Die Debut-EP von iLiKETRAiNS war eine der erstaunlichsten Veröffentlichungen 2006. Dem Quintett aus Leeds gelang es darauf unwahrscheinlicherweise instrumentalen Postrock (viel Gitarre, manchmal Streicher oder Bläser) im Stil von Godspeed oder Mogwai mit einer an Michael Gira (Swans) erinnernden Stimme und Texten über bisher in der Rockmusik kaum erschlossene Themen - Scotts tragische Südpolexpedition, das Schliessen von Zugstrecken, Schachgrossmeister Bobby Fishers Nervenkollaps - auf geradezu wundersame Weise zu verbinden. Unwiderstehliche, langsam beginnende Songs steigerten sich da zu orkanartigen Stürmen, wie sie Scott und sein Team das Leben kosteten (meisterhaft illustriert im "Terra Nova"-Video, das nicht nur den Rezensenten die eine oder andere Träne zerdrücken liess).
Das Debutalbum (ent)hält, was der Titel verspricht: Elegien und gelernte Lektionen. Zu den Elegien gehören Spencer Perceval" (und Single-B Seite I Am Murdered"), gewidmet dem einzigen ermordeten britischen Premierminister (1762-1812), 25 Sins", über den Grossen Brand von London (1666), oder das grossartige Remnants of an Army", über den einzigen Überlebenden von 16.500 in Afghanistan massakrierten Briten (1842). Damit ist eines klar: viel zu lachen gibt's bei iLiKETRAiNS nicht, aber davor warnt ja bereits der Titel. Und das erwartet wohl auch niemand von einem Album, dessen erster Song We All Fall Down" heisst und der letzte Death Is The End" - was ILiKETRAiNS zur wohl einzigen Band macht, für die Richard Dawkins singen würde. Was die gelernten Lektionen betrifft, so ist die wichtigste, dass ein 50-minütiges Album besser ist als eine 30-minütige EP - zumindest, wenn man so viele so wunderbare Songs auf Lager hat wie diese phantastische Band.