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Bild: Der optische Eindruck ist sehr plastisch und bisweilen hochscharf (03.25). Dies zeigt sich vor allem auch in der perfekten Tiefenschärfe z.B. im Wohnzimmer, in der nahe wie weite Details, auch kleine, scharf umrissen abgebildet werden (07.55). Der Kontrast ist praktisch optimal in der Darstellung vieler feiner Graustufen, auch in Innenräumen. Nur gelegentlich kommt es zu leichtem Blockrauschen (01.30). Die Farbwiedergabe ist sehr stabil und neutral in seiner Sättigung gehalten. Nur in den Rückblenden sind die Farbwerte demonstrativ stark überzogen, um den Flashback-Charakter zu unterstreichen (10.55). Rauschen tritt nur sehr leicht in größeren hellen Flächen auf und stört nicht weiter.
Ton: Die deutsche 5.1-Spur ist in recht vital und spart auch nicht mit Umgebungsatmo. Dennoch will sich der Raumeindruck nicht so recht entfalten, Stimmung aufkommen. Gelegentlich treten kleine Effekte auch aus dem Bildschirm heraus. Die Dialoge sind kraftvoll, vor allem Bleibtreus Stimme kommt sehr voluminös aus den vorderen Kanälen. Auch außerhalb des Centers kommen die Dialoge gelegentlich zum Zuge und verbreitern so gelungen die Bühne.
Extras: Das Making of ist grundsätzlich interessant, nur stört mich dabei der primitive Sprecher, dem man seine Langeweile beim Ablesen des Textes förmlich "ansehen" kann. Auch kann ich bei Eichingersätzen wie "Es gibt 2 Liebesgeschichten: Die des einen Bürgers zu der anderen Bürgerin und die andere des Bürgers und der anderen Bürgerin" nur der Kopf geschüttelt werden. Aber der weitere Informationsgehalt ist doch deutlich größer. --movieman.de
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Blickpunkt: Film
Mit rund 240000 verkauften Exemplaren ist 'Elementarteilchen' ein Bestseller. Ein Buch, dass man(n) lesen musste und nicht immer zu Ende las. Nicht gerade aufmunternd die Geschichte von zwei Halbbrüdern, die - von der Hippie-Mutter vernachlässigt -getrennt voneinander bei ihren Großeltern aufwachsen und sich erst in der Jugend kennenlernen. Ihre Wege könnten unterschiedlicher nicht sein: Michel Djerzinski macht als Molekularbiologe Karriere und lebt seinen Trieb in der Wissenschaft aus, sucht nach Wegen zur Reproduktion ohne Sex, Bruno Klement legt meistens Hand an sich, sobald er ein junges Mädchen sieht, und das ist bei einem Lehrer und verkrachten Schriftsteller nicht selten. Seine Avancen stoßen bei der Weiblichkeit auf wenig Gegenliebe. Was sie verbindet ist die Unfähigkeit zu Gefühlen, ein sexuelles Defizit, endlose Einsamkeit. Am Totenbett der Mutter finden sie sich wieder, zwei unglückliche Menschen, denen plötzlich doch das Ass im Leben winkt. Der schüchterne Michel trifft seine alte Jugendliebe wieder, die ihn 'aufweckt', Bruno in einem Nudistenclub eine sensible Frau ohne Prüderie, die sich mit ihm im Swingerclub verlustiert.
Houellebecq negiert jegliches positive Ende, Roehler möchte ein Quentchen Hoffnung und entschärft die gesellschaftliche und emotionale Bombe. Auch wenn beide Frauen blindwütig das Schicksal trifft und die Partner unterschiedlich auf die persönliche Tragödie reagieren. Dem französischen Literaten wurde vieles zugeschrieben - eine Abrechnung mit der 68erGenration, beißende Gesellschaftskritik, diffuse Philosophie, ausgeprägte Frauenfeindlichkeit und Ekel vor der Welt, vielleicht
auch vor sich selbst. Also eigentlich eine gute Kombination mit Roehler, dem nicht gerade ein großes Harmoniebedürfnis nachgesagt wird. Die Verfilmung des Romans ist ein Unterfangen, bei dem sich wohl jeder verheben kann oder muss. Roehler lässt seine kaputten Helden durch die Hölle gehen und mit den inneren Dämonen kämpfen, sich an der Wirklichkeit die Seele wundreiben Hinter dem se xuellen Akt steht Leere. Drei Jahre Drehbucharbeit, 15 Drehbuchfassung, die Umsetzung mit allem was in Deutschland einen Namen hat - Moritz Bleibtreu, Franka Potente, Christian Ulmen, Nina Hoss. Produzent Bernd Eichinger, der auch am Drehbuch mitschrieb, aber auf eine Erwähnung verzichtet, kürzte die erste Filmfassung schon mal um 40 Minuten. Wer 'Elementarteilchen' mit der eigentlich unverfilmbaren Vorlage vergleicht, wird sich über das Fehlen jeglicher Philosophie oder Gesellschaftskritik wundern, Roehler stürzt sich auf das Vordergündige, die Verlorenheit des Individuums, seine Zerrissenheit und Sex als Kampfzone, scheut auch vor publikumswirksamen Humor nicht zurück. Eine Art Houellebecq-Light ohne den originären Zynismus oder verletzende Kälte.
Das Drama entwickelt nach einer ausgedehnten Exposition durch Rückblenden in der zweiten Hälfte seine Qualitäten, vor allem durch die weiblichen starken Charaktere. Martina Gedeck brilliert als sinnliche und außergewöhnliche Frauenfigur, die die Angst vor dem Tod überwindet. Houellebecqs Blick auf die Welt schockte mit Tabubrüchen, tat weh. Roehler gibt sich versöhnlich: Für ihn ist Liebe möglich. mk.