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40 von 48 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Ein Besuch in Lia, 12. November 2003
Ein Besuch in LiaDas Schicksal dieser Bäuerin Eleni Gatsoujannis aus dem Bergdorf Lia, die gestorben ist, damit ihre Kinder leben können, hat mich tief beeindruckt. Darum bin ich im Sommer 2002 im Wohnmobil mit meiner Familie nach Lia gefahren, ohne zu ahnen, dass auch dieser Besuch sehr tiefe Eindrücke hinterlassen würde. Schon bei der Ankunft trafen wir zufällig auf zwei Männer, denen wir den Grund unseres Besuchs mitteilten. Mir fehlten im ersten Moment die Worte, als sich herausstellte, um wen es sich handelte: Einer von beiden war nämlich der Autor des Buches, Nicolas Gatsoujannis, Elenis Sohn! Auch Kanta, eine von Elenis Töchtern, war während unseres Besuches im Dorf anwesend. Leider kam es nicht zu einem Gespräch mit ihr. Wie durch das Buch versucht Nicolas Gatsoujannis (oder Nicolas Gage, wie er sich nennt), auch auf andere Weise, die Erinnerung an seine Mutter wach zu halten. So hat er dafür gesorgt, dass eine Straße in Lia nach seiner Mutter benannt worden ist - die „Odos Eleni Gatsoujannis". Geht man auf dieser Straße bergaufwärts, gelangt man bald zu dem Haus, in dem er als Kind mit seiner Mutter, seiner Großmutter und seinen Geschwistern gelebt hat. Es wird derzeit durch seine Initiative wieder in den damaligen Zustand versetzt und soll den Besuchern des Dorfes als Museum zur Verfügung stehen. Anfänglich noch etwas scheu trauten wir uns bald, einzelnen Dorfbewohnern, auf die wir bei unserem Spaziergang zufällig trafen, Fragen zu stellen - über ihre Erinnerungen aus der Zeit des Bürgerkrieges, über das Schicksal von Eleni usw. Zu unserer Überraschung erhielten wir bereitwillig Auskunft. Tief beindruckt haben mich die traurigen, fast verzweifelten Augen eines alten Mannes, der mir auf meine Fragen hin nur verriet, dass er selbst damals ein „Andarte" gewesen sei. Nicht seine Worte, nur seine Augen verrieten etwas über die tiefen Schatten, die die tragischen Erlebnisse jener Zeit über sein Leben geworfen haben mussten. Freundlich wurden wir von drei älteren Frauen an den Tisch gebeten. Im Gespräch stellte sich bald heraus, dass zwei von ihnen vor nicht langer Zeit aus Bulgarien in ihr Heimatdorf zurückgekehrt waren - Opfer der im Buch beschriebenen „Pädomasoma" (Kindesentführung), denn sie waren im Kindesalter ihren Müttern entrissen worden - von Andartes, die ihnen eine kommunistische Erziehung in einem Land des Ostblocks zugedacht hatten. So stößt man in Lia auch heute noch, über 50 Jahre nach dem Horror des Bürgerkrieges, auf zahlreiche Spuren jener Zeit.
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17 von 22 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Der erschütterndste Bericht aus einem Bürgerkrieg, 18. August 2000
Sollte man zu Beginn der Lektüre als Leser dieses unglaublichen Tatsachenberichtes noch Illusionen über die Partisanen oder die kommunistische Partei haben, so werden sich dieselben mit hundertprozentiger Garantie in Nichts auflösen, wenn man überhaupt genug Kraft oder Mut hat, weiterzulesen. Die Grausamkeiten, Folterungen, der Fanatismus, Hunger, Verrat der kleinen, armen Dörfler, all die Greuel des Bürgerkrieges in Griechenland waren mir total unbekannt. Ich will dieses Buch daher unbedingt allen jenen Menschen empfehlen, die mehr über diese Zeit der furchtbaren Schrecken in einem Land wissen wollen, das uns als freundliches Land des Sirtaki und Retsina und des schönen blauen Meeres bekannt ist, oder auch als das der Antike und deren Helden. Solche Helden - Heldinnen gibt es dort auch heute noch. Eleni, die Folter und Exekution auf sich nahm, um ihre Kinder zu retten -,gehört zu den grössten Frauen, die je gelebt haben. Sicherlich gibt es sie in jedem Land, in dem Kriege toben und Menschen gefoltert werden. ELENI gehört zu den erschütterndsten Texten, die ich je gelesen habe, - und ich habe viel, sehr, sehr viel gelesen. Man braucht sogar als Leser viel Mut, um all das, was diese Menschen in Lia, Nordgriechenland, unter den kommunistischen Partisanen erdulden und erleiden mussten, noch als Beschreibung mitzuerleben.
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19 von 25 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
"Götterdämmerung" in einem griechischen Bergdorf, 19. Oktober 1999
Von Ein Kunde
Eleni war eine einfache Bäuerin, doch in ihrem Herzen so stark wie die Heldinnen griechischer Tragödien. Dieses Zitat aus dem Klappentext mag übertrieben klingen, doch beim Lesen des Buches zeichnet sich nach und nach ein Bild dieser Frau, und man erkennt zwischen den Zeilen die Heldin und ihren Überlebenswillen. Unspektakulär wie sonst nur Antihelden. Eleni ist eigentlich nur der Faden der durch diese Geschichtsschreibung aus der Sicht der beteiligten Menschen führt. Das Buch ist die Lebensgeschichte der Familie Gatzoyiannis, die in dem griechischen Bergdorf Fotini nicht weit von der albanischen Grenze lebt und die Dokumentation politischer Ereignisse. Nicht erfunden von einem phantasiebegabten Schriftsteller, sondern tatsächlich geschehen, und niedergeschrieben von Elenis Sohn, der die geschilderten Geschehnisse überlebte und in den USA ein angesehener Journalist wurde. Eleni ist ein packendes Buch, das für die meisten ein wohl unbekanntes Kapitel der jüngeren griechischen Geschichte beleuchtet. Ungewollte Aktualität gewinnt es durch die schwelende Balkankrise. Die Geschichte spielt in unmittelbarer Nähe zu Albanien, verwandtschaftliche Beziehungen reichen bis weit ins andere Land, und diese sind manchmal dicker als das Bekenntnis zum griechischen Nationalstaat, der weit entfernt in Athen liegt. Der politische Konflikt, der eines Tages direkt in dem sonst so friedlichen Dorf ausgetragen wird ("Götterdämmerung"), ist der bürgerkriegsähnliche Kampf zwischen kommunistischen Partisanen und der griechischen Armee. Was wir von ähnlichen Konflikten nur aus der Tagesschau oder dem Weltspiegel kennen, wird hier von den Augenzeugen erzählt, zuerst unparteiisch, dann parteiisch. Wie das Dorf langsam seinen Zusammenhalt verliert, und jeder auf die politische Seite rutscht auf die er gezwungen wird. Eigentlich eine völlig unpolitische Geschichte von menschlichen Schicksalen, die zwischen den Mühlsteinen der kämpfenden Bürgerkriegsparteien langsam zerrieben werden. Wie Korn zu Mehl. Interessant vielleicht auch, wie man beim Lesen des Buches langsam politische Vorurteile aufgeben muß, zu Gunsten der Menschlichkeit.
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