Mit dieser CD hat ein erst 14-Jähriger seine Debut-CD als Geiger veröffentlicht - und damit voll und ganz überzeugt. Großen Anteil hat daran sicher das Programm, weil es hier nicht zum wiederholten Mal eines der "TOP-10-Konzerte" zu hören gibt, bei denen leicht die Gefahr besteht, dass ein so junger Solist gegenüber einem gereiften Musiker" unterliegt. Stattdessen gibt es eine angemessene, dem Alter des Solisten entsprechende Zusammenstellung eher kurzer Stücke, mit denen er sowohl sehr gut seine geigerischen Fähigkeiten als auch emotional sehr gute Interpretationen präsentieren kann. Die ersten acht Nummern der CD werden von einem Orchester, die folgenden sechs Stücke vom Klavier begleitet - was aber angesichts der Intensität des Geigenspiels kaum auffällt.
Zwei Stücke, die durchaus sehr gut zum sonstigen, klassischen" Programm passen, stammen vom Filmkomponisten Martin Stock bzw. aus dem Film "Wunderkinder" (Deutschland 2011); auch einige klassische Stücke, die im Film meist gekürzt vorkommen, sind auf der CD enthalten, werden auf ihr aber von Elin Kolev natürlich in voller Länge gespielt, u.a. mit überaus großer Spielfreude Brahms' Ungarischer Tanz Nr. 5, Dvoøaks Humoreske op. 101 Nr. 7 - sehr schön interpretiert! - und der im Film nicht enthaltene, leidenschaftlich-atemberaubende Säbeltanz von Aram Khatschaturian. (An seiner Stelle gibt es im Film den Hummelflug".) Auch im Film "Wunderkinder" fällt Elin Kolev dank seines unglaublichen Violinspiels - und wegen der Handlung - die Hauptrolle zu; er selbst versteht sich allerdings nicht als "Wunderkind", sondern sieht es als "Beruf" - mit 14! - an, Violinist zu sein. Wer den Film mag, kann sich auch die Filmmusik-CD "Wunderkinder" anschaffen, weil diese unter rein filmischen Gesichtspunkten zusammengestellt worden ist und es praktisch kaum Doppelungen von Stücken gibt.
Wer weitere Informationen über den jungen Künstler sucht, wird im Internet dazu schnell fündig; u.a. auf "You-Tube" ist sehr gut seine Entwicklung in den letzten Jahren und sein unverkrampftes Verhältnis zur klassischen Musik - und zu übermäßig flapsigen Fernsehmoderatoren wie Stefan Raab - dokumentiert. Angesichts seines sympathischen Auftretens ist Elin Kolev weiterhin nicht zuviel Wirbel um seine Person zu wünschen, damit er sich in Ruhe zu dem großartigen Musiker entwickeln kann, für den er zweifellos die besten Voraussetzungen hat. Der Schallplattenfirma, die seine Solo-CD herausgebracht hat, ist zu wünschen, dass nicht unbedingt nur die "TOP-Konzerte" eingespielt würden, sondern auch mal Violinkonzerte, die ebenso interessant sind, gleichwohl aber nur selten veröffentlicht werden: Wie wäre es beispielsweise mit einer Kombination von Bruchs bekanntem 1. mit seinem 2. oder 3. Violinkonzert oder mit der Kombination von Schumann, Mendelssohn und Brahms mit den Werken für Violine und Orchester des viel zu wenig bekannten Joachim Raff?
Schließlich noch ein weiterer interessanter Aspekt: Wer Konzerte mit klassischer Musik besucht, dem fällt leider oft genug das Fehlen jüngerer Menschen im Publikum auf; merkwürdig der Gegensatz zwischen oft hervorragenden, jungen Künstlern mit unter 30 Jahren gegenüber einem "50-plus-Publikum". Gerade ein so junger, noch dazu auch gutaussehender Künstler wie Elin Kolev müsste eigentlich auch das Interesse jüngerer Menschen an klassischer Musik wecken können, ohne gleich ins Crossover-Fach abzudriften und dort dann wiederum an Renommee im Klassikbereich zu verlieren. Es wäre an der Zeit, dass sich Konzertveranstalter, aber auch die Medien (Fernsehen, Radio) in dieser Hinsicht als kreativ erweisen und neue Formate entwickeln würden, um mit jungen Künstlern auch das Interesse junger Menschen an klassischer Musik zu fördern.