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"Elfenkuss" ( OT: Wings ) ist der erste Band einer ( geplanten ) Tetralogie. Der Debütroman von Aprilynne Pike hat es kurz nach seinem Erscheinen sogleich ganz oben auf die Bestsellerliste der New York Times ( im Bereich "Young Adult" = Jugendbuch ) geschafft.
Die Story spielt in Crescent City, einer nordkalifornischen Kleinstadt in der Gegenwart.
Die Protagonistin ist die 15-jährige Laurel ( dt. Lorbeere ) Sewell, ein eher ungewöhnliches Mädchen, welches kürzlich mit ihren ( bio-fanatischen ) Adoptiveltern hergezogen ist. Aufgrund von jahrelangem Hausunterricht in einem Dorf, sowie ihrem andersartigen Wesen erscheint Laurel den Mitschülern wie ein menschenscheuer hungernder Frischluft-Heini. Doch trotz ( oder wegen? ) ihrer merkwürdigen Art findet sie in dem nicht minder seltsamen jungen Wissenschafts-Freak David Lawson schnell einen besten Freund.
Alles scheint sich gut zu entwickeln, doch dann wächst dem Mädchen zwischen den Schulterblättern eine harte Beule, welche immer grösser und unheimlicher wird. Verzweifelt denkt Laurel schon an einen Tumor, bis die Beule aufspringt und eine Art Blütenflügel enthüllt.
Laurel versucht erfolgreich diesen Auswuchs vor jedem zu verbergen - in der großen Hoffnung, daß es irgendwann wieder verschwinden wird. Nur ihrem besten Freund David vertraut sie sich an. Wenig später fährt sie mit ihren Eltern zurück an den Heimatort, wo die Familie ihr altes Haus für den Verkauf herrichten will. Bei einem letzten einsamen nostalgischen Waldspaziergang ( in den Tiefen des Redwood-Nationalparks ) trifft Laurel völlig unerwartet auf einen unirdisch schönen jungen Mann namens Tamani, welcher ihr unangenehmes kleines Geheimnis sogleich durchschaut und ihr sogar weiszumachen versucht, daß dieser Zustand völlig normal sei ... weil Laurel nämlich eine Elfe ist!
Es dauert lange bis das Mädchen diese für sie irrsinnige Nachricht verdaut.
David - als selbsternannter Hobbywissenschaftler - untersucht indes begeistert ihren Körper ( nichts zweideutiges gemeint ^^ ) und dank seines Mikroskopes findet er heraus, daß Laurel ... halt! Mehr verrate ich nicht. Das müsst ihr schon selber lesen. ^^
Anschliessend wird die schwierige Anpassung Laurels an ihre neue Situation beschrieben. Im weiteren Verlauf entwickelt sich die Story sogar zu einem Thriller und ganz zum Schluß wird`s besonders mythologisch.
Ach ja, es entsteht ausserdem ein ( emotionales ) Liebesdreieck.
Im Übrigen ist dies das einzige Element, welches mich so einigermaßen an TWILIGHT erinnert ( weshalb ich mich häufig darüber wundere, wieviele Leserinnen neue Jugendbücher der Sparte "paranormal romance" wieder und wieder mit besagter Reihe von Stephenie Meyer vergleichen müssen ... und sogar viele Gemeinsamkeiten sehen wollen, wo keine sind bzw. welche eigentlich bloss die üblichen Genre-Stereotypen darstellen und daher in vielen Geschichten so vorkommen ... so auch das erwähnte Liebesdreieck ... welches mir hier übrigens besser gefällt, obwohl ich dergleichen nur selten mag ^^ ).
A'propos ... die Mini-Spoiler werfe ich nur auf, damit die geneigten Leser in etwa wissen, was sie zu erwarten haben ( ehrlich gesagt verrät die Inhaltsangabe auf der Klappenbroschur des Buches selber schon viel zu viel ... was ich irgendwie in letzter Zeit häufiger erleben "durfte" >< )
Ich finde es zudem sehr interessant, daß man als Leser hier endlich mal die Physis ( natürliche Beschaffenheit ) von Fantasywesen erfährt. Und zwar auf wissenschaftlicher ( bio-morphologischer ) Basis. Selbstverständlich nur pseudo-wissenschaftlich. Biologie-kundige dürften erkennen, daß es so nicht wirklich funktioniert. Aber es handelt sich bei dieser Geschichte ja um Fantasy also von daher sollte die Logik mal ein Auge zudrücken. ^.~
Zudem gefällt mir, daß es in der Story selber keine passenden Leitfäden in Literatur oder Internet zum Thema gibt. Es hat mich schon öfters in Fantasy-Romanen gestört, daß die Charaktere nur über bestimmte phantastische Elemente zu googeln brauchten und alsbald erfuhren was sie wissen wollten ... und das Zeug aus dem Netz auch noch völlig mit der Realität ( im Buch ) übereinstimmte! Internet-Recherchen, wenn der Charakter während des Handlungverlaufs nicht mehr weiter weiß, sind daher in meinen Augen häufig eine Art "Deus ex machina" ( plötzlich auftretende Hilfs-Lösung in Notsituationen ) ><
Das Internet als unerschöpfliche Wissensquelle versagt hier jedoch auf ganzer Linie ( gleichfalls die Literatur ). Denn die Elfen sind in dieser Geschichte überhaupt nicht so, wie die Menschen sie sich in ihren alten Sagen vorstellten. Dementsprechend tappen Laurel und ihr Freund ziemlich lange im Dunkeln bezüglich der wahren Natur der Elfen.
"Alles was man über Elfen zu wissen glaubte, wird für immer verändert" - diese Aussage trifft es so ziemlich genau. Jedoch nicht ganz, denn ein paar wenige Dinge aus dem keltischen Volksglauben ( z.B. Furcht vor Salzwasser ... was in diesem Fall witzigerweise sogar logisch ist, wenn man sich die Physis der Elfen vor Augen führt ^^ ) bleiben trotzdem erhalten ( zumindest ein richtiger Wissens-Aspekt seitens der Menschen ^_~ ).
Man erfährt in diesem ersten Band allerdings erstmal bloss das Allgemeine, was es über diese "neuen" Elfen zu wissen gibt. Ich bin guter Dinge, daß sich die Autorin in den Folgebänden noch weitere Originalitäten einfallen lassen wird bzw. das Elfenbild interessant weiter aufklärt.
Jetzt zu den Kritikpunkten.
Die Handlung ist zu Beginn doch ein wenig langatmig. Bei Wälzern stört mich sowas kaum, doch da in diesem Fall der erste Band nicht sehr dick ist ... nunja, das gemächlichere Tempo ist zumindest der Erzähl-Logik zugetan, weil es die langsame emotionale Entwicklung der Protagonistin gut beschreibt, welche sich erstmal an die neue Situation gewöhnen muss ( was verständlicherweise alles andere als einfach ist ). Ausserdem lernen wir Laurels Charakter dadurch besser kennen.
Trotzdem ist das Schleichtempo bis zur Buchmitte dem spannenden Lesefluss nicht immer wohlgesonnen. Die Nebencharaktere bleiben zudem noch etwas auf der Strecke ( ändert sich mit den Folgebänden sicherlich ).
Jedenfalls, nachdem die langsame "Gewöhnungs"hürde erstmal genommen ist, schreitet die Handlung relativ flott voran.
Ich würde auch noch gerne erwähnen, wie sehr es mich ermüdet, daß die deutschsprachige Version wieder mal die "faeries" mit "Elfen" übersetzt hat, statt mit "Feen". Eine Sisiphos-Arbeit für mich. *seufz* Wenn allerdings "trolls" ( = Trolle ) übersetzt werden mit Orks ( engl. orcs ) dreht sich mir als Fantasyfan schon regelrecht der Magen um. Trolle sind genauso wenig Orks, wie Zwerge Hobbits sind. *puh*
Das Ende ist natürlich relativ offen, denn es sollen ja noch weitere drei ( 3! ) Bände folgen. Glücklicherweise ist der Schluss jedoch kein böser Cliffhanger. Der erste Erzählbogen wird abgeschlossen.
Nun zur Aufmachung des Romans.
Der Titel erscheint auf den ersten Blick mal wieder so typisch einfallslos ( wie auch bei "Elfenseele" oder "Elfentochter" >< ), doch ich könnte mir denken, daß man dabei an eine besondere Begebenheit im Buch dachte - ist der Elfenkuss doch etwas mehr als nur ein gewöhnlicher Kuss. ^_~
Die Coverillustration ist ebenfalls Standard-Version für jugendliche "paranormal romance" Bücher. Ein Mädchen/Frauengesicht ( könnte durchaus Laurel darstellen ) mit blumiger Verzierung. Besagte Verzierung erinnert mich allerdings an Libellenflügel - eine weitere über dem Titel an Schmetterlingsflügel - und erscheint mir aus diesem Grund nicht so ganz passend. Wenn ihr das Buch ausgelesen habt, wisst ihr was ich meine.
Allerdings lautet der amerikansiche Originaltitel "Wings" also beruht die Idee der Verzierung wahrscheinlich darauf ( ich finde das Amicover - das mit den zwei flügelartigen Blüten auf dem Wasser meine ich - trotzdem viel angenehmer ).
FAZIT:
Diesen Roman empfehle ich besonders allen Liebhabern moderner Elfen-/Feen-Geschichten für Jugendliche ... aber nun jenen, die sich mit einer unorthodoxen Darstellungsweise der Elfen anfreunden können.
Lesenswert ist er auch allgemein für Fans von jugendlichem "paranormal romance" oder auch "urban fantasy".
4 sehr gute Sterne, weil das Buch eine sehr originelle Grundidee hat, aber ( für mich ) etwas zu kurz geraten und die Story zudem noch ausbaufähig ist.
Zudem würde ich empfehlen, auf die englische Ausgabe zurückzugreifen, wenn man relativ flüssig englisch lesen kann ( es gibt zwei Cover-Versionen ).
Ich bin auf die Fortsetzungen gespannt.
PS:
Andere lesenswerte Elfen-und Feen-Romane für Jugendliche ->
Elfenseele - Hinter dem Augenblick (Band 1) von Michelle Harrison (ab 12 Jahren)
Elfentochter (Band 1) von Holly Black (ab 14 Jahren)
Gegen das Sommerlicht (Band 1) von Melissa Marr (ab 14 Jahren)
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