Machen wir es kurz und schmerzlos: Dieses Buch ist das BESTE, das ich je gelesen habe. Ich mache keine Scherze und übertreibe nicht. Meinem Anspruch an die Literatur wurden hiermit neue Maßstäbe gesetzt und verdammt nochmal, ich habe nicht den blassesten Schimmer, wie man diesen jetzt noch gerecht werden soll. Na toll. Und mich darüber beklagen vermag ich noch nicht einmal ' höchstens wie ein liebestrunkener Gockel mit dem Buch durch die Stadt laufen und Qunajs Roman jedem ans Herz legen. Ja, das fiele mir leicht.
Ich habe es noch nie erlebt, dass ich eine Geschichte dermaßen gelebt habe. Vor ein paar Minuten war ich noch dabei, mir die restliche Wimperntusche von den Wangen zu kratzen, weil ich heulen musste wie eine umgekippte Regentonne, und das lag nicht nur daran, dass 'Elfenmagie' jetzt zu Ende ist.
Aus dieser Aussage könnte man herauslesen, dass dieses Buch keineswegs wie der 0815-Roman vor Kitsch trieft und dem Leser am Schluss durch ein perfektes Happy End auf Lebzeiten glücklich stimmt. Das tut es auch nicht. In Wahrheit hat es mein Herz wie eine Beere zerquetscht, was der Tatsache geschuldet ist, dass die Charaktere hierin nicht nur real sind ' sie leben! Und dadurch bekommt man von ihnen neben dem Glück und der Liebe auch all den Schmerz mit, der zu einem Leben nun mal dazugehört. Doch macht es mich andererseits glücklich zu sehen, dass die Autorin ihren Charakteren durchweg treu geblieben ist. Es kam nie der Moment auf, in dem ich mich fragte, was eine gewisse Person gerade wieder für Dummheiten ausheckt. Jede Handlung beruhte auf einer der Person eigenen Logik, gehörte zu dieser 'Figur', konnte nicht anders vollzogen werden, da es das Charakterbild der Person ausdrückte.
Allerdings finde ich, grenzt es schon an Körperverletzung, einem Leser diese innere Zerrissenheit bezüglich der Prota- und Antagonisten anzutun. Qunaj erzählt die Geschichte ihrer Helden aus mehreren Perspektiven und schafft es dabei, keinen zu kurz kommen zu lassen. Alkariel könnte man für die 'Böse' dieses Buches halten, doch nachdem man die Dinge aus ihrer Sicht betrachtet hat, versteht man sie und ihr Tun. Was bedeutet das Leben eines Einzelnen schon, wenn man der festen Überzeugung ist, durch den Tod dieser Person einer ganzen Welt ein Leben in Harmonie zu schenken? Die Krone über ein Land ist eine Bürde, die nur ertragen werden kann, wenn man seinen Überzeugungen treu bleibt, denn ansonsten würden die Zweifel einen vernichten. Wie kann man so jemanden also verurteilen?
Zu ihr findet sich das Gegenstück auf anderer Seite, die nur das Beste für ihren Teil der Welt will und deshalb ebenfalls Entscheidungen trifft, die Opfer verlangen, die man eigentlich nicht zu zahlen bereit ist. Doch wie kann man diese Person verurteilen, wenn dadurch so viele Leben gerettet werden?
Natürlich haben wir da noch Vanora und zwei der Männer in ihrem Leben, von denen einer mehr für sie als ein Freund ist. Eine Liebe auf diese Weise zu erleben, war für mich ein ganz neues Erlebnis. Muss es immer Glück und Unbeschwertheit sein, die mit der Liebe in Verbindung gebracht wird? Was ist mit den Schmerzen, die ein Mensch schon erlebt hat ' Schmerzen die nicht im Liebesglück vergehen, an denen man zu zerbrechen droht. Was ist, wenn es der Schmerz oder die Erinnerung an einen solchen ist, die einander vereint? Ist diese Liebe dadurch weniger gut, weniger wünschenswert? Lohnt es sich, daran festzuhalten, um später vielleicht zu entdecken, dass er zwar nicht heilbar ist, aber sich lindern lässt?
Lohnt sich das Leben nach dem innerlichen Tot erneut anzugehen, nur für den Augenblick?
Natürlich dreht sich nicht alles um romantische Beziehung und so auch hier nicht. Es geht auch um Freundschaft, um Verbrüderung aus der Not heraus und später vielleicht sogar aus mehr als das, um die Liebe in der Familie, um die Liebe zu seinem Land und dessen Bewohner, um Loyalität, Berechnung und Kalkulation, die aus einer Form der Liebe und nicht immer aus Machthunger entwächst. Und ich werde dem Beziehungsgefilde immer noch nicht gerecht.
Man ahnt es schon ' dieser Roman ist ein Wechselbad der Gefühle, doch keines dieser wirkt aufgesetzt, fehl am Platz oder überzogen. Alles fügt sich natürlich, passt sich stimmig dem Gesamtgefüge an.
Bei dem Aufbau der Elfenwelt ist es eben so. Winzige Details sind es, die 'Elvion' vor den Augen des Lesers auferstehen lässt. Die Elfen und ihre Gegensätze zu den Menschen wurden unglaublich fein herausgearbeitet. Beide Seiten haben eine Vergangenheit, eine Gegenwart und eine Zukunft ' die einem bis zum Schluss aber noch nicht gewiss erscheint, denn Qunaj schafft es einen mit immer neuen Wendungen zu überraschen und trotz einer Seitenstärke von fast 1000 Seiten die Spannungskurve stets angezogen zu halten. 1000 Seiten? Gefühlte 100 würde ich sagen. Wenn überhaupt.
Das Erstaunlichste ist wohl, dass ich bei der Komplexität der Welten und ihrer Bewohner nie überlegen musste, wer jetzt wer ist und was für einen Hintergrund er hat. Hierzu nochmal ein kräftiges Kompliment an die Autorin, weil es mir durchaus schon passiert ist, dass ich irgendwann durcheinandergekommen bin.
Hinzu mag ich es nicht sehr blutig, aber auch wenn es hier kampftechnisch hoch herging, war es mir nie zu viel. Das macht das Buch für mich nicht nur für Frauen perfekt ' Männer traut euch! Der Einband ist zwar rosa (und wunderschön, trotz schlapprigem Einband), aber hier stecken viele Schwarz- und Rottöne drin!
Und natürlich ' nicht zu vergessen ' es gibt auch einiges zum Lachen. Lang leben Bienli und seine Frau! Was werde ich seine Liedtexte vermissen ...
Auch die Sprache von Qunaj ist fesselnd, flüssig und beschreibt alles so plastisch, dass ich das Gefühl hatte, mitten drin im Abenteuer zu sein und nichts aus den Worten herausziehen zu müssen.
Ich kann es nur nochmal betonen: Für mich das beste Buch überhaupt.
Jetzt stell sich einer vor, dass wird mit dem zweiten Band noch getoppt ... oi, ich glaube, das hält man Herz dann nicht aus. Aber wer sagt denn, das ich nicht auch eine masochistische Ader beweisen kann: SCHNELL! GEBT ES MIR! GESTERN, BITTE!