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Elementarteilchen
 
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Elementarteilchen [Taschenbuch]

Michel Houellebecq , Uli Wittmann
3.9 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (132 Kundenrezensionen)

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Produktinformation

  • Taschenbuch: 356 Seiten
  • Verlag: List; Auflage: 15. (2006)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3548600808
  • ISBN-13: 978-3548600802
  • Größe und/oder Gewicht: 18,7 x 12,6 x 2,9 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 3.9 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (132 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 139.190 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

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Michel Houellebecq
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Produktbeschreibungen

Amazon.de-Hörbuchrezension

Houellebecq der Skandalautor. Bejubelt, bewispert: 68er-Killer, Aussprecher politisch unkorrekter Unsagbarkeiten. Düsterer Untergangsschreiber aus der naturwissenschaftlichen Ecke (hat als Informatiker gearbeitet). Jetzt also light? Einfach zuhören und schon mitreden können?

Nun, wenn ich die Wahl hätte, zwischen Druck und Hörbuch, würde ich Houellebecq lieber hören als lesen. Das ist kein Kompliment für den Autor: Seine dürre Sprache allein vermag nämlich bei mir kein Interesse zu wecken an den Gestalten des Romans. Es muss etwas hinzukommen: Der akustische Reiz menschlicher Stimmen, eine Atmosphäre oder wie hier Musik, komponiert von Blixa Bargeld (er spricht auch den Hauptpart) und Tilman Schade.

Die Produktion des Westdeutschen Rundfunks zeigt, dass eine gut gemachte Hörfassung tatsächlich ein schwaches Buch zu retten vermag. Obwohl einschränkend gesagt sein soll: Wieder einmal hat sich die Regie -- Leonhard Koppelmann, er hat auch das gute Textbuch geschrieben -- nicht genügend getraut, allen Sprechenden wirkliches Spiel abzuverlangen, zu vieles hört sich abgelesen oder aufgesagt an. Wirklich herausragend ist dafür Lena Stolze als Annabelle.

Houllebecqs zweiter Roman erzählt das elende Leben zweier Halbbrüder zwischen 1958 und 98. Thema ist der Zusammenbruch der Menschlichkeit durch die sexuelle Liberalisierung, für den Autor die seelische Verarmung von Millionen. Am Schluss wird einer der beiden Helden, Biologe von Beruf, von Stimmen aus dem Jahr 2079 gepriesen: Dank seiner Forschungen sei es gelungen, ein neues Wesen zu züchten, die Menschheit aber aussterben zu lassen. Geschlechtslos verläuft nun das Leben auf der Erde!

Fazit: Besser nicht im Bett oder in den Ferien anhören. Stattdessen Empfehlung für schnelle ICE- oder Autofahrten durch trostlose Industrielandschaften. --Michael Winteroll -- Dieser Text bezieht sich auf eine andere Ausgabe: Audio CD .

Pressestimmen

»Houellebecq ist ein außerordentlich kluger, gebildeter, interessanter Autor, dessen Erzählung durch den Reichtum an Themen, den weit gespannten Rahmen, aus der Flut der meist klein gemusterten Roman-Literatur weit herausragt.« NEUE ZÜRCHER ZEIT

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Die hilfreichsten Kundenrezensionen

14 von 15 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen Schwer verdaulich, 29. Dezember 2010
Rezension bezieht sich auf: Elementarteilchen: Filmausgabe (Taschenbuch)
"Elementarteilchen" liegt einem während und auch nach dem Lesen schwer im Magen. Das liegt unter anderem an den Protagonisten, den Halbbrüdern Bruno und Michel, die beide getrennt von der Mutter und getrennt von einander aufwachsen, und die sich im Jugendalter zum ersten Mal begegnen. Michel führt ein autistisches Forscherleben und hat außer den unregelmäßigen Gesprächen mit seinem Bruder keine sozialen Kontakte. Schon als Jugendlicher wird ihm klar, dass menschliche Regungen ihn sein Leben lang niemals erreichen werden. Bruno dagegen ist Zeit seines Lebens auf der Suche nach Kontakt. Da seine Kontaktsuche sich auf sexuelle Begegnungen beschränkt, kann man auch ihm einen gewissen Autismus unterstellen.

Um das Leben dieser beiden Brüder rankt sich nun Houellebecqs eigentliche Geschichte, die die Geschichte aller Menschen, die Ende des 20. Jahrhunderts gelebt haben, ist beziehungsweise sein soll. Im Zuge der immer weiter voranschreitenden Liberalisierung und Individualisierung ist die Welt kein Ort mehr, an dem Menschen glücklich sein können. Einsam, lieblos und depressiv sind Houellebecqs Figuren. Gibt es irgendwo ein Fünkchen Hoffnung, zum Beispiel als Bruno eine Frau namens Christiane trifft und kurze Momente von Glück erfährt, wird dieses Glück jäh zerstört. Christiane sinkt in einem Swingerclub in sich zusammen, sitzt fortan im Rollstuhl und stürzt sich schließlich aus dem Fenster. Brunos Bruder Michel ergeht es nicht besser. Glück ist nicht erlaubt in Houellebecqs Roman oder nicht möglich.

"Elementarteilchen" wurde hoch gelobt und böse zerrissen. Es ist ein Buch mit viel Polarisierungspotential. Houellebecq versteht es zu provozieren. Das fängt schon bei der Sprache an, die nicht zimperlich ist und zwischen absolutistisch anmutenden Thesen, naturwissenschaftlichem Fachwissen und billigem Sexroman hin und her schwankt. Das alles kann dem Leser auch zuviel werden: zuviel Absolutismus in den Ideen, zuviel (pseudo-)intellektuelles Gehabe und zuviel Gerede über Körperflüssigkeiten, Körperteile und Sex. Insbesondere das Sexgeplapper wirkt zuweilen wie eine plumpe Art der Provokation des Autors. Sex sells, heißt es. Vielleicht hat Houellebecq sich das auch gedacht.

Die Erzählstimme des Romans ist schwer zu fassen, auch weil man beim Lesen immer wieder das Gefühl hat, den Autor durch diese Erzählstimme zu hören. Auch eine gewisse Arroganz beim Erzählen könnte man Houellebecq anlasten und nicht dem eigentlichen Erzähler der Geschichte.

Alles in allem ist dieser Roman recht schwer verdaulich. Der Stoff ist deprimierend, alle Figuren sind depressiv, zumindest tendenziell. Zusätzlich wird diese Depressivität der Figuren auf das gesamte Leben der westlichen Welt Ende des 20. Jahrhunderts übertragen und verallgemeinert. Wir alle sind depressiv und einsam, unfähig zu lieben. Hinzu kommt dann noch, dass der Erzähler (oder ist es der Autor?) teilweise sehr unsympathisch wirkt.

Trotzdem ist es ein lesenwertes Buch. Zum einen für Leser, die sich gerne reiben und auf eine grundsätzliche Übereinstimmung mit dem Erzähler verzichten können. Dann auch für Leser, die einen durch und durch negativen Blick auf unsere Zivilisation nicht scheuen und sich gerne mit Ideen, wenn auch absolutistisch dargebotenen, auseinandersetzen. Und natürlich für alle, die Hippies und die 68er Generation noch nie leiden konnten.

Will man hingegen einen Sonntagnachmittag lang in der Hängematte liegend das Leben genießen, sollte man dieses Buch nicht zu Hand nehmen, denn dies ist keine Sonntagnachmittagslektüre. Außer es regnet.
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39 von 46 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen Michel und Bruno, 16. Januar 2006
Rezension bezieht sich auf: Elementarteilchen (Taschenbuch)
Selten hat mich ein Roman so beschäftigt wie die Elementarteilchen. Beschäftigt wegen seiner sehr spröden, aber sehr poetischen Sprache. Beschäftigt auch wegen seiner drastischen Sex-Szenen, wobei ich zu der Überzeugung gelangt bin, dass der Roman nur wegen dieser Sex-Szenen an anderer Stelle seine Poesie entfalten kann. Beschäftigt auch, weil das Buch über die emotionale Einsamkeit des Individuums handelt in einer Zeit, in der die grenzenlose sexuelle Freiheit möglich ist und die Menschen gleichzeitig zur Partnerschaft unfähig sind. Der Roman Houellebecqs beschreibt die Lebensgeschichte zweier Halbbrüder, Michel und Bruno, die von verschiedenen Vätern abstammend unterschiedlichste Charaktere entwickelt haben. Michel ist der vergeistigte Wissenschaftler, dessen Leben von Denken und Forschen bestimmt wird und der sich dabei in den praktischen Dingen und in der Liebe als absolut unbeholfen erweist. Er erfindet schließlich einen neuen Menschentyp, der - geklont – Liebe nicht mehr braucht. Bruno ist nicht der Natur-, sondern der Geisteswissenschaftler, der sich vor allem seinen sexuellen Obsessionen widmet und schließlich in der Klapsmühle landet. Zwei besonders berührende Momente des Romans seien hier erwähnt: Christiane, die Frau, mit der Bruno sexuell und emotional zum ersten Mal so etwas wie Zusammengehörigkeit empfindet, stirbt an Nekrose – beim Sex brechen ihr die Knochen. Auch Michels wichtigste weibliche Bezugsperson, die schöne Annabelle, stirbt an Krebs – einem Krebs, der ihre Fortpflanzungsorgane befällt zu einem Zeitpunkt, als sie von Michel ein Kind möchte. In solchen sehr berührenden Momenten stellt Houellebecq die Zerbrechlichkeit und Verletzlichkeit von „Beziehungen“ bewegend dar – allein aus diesem Grund ein sehr lesenswertes Buch.
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49 von 59 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen Das Buch zum Suizid, 16. September 2003
Rezension bezieht sich auf: Elementarteilchen (Taschenbuch)
Suchen Sie ein Buch, das Sie so richtig runterzieht? Kein Existenzialismus, kein Film noire, trotzdem sehr französisch, sehr endzeitig, sehr endgültig, total hoffnungsraubend, total traurig, total frustrierend. Und faszinierend auch. Brillant und unerträglich. Die Geschichte zweier ungleicher Brüder, die nur in einem gleich sind: ihrem persönlichen Unglück und dem Unvermögen, trotz aller Annehmlichkeiten dem Leben Glück abzuringen, das länger dauert als ein Orgasmus. Unvermögen zur Zufriedenheit. Ein Buch über die Rastlosigkeit, die Ruhelosigkeit, die Hoffnungslosigkeit, die Illusion menschlicher Liebe, den berechenbaren Verfall, den Verlust der Ehrfurcht vor dem Leben. Verfall von allem, Fleisch, Körpern, Ethik.
Den Skandal-Autor haben sie ihn genannt, ihn hochgejubelt in seiner schonungslosen Sprache, mit seinen Zoten, seinen Schamlosigkeiten, seinen Entblößungen. Houellebecq muss einen Vertrag mit Antidepressiva-Produzenten haben, um sein Buch so durchzuhalten. Anders könnte er seinen Lesern nicht jeden Funken Mut nehmen. Zumindest aber ist er abonniert auf Etablissments, in denen Intimitäten häufig sind wie Werbeblöcke. Die ihren Besuchern erst die Körpersäfte nehmen und dann jeden Glauben an die Würde des Menschen. Todtraurig, zu Tode betrübend. Ein Künstler darf das, ein Schriftsteller darf das, entgleisen, Grenzen überschreiten, ins Buch kotzen, Rotz und Wasser. Ist schließlich Kunst, nicht schön, aber authentisch, greifbar, erschütternd.
Am Ende beginnt man die Menschheit zu hassen, zu verachten, dann zu bemitleiden. Man klappt zu und stellt fest, erleichtert: Es ist nicht ganz so schlimm. Noch nicht so weit. Sonne scheint noch. Hoffnung bleibt. Armer Houllebecq! Brauchte er das vielleicht, um selbst zu verarbeiten? Um keine Antidepressiva zu brauchen? Muss man auf jeden Fall kennen. Aber nicht mögen.
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