Definitiv war für mich nicht nur das Schauen des Films sehr anstrengend, auch Worte zu finden, um dieses Werk zu beschreiben, fehlten mir lange Zeit! "Elephant" ist anders, gut, genial, aber auch schwach und mit wenig Tiefe. Ein Independentfilm vom Regisseur von "Good Will Hunting" (ein definitives Meisterwerk!). Aber worum gehts?
In "Elephant" geht es um den Amoklauf, der von zwei Schülern geplant und inszeniert wird. Ob es sich dabei um den originalen Amoklauf von Columbine handelt ist nicht klar, aber dieser Film bemüht sich auf dieser Weise sehr real zu bleiben.
An Story gibt es eigentlich nicht viel zu erzhlen. Der Film ist 78 Minuten lang und in dieser Zeit werden jede Menge Figuren vorgestellt, darunter auch die Täter. Man erlebt den D - Day aus mehreren Perspektiven, bis hin zum angedeuteten Massaker...
!SPOILER!
"Elephant" klingt so einfach, ist er aber nicht! Der Regisseur Gus Van Sant ging mit diesem Streifen in eine ungewohnte Richtung: Er präsentiert seine Charaktere so einfach und subtil, dass er sie genau so einfach wieder sterben lassen kann. Die Erzählweise des Films ist sehr interessant: Eigentlich jede Figur wird in langen Kamerafahrten verfolgt und der Zuschauer sieht die Charaktere fast nur beim Gehen. Ansonsten erfahren wir nur am Rande, wer oder was John, Elias, Michelle usw eigentlich für eine Person ist.
Beeindruckend ist, dass Sant eine ganze Stunde lang eine ungewöhnliche Ruhe in der Schule zeigt. Man erfährt schon ziemlich früh, dass eine Katastrophe sich anbahnt, aber diese erleben wir nur in den letzten Minuten. Der aprubte Wechsel zwischen Dasein und Nichtdasein, zwischen Alltag und Terror, zwischen Leben und Sterben ist der Wahnsinn! Plötzlich schießen die Täter um sich, alle schreien, es gibt Tote und viele Figuren, die uns in der letzten Stunde vorgestellt wurden und für die wir sogar Mitgefühl aufgebaut haben, werden plötzlich getötet.
Dieses Massaker, bekommt durch die Planung der beiden Täter eine noch bösartigere Stimmung. Wir sehen nur kurz, wie beide vorgehen, was sie vorhaben usw. Auch, dass zwischen beiden vielleicht eine homosexuelle Beziehung stattfand, wird nicht ausführlich erklärt. Insgesamt nutzt Sant dieses Stilmittel, um deutlich zu zeigen wie sich die Schüler gefühlt haben müssen, als plötzlich Alles keinen Sinn mehr hatte. Dass Alles wie immer war und plötzlich sterben Leute, Explosionen sind zu hören und man weiß nicht mehr, ob man diesen Tag überlebt. Genau dieses beklemmende Gefühl wollte der Regisseur vermitteln und das hat er auch zum größten Teil geschafft...
Nur leider scheitert der Film, besonders im Ende, an den einfachen Dingen: Den Schauspielern und der Reaktion der Mitmenschen.
Einige Schauspieler waren deutlich mit ihrer Rolle überfordert, aber auch durch diese seltsame Stimmung am Ende kam bei mir kein Gefühl von Terror hoch. Die bedrückende und dennoch faszinierende Atmosphäre der ersten Stunde verfliegt in Sekunden, wenn dutzende Schüler vor der qualmenden Schule stehen und so bedrückt sind, als ob nur ein Brand ausgebrochen wäre.
Es ist echt seltsam, aber durch die unnatürlichen Reaktionen der Figuren (einer der Schüler geht durch die Schule und sucht anscheinend nach den Amokläufern, findet schließlich einen, nur um dann stupide von ihm erschossen zu werden...) leidet der ganze Film am Ende! Da hat die Präzision der Sinnlosigkeit gefehlt, die Tiefe, der Wechsel zum Amoklauf... Alles wirkte am Ende einfach zu unglaubwürdig... Ein weiteres Problem sehe ich in den Kamerafahrten, die zwar innovativ scheinen, aber an vielen Stellen so wirken, als ob sich der Film ganz klar abheben will! Auch wenn das Bild des Amokläufers, der durch die einsamen Flure spaziert, während im Hintergrund Flammen aufsteigen und Schüler panisch versuchen, sich zu retten, sehr beeindruckend ist!
Auf der DVD ist noch der Kurzfilm "Elephant" von Danny Boyle zu finden, der als Vorlage diente für Sants Film. Leider ist dies für mich absoluter Schwachsinn! 40 Minuten sehen wir, wie verschiedene Leute namenlose Menschen erschießen. Mehr nicht. Das ist Schwachsinn, auch wenn für Einige dies als gelungene Gewaltdarstellung dient, ich onnte damit Nichts anfangen!
"Elephant" behandelt ein knallhartes Thema! Ein Thema, das von vielen anders interpretiert und angegangen wird. In diesem Fall schafft es der Regisseur sehr natürlich damit umzugehen, aber auch nur bis zum Ende hin. Deshalb scheitert "Elephant" klar für mich. Er ist faszinierend, anders, geht ehrlich an eine ernste und aktuelle Sache heran, schafft es dies aber nicht voll zu behalten. Dennoch sollte man ihn sich mindestens einmal ansehen, es lohnt sich!