantin, deren einseitiges Eintreten für Ungarn und gegen die slawischen Landesteile den Zerfall des Habsburgerreiches beschleunigen half? War sie das Biest, dessen Extravaganzen die Staatsfinanzen an den Rande des Bankrotts brachten, die verbitterte Einsame, oder die abgeklärte Frau, die in späteren Jahren in freundschaftlichem Einverständnis mit ihrem kaiserlichen Gemahl auskam? War sie die glühende Heine-Verehrerin, Verfechterin republikanischer Ideale gar, Verfasserin (allerdings: mäßiger) Gedichte, beißende Spötterin? Oder war sie die Anhängerin eines absurden Spiritismus, Teilnehmerin an nachgerade lächerlichen Séancen und Geisterbeschwörungen? (Es gäbe noch mehr Facetten von Elisabeths Persönlichkeit zu erwähnen, aber diese Auswahl sollte genügen.) Alles davon war sie, und das macht Elisabeth zur faszinierenden Gestalt der Geschichte. Liest man Hamanns Biographie so, als habe man noch nie etwas von der Geschichte des 19. Jahrhunderts gehört, so meint man, Szenen einer Ehe mitzuerleben, in übersteigerter Form -- doch im Gegensatz zu anderen misslungenen Ehen hatte diese Ehe eben auch weitreichende politische Folgen. Noch ein Grund also, warum diese Biographie lesenswert ist. Hamanns größtes Verdienst allerdings, so scheint mir, ist folgendes: Das Habsburger- und Wittelsbacher-Panoptikum, das sie hier ausbreitet, sieht sie in seinem historischen Kontext. So war z.B. Elisabeths Konflikt mit ihrer Schwiegermutter nicht nur ein "normaler" Schwiegermutter-Schwiegertochter-Konflikt, sondern hier spielten auch konträre Weltbilder eine entscheidende Rolle: Hier die Kaisermutter, die noch ganz dem Herrscherideal des ausgehenden 18. Jahrhunderts verpflichtet war und die Rechte des Individuums dem Staatswohl unterordnete (als Politikerin war sie wohl weitaus fähiger als ihr Sohn), dort die dem Individualismus verpflichtete Elisabeth. (Und dazwischen stand der intellektuell nicht allzu bewegliche Kaiser Franz Josef...) Überhaupt: Hamanns Elisabeth-Biographie ist gleichzeitig eine anschauliche Darstellung einer noch gar nicht lange vergangenen und teilweise doch völlig fremd erscheinenden Epoche. Die Berücksichtigung des historischen Kontexts macht diese Biographie auch für Leser interessant, die sich für die Person Elisabeths nicht allzu sehr interessieren. Man lernt ganz nebenbei verstehen, wie die Vorstellungen des ausgehenden 19. Jahrhunderts auf Verhältnisse des 20. Jahrhunderts prallten, und wieso all die vom heutigen Standpunkt aus unsinnigen politischen Weichenstellungen zustande kamen, die schließlich in die Katastrophe des Ersten Weltkriegs münden sollten. Hamanns Biographie lässt kaum einen Aspekt aus, oder anders formuliert: Vermutlich sind Fakten, die nicht in diesem Buch enthalten sind, auch nicht der Rede wert... Daraus resultiert freilich auch eine kleine Schwäche dieser rundweg empfehlenswerten Biographie: Manchmal geht mit der Autorin Brigitte Hamann die Historikerin Brigitte Hamann durch -- und dementsprechend sind manche Passagen gerade wegen ihrer bewundernswerten Ausführlichkeit etwas ermüdend zu lesen. Was ein wenig zu kurz kommt, ist die Antwort auf die Frage, wie der Mythos "Sisi" entstehen konnte -- schließlich wucherte der bereits fröhlich vor den "Sissi"-Filmen. Wie gesagt: kleine Mankos nur, die durch die Informationsfülle und die zahlreichen Abbildungen mehr als wettgemacht werden. "Elisabeth. Kaiserin wider Willen" ist viel mehr als eine Biographie im herkömmlichen Sinne, sondern gleichzeitig auch eine historische Abhandlung über die Spätzeit des Habsburgerreichs, geschrieben in einem meist gut lesbaren Stil. Eine dicke Empfehlung an alle Geschichtsinteressierten! Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
27 von 30 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Durch und durch empfehlenswert!,
Von Ein Kunde
Rezension bezieht sich auf: Elisabeth: Kaiserin wider Willen (Broschiert)
Elisabeth ist nicht die Sisi aus den Filmen, das wird in dieser Biographie von Brigitte Hamann deutlich. Wer erwartet das Sisi-Klichee in dieser außerordendlich gut gelungenen Biographie zu finden sucht vergeblich. Der Leser erfährt wie Elisabeth von Österreich wirklich war und verfällt hierbei in die verschiedensten Gefühle: Einerseits Wut durch den Egoismus der Kaiserin, dann Mitleid für die Ungerechtigkeiten, Bewunderung, Verwunderung und vieles mehr.Beim Lesen hat man nicht das Gefühl eine Biographie zu lesen, sondern man ist gefesselt von der ausgesprochen faszinierenden Persönlichkeit Elisabeths. Des Weiteren werden auch andere Persönlichkeiten aus Elisabeths Leben so interessant und lebensecht geschildert, dass das Interesse des Lesers für diese unweigerlich geweckt wird. Durch die vielen Zitate und eindrucksvollen Beschreibungen ist die Biographie lebendig und man kann sich an vielen Stellen ein Lächeln nicht verkneifen, da Brigitte Hamann mit einer gewissen Ironie schreibt. Ein weiteres Bonus des Buches sind die vielen Bilder der Kaiserin, ihrer Verwandten, ihrer Umgebung usw. Insgesamt zeigt die Biographie wunderbar das Leben der Kaiserin und die Entwicklung von dem schüchternen, ängstlichen Mädchen bis zur selbstbewussten aber totunglücklichen Frau, die ihr Leben lang von ihren Verpflichtungen erdrückt werden zu scheint und immer mehr in Sonderlichkeiten, Krankheit und Reisen flüchtet. Ein Muss für jeden der etwas über die echte Elisabeth erfahren möchte!!! Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
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