Vorweg möchte ich kurz sagen, dass der Kauf dieses Buches ohne die vorherige Lektüre des vorangehenden Bandes Schicksalswege nicht besonders viel Sinn macht. Es wird zwar teilweise die Handlung aus diesem 1. Teil der "Legenden des Raben" rückblickend erklärt, doch diese Ausführungen sind doch eher knapp. Da diese beiden Bände im englischen Original unter dem Namen Elfsorrow auch als ein Buch verkauft wurden, ist dies auch nachvollziehbar.
Wie alle von mir bisher gelesenen Bücher dieses Autors ist auch dieses von einem sehr flotten und actionreichen Erzählstil geprägt. Anders als "klassische" Fantasyautoren wie Tolkien hält sich Barclay nicht mit umfangreichen Beschreibungen der Umgebung auf und verwendet auch keine besonders hochtrabende Sprache, wie sie andere Autoren dieses Genres gerne verwenden.
Doch das stört meines Erachtens nicht besonders. Die Charaktere wirken sehr lebendig und die Beziehungen der Helden untereinander sind sehr pointenreich erzählt. Wer ein Fan von rasanten Kampfbeschreibungen ist, wird von Barclays Büchern auch ziemlich begeistert sein.
Was mir persönlich an Barclays Büchern besonders gut gefällt, ist, dass die Beweggründe der einzelnen Charaktere logisch erklärt werden. Es gibt keine strikte Trennung zwischen "Gut" und "Böse", sondern verschiedene Fraktionen und Personen verfolgen ihre Ziele aus guten Gründen und deren Taten, mögen dem einen als "Gut" und anderen als "Böse" erscheinen. Da ich die Schwarz/Weiß-Malerei bei vielen Fantasy-Autoren immer sehr lästig fand, erlebte ich dieses Feature als sehr erfrischend und interessant.
Auf die Handlung der Geschichte selbst gehe ich ausdrücklich nicht genauer ein, da ich niemandem den Spaß nehmen möchte, diese tolle Fantasywelt selbst kennen zu lernen.
Alles in Allem ersteht man mit diesem Buch 380 Seiten geballte Action-Fantasy, die mich von der ersten Seite an gefesselt hat. Jedoch möchte ich noch mal darauf hinweisen, dass es ratsam ist, auch den ersten Teil dieser Geschichte, der unter dem Namen Schicksalswege in deutscher Sprache veröffentlicht wurde, zu lesen, da man sonst die Story nicht lückenlos verfolgen kann.
Wer allerdings auf sprachlich eher "anspruchsvollere" Fantasy á la Tolkien steht, wird bei diesem Autor vielleicht nicht finden, was er gesucht hat. Einen Versuch ist es jedoch auf alle Fälle wert.