Die Grundidee dieses Thrillers ist wirklich nicht schlecht: eine hochschwangere Frau gerät mitten aus ihrem gewohnten Alltag - typisch Frau beim Extremshopping noch kurz vor der Entbindung ;-)- in einen absoluten Alptraum - sie wird von einem Psychopathen entführt, der völlig unberechenbar ist. Verzweifelt versucht ihr Mann zusammen mit einem FBI-Beamten, seine Frau zu retten und das ganze dauert dann 11 Stunden.
Auch der Aufbau der Story, bei der immer abwechselnd die Situation von Didi und ihrem Entführer bzw. von ihrem Mann Rich und dem FBI-Mann Scott erzählt wird, ist sehr gut gelungen.
Aber dieser Thriller hat auch einige Schwächen. So sind die wirklich bis zum geht-nicht-mehr eingebauten religiösen Aspekte, Gebete und Bekehrungsversuche von seiten Didis irgendwann einfach unerträglich. Soll das ein Thriller sein oder eine religiöse Erbauungsliteratur?? Passend dazu ist Rich in einem religiösen Verlag beschäft.
Auch fängt die Autorin ab der Mitte des Buches an, sich ständig zu wiederholen. Didi betet und betet, es folgen endlose Gespräche über Gott und die Grausamkeit des Schicksals und dass Didi hochschwanger ist, dürften sowohl der Entführer als auch der Leser irgendwann begriffen haben, dennoch wird diese Phrase ständig wiedergekäut.
Dann hat auch bei diesem Thriller der verängstige Ehemann anscheinend wieder mehr Ahnung, was man in so einem Fall machen sollte, als die Fachleute von FBI, die hier wirklich absolut hilflos agieren, trotz des ständigen "vertrau uns, wir wissen, was wir tun". Und wie Rich ständig mitgeschleift wird, wirkt konstruiert. Tja, sonst könnte er den Leuten aber auch nicht sagen, was sie mal wieder falsch machen ;-).
Zum Ende hin werden die Dialoge dann auch zunehmend dümmlicher. So ist es z.B. für die Protagonisten überaus seltsam, dass ein älteres Ehepaar es wagt, nicht zu Hause zu sein, als das FBI anrollt. Da gehen die doch einfach ins Kino, so was aber auch. Wahrscheinlich muß man in den USA neuerdings brav um 20 Uhr zu Hause sein. Und der Show-Down, der ist dann doch ein wenig zu heftig ausgefallen, einschließlich einigen absolut überflüssigen Kommentaren im Epilog.
Mein Eindruck war, dass das Buch wirklich spannend beginnt. So ein bißchen typisch amerikanisch, wo jeder gleich der beste Freund ist, aber sich keiner wirklich für den anderen interessiert. Dann beginnt allerdings bald Didis religiöse Phase, da muß man schon starke Nerven entwickeln (oder das kursiv gedruckte einfach überlesen). Und beim letzten Drittel wird es teilweise ziemlich zäh und langweilig, da hilft auch nur querlesen, damit man das Ende genießen kann. Insgesamt vermittelt das Buch jedoch ganz stark dem Eindruck, dass der Autorin nach der Hälfte die Ideen ausgegangen sind. Vielleicht wären 50 bis 100 Seiten weniger besser gewesen.