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Elektra [Taschenbuch]


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Produktinformation

  • Taschenbuch: 115 Seiten
  • Verlag: Reclam Philipp Jun.; Auflage: Neuübersetzung.
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3150183545
  • ISBN-13: 978-3150183540
  • Größe und/oder Gewicht: 14,2 x 9,6 x 0,8 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 4.5 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (2 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 325.648 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

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9 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Ein Kunde
Format:Broschiert
"Schlage zu, wenn du die Kraft hast, zum zweiten Mal!" schreit Elektra ihrem Bruder Orestes zu, der gerade im Hause der Mutter den tödlichen Stoß versetzt. Dieser markerschütternde Schrei gibt Zeugnis von sich endlich entladender, lange aufgestauter Seelenqual. Er markiert das Ende von Elektras Leiden, ist Befreiung und nicht etwa Ausdruck sinnloser Mordlust. Überhaupt dreht sich in Sophokles' "Elektra" alles um die Pein der Heldin: die Seelenqual ist Motivation und Legitimation für die Tat und gleichzeitig Kernelement der Struktur des Dramas. Die Akzentuierung der Leidensekstatik ist Resultat eines neuen Stils, 80jährig hatte der Athener Sophokles sich abgewandt vom Prunk des Aischylos und dem gewidmet, was er den "ethischen" Stil nannte: Sprache und Handlung motivieren sich aus dem Inneren, dem Seelenleben der Figuren. Im Jargon der Neunziger: Elektra, ein Psycho-Drama. Tatsächlich ist nicht der Muttermord Dreh- und Angelpunkt der Tragödie, er ist lediglich ihr Abschluß. Im Vordegrund steht das lange, stets wachsende Leiden der Elektra. In den Dialogen mit dem Chor der Frauen, der unanpassungswilligen Schwester und der Mutter Klytaimnestra, offenbart sich mehr und mehr ihre Isolation, nach der (fingierten) Nachricht über den Tod des Bruders steigert sich die Verzweiflung ins Unermeßliche. Sie erreicht den Höhepunkt, als sich der Bruder offenbart. Was folgt, ist im Gegensatz zur Dramenfassung des Aischylos eine kurze, entschlossene Tat, der keine moralische Bedenken entgegenstehen. Eine theologische Begründung ist im Seelendrama des Sophokles unnötig: Das Leid der Elektra ist Legitimation genug. Ein meisterlich strukturiertes Stück, das noch heute wegen seiner Dynamik und psychologischen Tiefe überzeugt. (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)
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3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Anna
Format:Taschenbuch
König Agamemnon opfert im Krieg um Troja seine Tochter Iphigenie und wird nach seiner Heimkehr von seiner Frau Klytämnestra und deren Liebhaber Aegisth im Bade ermordet.

Soweit die Vorgeschichte, die in Hugo von Hofmannsthals einaktiger Adaption des antiken Stoffes von Sophokles um Elektra, die nach dem Mord an ihrem Vater ihr Leben dem Rachegedanken an der Mutter widmet, nur unvollständig und in Rückblicken Erwähnung findet.

Schauplatz des Dramas ist nun der Hof, der Mord ist geschehen, Elektra verstoßen. Getrieben von tiefen Gefühlen umkreisen sich nun Elektra, ihre Schwester Chrysothemis und Klytämnestra in dem begrenzten Umfeld des Hofes und der Vergangenheit, die diese Figuren aneinanderkettet und psychisch voneinander abhängig macht. Der Leser wird also weniger Zeuge einer starken Handlung, als vielmehr einer psychologischen Darstellung dreier Frauen, die ihre Vergangenheit auf verschiedenen Wegen zu bewältigen suchen. Jede der Frauen ist unfähig, die Vergangenheit zu verarbeiten und in der Gegenwart zu leben, auch wenn sich das auf verschiedene Arten äußert. Elektras besessener Gedanke von der Rache gipfelt in Wahnsinn und schließlich den Tod, Klytämnestra zerfällt körperlich wie seelisch bei dem Versuch, ihre Taten zu verdrängen und Chrysothemis scheitert dabei, ein normales Leben zu führen und das Vergangene zu ignorieren.

Durch diesen Verlust der Gegenwart ist ihnen auch der Sinn für die Zeit abhanden gekommen, alle sind gezwungen zu einem zeitlosen Leben, gefangen am Hofe.

Alle drei Frauenfiguren haben denselben Ausgangspunkt, den Tod Agamemnons, der ihr Handeln beeinflusst und steuert. Sie sind gezwungen, sich selbst zu verleugnen und haben ihre Persönlichkeiten, ihre Menschlichkeit abgelegt.

So stark sie sich gegenseitig abstoßen, so sind sie doch untrennbar durch die Vergangenheit miteinander verbunden und voneinander abhängig. So ist Chrysothemis Glück von Elektras Handeln abhängig, Elektra widmet ihr Leben Klytämnestra und diese sieht in Elektra zunächst die einzige Hilfe und die Verkörperung ihrer eigenen Vergangenheit.

Die männlichen Protagonisten agieren, wie Orest (Elektras Bruder), nach dem Willen der Frauen oder werden nur in Rückblicken in die Vergangenheit hinaufbeschworen , wie Agamemnon und zum größten Teil auch Aegisth, der nur am Ende des Stücks einen kurzen Auftritt hat und dort in keiner Weise das Geschehen zu beeinflussen vermag.

Dabei spielt auch die Psychoanalyse Sigmund Freuds, die zur Entstehungszeit des Dramas eine große Popularität besaß und ganz sicher auch Hofmannsthal beeinflusste, eine große Rolle.

Der Schauplatz und die Atmosphäre im Stück sind durchgehend düster und beklemmend, wirken unwirklich. Hofmannsthal unterstreicht das Unglück und die Orientierungslosigkeit seiner Protagonisten in den szenischen Vorschriften mit dunkler und blutroter Beleuchtung, einem beengtem Bühnenbild und ausdrucksstarken Kostümen.

Ein gespenstisches, lautes, blutrünstiges und leidenschaftliches Werk, das zu lesen sich lohnt.
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