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Buchnotiz zu : Süddeutsche Zeitung, 06.10.2003
Wolf Biermann ist unser deutscher Bob Dylan! Zumindest scheint dies Biermann selbst so inszenieren zu wollen, meint ein sich in Verrisslaune befindender Willi Winkler. Bob Dylans frühen, "offenbar besinnungslos aufs Tonband geratschten" Text aus dem Jahr 1964 erkenne man jedenfalls in dieser Übersetzung nicht wieder. Dafür die "Biermannsche Großmäuligkeit". Biermann selbst nennt sein Werk immerhin "weder Übersetzung noch Nachdichtung" (alles andere hätte ihm Winkler wohl sehr übel genommen), sondern "ein Rüberschleppen in unsere Sprache". Warum es ein solches Rüberschleppen geben musste, wo es doch schon eine zum Teil sogar sehr gute Übersetzung ins Deutsche gibt, erklärt sich für den Rezensenten weder aus Biermanns "polterndem" und "wortsturzbetrunkenem" Text, noch aus seinem "gesteinslawinenhaften Nachwort", so Winkler. Biermann kümmere sich nicht um Dylans "Zeilenfall", schreibe am Ton vorbei, in völlig unverständlichen Stilsprüngen, mische viel "Brecht, Hölderlin, John Donne" unter - aber vor allem: ganz viel Biermann. Wo Dylan leger sei, gebärde sich Biermann als "kulturkritischer" Leitartikler, rechthabere er mit Dylans Text, mache ihn zu seiner eigenen "Sprechpuppe". Da bleiben dem schon fast sprachlosen Winkler nur zwei Worte: "Nein danke."
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Buchnotiz zu : Frankfurter Allgemeine Zeitung, 25.10.2003
Mit gröberem Griff hätte man nach Ansicht von Rezensent Heinrich Detering Bob Dylans Dichtung schwerlich anpacken können. Die Mängelliste ist lang und schließt auch Kritik an Dylans Originaltexten ein, die Detering schwächer als die Songtexte findet. Am Ende steht für den Rezensenten die Erkenntnis, dass man von Wolf Biermann über den Dichter Dylan nicht mehr erfahren kann, als aus "Winnetou" über die Apachen. Nicht nur, dass sich für ihn in Biermanns Zugriff identifikationswillige Begeisterung mit schlichter Uninformiertheit und schlechten Englischkenntnissen paart, (wo dann vor seinen erschrockenen Augen zum Beispiel aus der legendären "Sister Morphine" eine "Sister Murphy" wird). Auch fällt es dem Rezensenten gelegentlich schwer zu unterscheiden, wo Sachfehler aufhören und Druckfehler beginnen. Auch sonst erregt Biermanns Übertragung Deterings Missfallen. Angefangen von der "berlinernden Larmoyanz" mancher Zeilen bis zum Anschwellen manch knapper Dylanzeile auf Biermannsches Breitwandformat: "Wo Dylan einsilbig bleibt, redet sich Biermann in Rage", stöhnt der Rezensent, "und es rumpelt und pumpelt, als wären's lauter Wackersteine." Genervt ist der Rezensent auch, weil er Biermann ständig seine eigene Projektion mit Dylans Lyrik verwechseln und ungeniert eigene Erfahrungen in dessen Positionen eintragen sieht, "die Dylan sich nicht hätte träumen lassen."
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Kurzbeschreibung
Wie alles begann: Der unbekannte Dichter Bob Dylan schrieb 1963 ein langes Poem, das fast vergessen ist und nun von Wolf Biermann höchst lebendig ins Deutsche transportiert wird.
Als junger Mann, bevor er der große Sänger und Musiker wurde, den wir heute kennen, schrieb Bob Dylan 1963 ein langes Gedicht mit dem Titel 'Eleven Outlined Epitaphs'. Kaum ein Dylan-Liebhaber kennt es, es wurde halb vergessen und bald ganz überflutet von den immer besser und immer populärer werdenden Songs des Sängers, der für viele auch der bedeutendste Dichter Amerikas ist. Für Wolf Biermann aber ist das Poem 'der erste große dichterische Wurf des jungen Mannes aus Minnesota'. Es ist die kraftvolle, sympathisch auf-den-Putz-hau-erische Antrittsrede des Weltpoeten an die Menschheit: 'So bin ich. So bin ich nicht. So will ich dichten. Aber so auf keinen Fall. Solche Menschen sind mir lieb und teuer. Aber solche finde ich zum Kotzen. So will ich leben. So will ich sterben. So liebe ich und so hasse ich. Amen. Ihr geliebten Arschlöcher.'
Wie kommt es zu der aufregenden Kombination Biermann/Dylan? Biermann: 'Weil es verblüffende Parallelen in Dylans Poem gibt zu mir damals in der DDR, zu meiner Situation in genau der gleichen Zeit Anfang der sechziger Jahre, aber in einem extrem anderen Land, vor allem in einer diametral entgegengesetzten Gesellschaftsform.'
Diese Nähe spürt man in Biermanns Übertragung dieses nun zum ersten Mal in Deutsch vorliegenden großen Gedichts Zeile für Zeile. Eine kleine literarische Sensation.