Goethes Elegie von Marienbad ist ein Werk voll wunderbarer Poesie - zugegeben: das ist nichts Neues. Interessant an diesem Gedicht ist die Tatsache, dass Goethe es in hohem Alter verfasst hat: Er war bereits 74 Jahre alt, als er ein weiteres Mal wehleidevoll ein Stück einer Frau widmete: der jungen Ulrike von Lewezow, die Goethe bei einem Kuraufenthalt in Marienbad kennen lernt. Es zeigt sich, dass der Meister selbst in seinen späten Jahren nichts an seinem Können und auch nicht an seinem Empfinden eingebüßt hat. Diese Liebe bleibt allerdings unerwidert...
Diese Geschichte ist in der „Insel-Taschenbuch"- Ausgabe als biographischer Hintergrund enthalten und erläutert die zum Verständnis der Elegie beitragenden Geschehnisse.
Trotz der etwas unübersichtlichen Anordnung kann man durchaus nur Positives über die Zusammenstellung von dem Hauptwerk und ergänzenden Texten sagen: Sie enthält die Urschrift, die Niederschrift und Reinschrift. Besonders schön an der Urschrift ist, dass Goethe sie wie beiläufig (oder gerade beiläufig?) in seinen Kalender verewigt hat, was irgendwie äußerst künstlerisch aussieht.
Man bekommt durch die verschiedenen Versionen und die Kalenderkopien außerdem einen guten Einblick in die Erschaffung eines literarischen Werkes, man vergleicht die Schriften und bemerkt die Unterschiede, die veränderten Betonungen und die damit verbundenen Intentionen.
Ein wundervoller Beweis, dass Goethe Spaß machen und man immer wieder neue Seiten an ihm entdecken kann.