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23 von 23 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Wie normal ist normal?, 21. Juni 2009
Wenn wir davon hören, dass ein Mensch sich innerhalb von wenigen Wochen 22514 Nachkommastellen der irrationalen Zahl Pi merken und vor einem großen Publikum und laufenden Kameras aufsagen kann, dann sind wir verblüfft, weil wir uns nicht vorstellen können, wie das zu schaffen ist. Daniel Tammet hat diese Leistung vollbracht, und wir kaufen uns dieses Buch vor allem, weil wir wissen wollen, wie so etwas möglich ist.
Eine Antwort werden wir nie erhalten, es sei denn, wir kennen sie schon, weil wir über dieselben Fähigkeiten verfügen wie Daniel. Sein Gehirn funktioniert anders als bei Menschen, die "normal" sind. Für ihn verbinden sich Zahlen mit Gefühlen, Farben und Figuren. Die Nachkommastellen von Pi bilden in seinem Kopf eine numerische Landschaft, die er sich genau merken kann. Er löst mathematische Probleme nicht wie ein Mathematiker, sondern auf seine ganz eigene Weise, die für einen Mathematiker mehr als verwunderlich ist.
Daniel ist krank, jedenfalls nach der Definition von Neurologen. Nach meinem laienhaften Verständnis ist in seinem Gehirn die Fähigkeit, strukturell zu denken, extrem gut entwickelt. Dafür kann er diese Gehirnregion nicht sehr gut mit anderen verbinden. Es fällt ihm zum Beispiel schwer, abstrakt zu denken oder Aussagen nicht wörtlich zu nehmen. Er fühlt sich in einer Welt sich immer wiederholender Vorgänge sicher und wird sehr nervös, wenn etwas in dieser Wohlordnung durcheinander gebracht wird.
In seinem Buch erzählt er die Geschichte seiner ersten dreißig Lebensjahre. Wir lernen, wie er seine Welt wahrnimmt, wo und wie er anders ist als die meisten von uns und wie seine Mitmenschen ihn sehen. Wenn wir also aus diesem Buch nicht erfahren, wie man auch ohne Autist zu sein, Daniels Fähigkeiten erwerben kann, warum sollten wir es dann lesen?
Der australische Professor Allan Snyder behauptet, dass autistisches Denken sich nicht grundlegend vom gewöhnlichen Denken unterscheidet. Es sei nur eine extreme Ausprägung davon. Auch Verhaltensweisen von Autisten sind nicht nur bei ihnen anzutreffen. Wie immer gibt es zwar eine harte diagnostische Grenze, an der die Krankheit festgestellt wird, vielleicht aber besitzen viele mehr Menschen als man vermutet gewisse Ausprägungen autistischen Verhaltens unterhalb der diagnostischen Grenze. Möglicherweise begreifen sie beim Lesen dieses Buches, was wirklich mit ihnen los ist.
Mich hat dieses Buch sehr bewegt, weil ich Daniels Lebenssicht sehr gut nachvollziehen kann. Für ganz normale Menschen ist seine Geschichte vielleicht nur wegen seiner verblüffenden Fähigkeiten interessant, obwohl wohl kaum jemand mit ihm tauschen möchte. Viele schreiben, er sei ein Betroffener. Aber irgendwie sind wir alle von irgendwas betroffen, die einen mehr, die anderen weniger. Wir können uns unser Leben nicht aussuchen und arrangieren uns gewöhnlich mit ihm. Als ich vor einigen Jahren einmal für eine kurze Zeit im Rollstuhl fahren musste, habe ich sehr schnell ein völlig anderes Verständnis für dauerhafte Rollstuhlfahrer entwickelt. Auch Daniel möchte bestimmt nicht bedauert, sondern vielmehr akzeptiert und respektiert werden. Wenn wir es zulassen, hilft uns dieses Buch zu einem anderen Verständnis einer besonderen Art nicht "normaler" Menschen.
Fazit.
Man kann aus diesem Buch nicht lernen, wie man zu außergewöhnlichen Merkfähigkeiten gelangt. Aber man erhält ein tieferes Verständnis für mildes autistisches Verhalten. Das Buch ist gewiss keine außergewöhnliche schriftstellerische Leistung. Darum geht es hier aber nicht. Ich habe aus ihm sehr viel mehr gelernt als ich vorher vermutet hatte.
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3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Ein Spiegel des Menschseins, 12. März 2009
Dieses Buch hat mich schlicht und ergreifend begeistert. Es ist nicht nur äußerst informativ und sehr gut geschrieben , sondern vor allem emotional mitreißend. Dadurch , dass Tammet seinen erlernten Zugang zum Umgang mit Emotionen sowie seine intuitive Gabe zum Erfassen von Informationen gekonnt schildert, hält er auch allen sogenannten normalen Menschen einen Spiegel vor. Er eröffnet dem Leser einen gänzlich veränderten Blick auf die eigene Persönlichkeit und vermittelt gleichzeitig ein hohes Maß an Verständnis und Interesse an Menschen außerhalb der Norm.
Unbedingt lesen.
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12 von 14 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Aufschlußreich und berührend, 28. Oktober 2008
Für jeden, der sich für das Phänomen der Savants interessiert, eine sehr empfehlenswerte Lektüre. Daniel Tammet geht eher wenig auf die medizinischen Aspekte ein; wer hier mehr Informationen möchte, sollte sie sich vielleicht besser erst an anderer Stelle besorgen. Was das Buch für mich so lesenswert macht, ist, daß ein Autist über sein eigenes Erleben und seine innere Welt berichtet; auf offene, klare und nicht zuletzt sympathische Art.
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