Als Gitarrist, der sich für alles interessiert, was den Sound einer E-Gitarre ausmacht, habe ich mich in letzter Zeit mit Tonabnehmern beschäftigt. Aber wenn man sich bei den Herstellern informieren will, wird man nicht schlau: Alles klingt geheimnisvoll und nebulös.
Ganz im Gegensatz dazu steht dieses Buch des Physikers H. Lemme. Der Autor hat nach eigener Aussage seit Jahrzehnten in Sachen Gitarrenelektronik und -Sound geforscht. Aus diesem reichen Erfahrungssschatz berichtet der Autor und bringt so Klarheit in die unübersichtliche Materie. Er versteht es, die Legenden und Mythen zu erklären und teilweise auch zu demontieren. Profitieren tut der Leser, indem er Hinweise erhält, wo es sich lohnt Geld zu investieren und wo nicht. Der Autor gibt auch konkrete Bauvorschläge für Verbesserungen in der gitarreninternen Elektronik. Ich habe einen solchen Vorschlag umgesetzt und bin begeistert, wie der E-Gitarre mit solch einfachen Mitteln verschiedene neue Sounds zu entlocken sind!
Das Buch richtet sich an technisch vorgebildete Personen und kann diese über lange Strecken faszinieren. Besonders spannend fand ich die Schwingungsmessungen einer Stratocaster durch Hochschullabors; davon hätte ich mehr vertragen. Die geschichtlichen Zusammenhänge interessierten mich weniger, aber man kann ja weiterblättern.
Wer alle möglichen Verdrahtungsvarianten in einer E-Gitarre sucht, ist an der falschen Adresse. Das Buch ist eher auf Prinzipien angelegt, WAS sich WIE auf den Sound auswirkt. Wer mit dem Lötkolben umgehen kann, kann diese Hinweise aufgreifen und umsetzen. Wer das nicht kann, kann dennoch profitieren: Der Autor stellt selber klangverbessernde Komponenten her und verkauft sie über seine Webseite. Jeder Gitarrenladen sollte dann in der Lage sein, solche Komponenten einzubauen.
Fazit: Die Referenz in Sachen Gitarrenelektronik und ihrer Auswirkung auf den Sound.