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Elegie für Iris
 
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Elegie für Iris [Gebundene Ausgabe]

John Bayley
4.5 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (4 Kundenrezensionen)

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Produktinformation

  • Gebundene Ausgabe
  • Verlag: C.H.Beck (2000)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 340646064X
  • ISBN-13: 978-3406460647
  • Größe und/oder Gewicht: 20,8 x 13 x 2,8 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 4.5 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (4 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 172.567 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

Produktbeschreibungen

Aus der Amazon.de-Redaktion

John Bayley begegnet 1953 Iris Murdoch zum ersten Mal, und mit dem ersten Blick erfährt er eine Faszination, die ihn nie mehr loslassen sollte. 1999 verstarb Iris Murdoch; nach 45 Jahren Ehe mit John Bayley. Die letzten Jahre verbrachte die Philosophin und Schriftstellerin, die Romane, wie zum Beispiel In guter Absicht oder Henry und Cato verfasste, im geistigen Dunkel -- sie litt an der Alzheimerschen Krankheit.

In Elegie für Iris erinnert Bayley sich an ihre gemeinsame Zeit, vom ersten Augenblick an. Mit Bewunderung erzählt er von der zurückgezogenen, mystischen und kreativen Iris, die er nie ganz versteht und die ihn trotzdem oder genau deshalb so in ihren Bann zieht. Ihr gemeinsames Leben wird definiert durch liebevolle Distanz: "Dieses Auseinandersein ist Teil der Nähe, vielleicht sogar ihre Bestätigung ganz gewiß aber ein Zeichen vollkommenen Verstehens".

Doch Tragik schleicht sich in die Beziehung ein, als sich bei Iris 1994 die ersten Anzeichen von Alzheimer zeigen. Ihre Erinnerung und Persönlichkeit zerfällt, Bayley muss sich fortan ununterbrochen um seine Frau kümmern. Elegie für Iris ist eine Hommage an die große Liebe. John Bayley erinnert sich zu einem Zeitpunkt, zu dem seine Frau dazu nicht mehr in der Lage ist. Die Notwendigkeit, die Vergangenheit wieder zu erleben und das damit verbundene, wieder auflebende Glücksgefühl fließt in seine Erzählung mit ein.

Der Schriftsteller und Professor für Englisch hält sich nur grob an die Chronologie, von Erinnerungen mitgerissen springt er von Ereignissen zu Kunstwerken, lässt noch einmal das glitzernde Wasser vor seinem geistigen Auge vorüberfliessen, genießt längst zurückliegende Festessen und spürt die Wärme eines Sommertages in Italien.

Dem Leser wird dieses Buch sicherlich ebenso viel Freude machen, wie dem Verfasser das Niederschreiben seiner Erinnerung an seine Liebe. --Susanne Solau

Neue Zürcher Zeitung

Ein Lächeln im Löwengesicht

«Elegie für Iris» von John Bayley

«Something had been withdrawn, had slipped away from him . . . and that something was simply himself»: klare, einfache Worte für ein unergründliches, schwieriges Schicksal, die Iris Murdoch für ihren Helden in «The Unicorn» (1963) findet. Ein Schicksal, das sie Jahrzehnte später selbst treffen wird. Die Autorin von mehr als zwei Dutzend Romanen, die Philosophiedozentin und Essayistin muss vor ihrem Tod 1999 eine lange «Reise ins Dunkel» (Murdoch) antreten, auf der sie sich selbst verliert. Doch derweil ihr, der Alzheimerpatientin, die Welt entgleitet, hält ihr Mann, John Bayley, die gemeinsame Geschichte fest: ein zärtliches, nie aber süssliches Dokument einer unerschütterlichen Liebe. Nun ist Bayleys «Elegie für Iris» in deutscher Übersetzung erschienen.

«Sie kam langsam und ziemlich mühsam an einem Fenster des St. Antony College vorübergeradelt, wo ich wohnte. Ich versuchte gerade zu arbeiten und sah müssig hinaus auf das wechselnde Bild in der Woodstock Road» – und da erblickte er sie zum ersten Mal, jene Frau, von der er seit diesem Augenblick träumen und die er knapp drei Jahre später, 1956, heiraten würde. Sie habe ausgesehen wie ein kleiner, grimmiger Stier, wie sie sich die Strasse entlangstrampelte, unberührt von ihrer Umgebung, ganz in einer eigenen Welt versunken. Ohne Vergangenheit, ohne Gegenwart und, vor allem, ohne Verehrer: So dachte und wünschte sich John Bayley die geheimnisvolle Mittdreissigerin auf dem Fahrrad – um sie wenig später auf einer Party im (damaligen) Oxforder Frauencollege St. Anne's zu treffen, umschwärmt und angebetet von Mann und Frau. Und das Geheimnis war dahin: Die Wunderbare arbeitete «banalerweise» als Philosophiedozentin, hatte Bindungen, offenbar sogar sehr enge, und war ganz und gar nicht von einem fremden Stern.

Eifersucht und Idylle

Später, als der 1925 geborene Bayley sie besser kennen lernt, wird er eifersüchtig feststellen müssen, dass seine Iris, die sechs Jahre älter und zehn Jahre erfahrener ist als er, sich auch ausserhalb der geschlossenen Welt Oxfords durchaus heimisch fühlt. Da gibt es nicht nur den stillen, kleinen Professor der alten Geschichte, der in London lehrt und Iris manchmal küsst, sondern, viel bedrohlicher, das «Monster von Hampstead»: Der legendäre Dichter hat mehrere Geliebte, und seine Frau ist bisweilen in der Wohnung, wenn er mit Iris schläft; sie besitzt «wie ein Gott». Es handelt sich, wie Bayley andeutet, um Elias Canetti – einen Mann, der seine Gesprächspartner mit einem Wort zusammenknüllt wie ein gebrauchtes Papiertaschentuch, sie dann wieder mit seinem Charme in seinen Bann schlägt: ein «Monster und Magier» zugleich.

In den ersten acht Kapiteln, überschrieben mit «Damals», mischt Bayley seine zarte Liebesgeschichte, das vorsichtige Herantasten an das fremde Wesen und dessen Entwicklung, immer wieder mit Anekdoten aus dem akademischen Alltag, mit Skizzen aus dem Literaturbetrieb und mit mal mehr, mal weniger liebenswürdigen Porträts, beispielsweise von Isaiah Berlin, einem offenen Menschen von «warmherziger, spontaner russischer Art». Oxford glänzt im weichen Licht der Fünfziger – «das Leben an der Universität schien vor etwa fünfzig Jahren zwar eingeengter und förmlicher zu sein, gleichzeitig aber auch gemütlicher und entspannter». Und das Italien, wohin sie auf ihrer Hochzeitsreise in einem klapprigen Kastenwagen fahren, ist ein bisschen staubig, ein bisschen schäbig, doch voller Flüsse und Bilder – und mehr braucht das junge Paar nicht zu seinem Glück.

Irgendwo unterwegs, in einer kleinen Gemäldegalerie, wird Iris ein Juwel entdecken, auf dem nicht mehr zu sehen ist als «ein schmaler, weisser Weg, der, von Ginsterbüschen gesäumt, bergauf führt und dann verschwindet. So wie der italienische Polizist [der den beiden einmal aus der Patsche geholfen hat] und Pieros geheimnisvoller, finsterer Christus lebt auch dieses Bild unter den Landschaften und Charakteren vieler ihrer späteren Romane fort.» Sanft, unaufdringlich lässt der Ehemann aus seinen Erinnerungen auch die Schriftstellerin hervortreten, eine hart arbeitende, disziplinierte Frau, die in Bildern denkt, in Geschichten abtaucht, sich fallen lässt, die in ihren Texten wie in ihrem Leben die Dinge atmen lässt und nie ihre Bescheidenheit und Herzensgüte verliert. Nicht einmal als Alzheimerpatientin.

«Trotz ihrer unaufhörlichen, ängstlichen Fragerei scheint Iris gar nicht zu wissen, wie man sich beklagt. Das hat sie auch früher nicht gewusst. Die Krankheit, die Wesenszüge so sehr betonen kann, dass es fast einer teuflischen Parodie gleicht, hat es in ihrem Fall nur geschafft, ihre natürliche Güte zu verstärken.» Sammelte sie einst Steine vom Strassenrand, rettet sie nun als Kranke Zigarettenstummel, trockene Blätter und zerdrückte Aludosen.

Schon in die «Damals»-Kapitel flicht John Bayley Schilderungen der Krankheit ein, verknüpft nahtlos und mit leichter Hand gute Zeiten und schweres Schicksal; die Erinnerung an das erste gemeinsame Bad im Fluss etwa mit der an das letzte. Zwischen Seerosenblättern und winzigen Fischen treibt der Leib der Kranken, die Füsse in den Socken steckend, die sie nicht hat ausziehen wollen – ein Moment des Glücks. Dann das Hochhieven am steilen Ufer: Plötzlich verzieht sich ihr Gesicht in Panik, und Bayley fürchtet, sie nicht mehr halten zu können, sie zurück in die Tiefe sinken lassen zu müssen. «Mir wurde schlagartig klar, dass wir nie wieder hierher zum Baden kommen durften.»

Ferne ohne Entfremdung

John Bayley ist kein Märtyrer: Voller Selbstironie erzählt er von seinen Wutausbrüchen, von seiner Ungeduld, seiner Enttäuschung, wenn Iris zum zehnten Mal seine Lieblingsblumen auf dem Sims in einer

wahren Sintflut ertränkt. Auch die «Freuden der Einsamkeit», die seine fast fünf Jahrzehnte dauernde Ehe erfüllt haben, erlebt der Oxforder Literaturprofessor nur noch selten. Trotzdem trifft er stets auf Iris, eine neue, alte Iris; die kindliche Iris – immer schon ein Teil der vielfach ausgezeichneten Autorin –, die jetzt an den Teletubbys hängt und an schlichten Kinderreimen. Auch eine Iris, die er liebt.

Es stimmt schon: Gerne hätte man noch mehr über Iris Murdochs Arbeit, über ihr Denken in gesunder Zeit erfahren. Aber vielleicht ist das nicht die Aufgabe, liegt das nicht in den Möglichkeiten des Ehemanns, der seine seit 1994 zunehmend sieche Frau bis zum Ende begleitete. Umso mehr berührt die Engführung des vergangenen, glücklichen Zusammenseins mit einer neuen, sprachlosen Gemeinsamkeit – einem Geschenk, dessen Zerbrechlichkeit John Bayley kennt: In jenem Teil, der «Jetzt» betitelt ist, erzählt er vom Fortschritt der Krankheit im Jahr 1997 und davon, wie sie einander jeden Tag physisch näher kommen: «Die neue Ehe hat sich selbst gestaltet.» Noch gibt es Rituale, die durch den Tag geleiten, einen Tag voller Ängste, Verzweiflungen und Fragen. Noch gibt es im «Löwengesicht» des Alzheimers – die maskenhaften Gesichtszüge sind ein klassisches Symptom – ein schüchternes Lächeln hie und da. «Die Reise ist zu Ende, und in der dunklen Begleitung der Krankheit ist Iris irgendwo angekommen. Und ich bin es auch.»

Alexandra M. Kedveš


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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
9 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Format:Gebundene Ausgabe
Gerade habe ich ELEGIE FÜR IRIS von JAHN BAYLEY beendet und es hat gehalten was es versprochen hat. Es beschäftigt sich nicht nur mit der zunehmenden Altersdemenz oder Alzheimer Erkrankung, sondern lässt noch viel Raum für andere Betrachtungen (Natur, Literatur und Literaten, Reisen, bildende Kunst, Beziehungen usw). So habe ich z.B. einiges mehr über Kafka über Tolkien und Aldous Huxley erfahren, über Paris und Oxford und über das "bedeutendste Gemälde der Welt" von Piero della Francescas "Die Auferstehung Christi's" in Borgo San Sepolcro in der Toscana!
Dieser JOHN BAYLEY schreibt mit einer Zärtlichkeit, die mich zutiefst berührt hat, die aber nie sentimental wirkt, über die Beziehung zu seiner Frau mit der er 43 Jahre verheiratet war, und die er bis zu ihrem Tod 1999 durch ihre Arzheimer Erkrankung liebevoll und geduldig gepflegt hat. Das Buch ist aber keine Krankheitsgeschichte als solche, sondern besticht durch die immer wiederkehrenden Rückblenden auf die längjährige Beziehung, das Kennenlernen, ihr beiderseitiger Drang nach Freiheit, ihre Gespräche, ihre Freundschaften - oft philosophische Betrachtungen die zum Nachdenken anregen und teilweise an I.M. von CONNIE PALMEN erinnern, dabei aber gepägt von einer Bescheidenheit und Unaufdringlichkeit, die seinesgleichen sucht:

"Die Einsamkeit, die ich in der Ehe zu schätzen gewußt habe (und Iris auch, wie ich glaube), gleicht ein wenig einem Spaziergang, den man allein und in dem Wissen unternimmt, daß man am nächsten Tag oder bald wieder in Gesellschaft des anderen gehen wird. Oder ebensogut auch nicht. Es ist eine Einsamkeit, die nichts was außerhalb der Ehe ist, ausschließt und die das Gefühl für eine mögliche Vertrautheit mit Dingen oder Menschen in der Außenwelt schärft. Diese Symphathie im Auseinandersein braucht jedoch Zeit zu Wachsen und sie ist in ihrer Art nach etwas völlig anderes als jene berauschende Einsicht in die Fremdheit eines andren Wesens, die zu den aufregenden Erlebnissen des Sichverliebens gehört."

Anrührend, versöhnlich und nachahmenswert fand ich auch, das Iris z.B. nach einem Streit mit folgender Frage stets für einen Stimmungsumschwung sorgen konnte: "Wär's nach all dem nicht Zeit für ein freundliches Wort?"

Wo in I.M. von Connie Palmen die Empathie und auch die Abhängigkeit in einer Beziehung im Vordergrund stand, so ist es hier die innere Freiheit, das immer wieder sich Annähern, nichts als selbstverständlich zu hinzunehmen, das der Partnerschaft Reife und Tiefe gibt.

Am meisten beeindruckt hat mich allerdings die große Kraft der Liebe in dem Buch, das gegenseitige Vertrauen, die Achtsamkeit im Umgang miteinander, mit der John Bayley die Höhen und Tiefen seiner Ehe mit der englischen Schriftstellerin Iris Murdoch einfühlsam und doch mit Humor beschreibt. Ein intelligentes und doch menschlich tief anrührendes Buch!

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5 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Format:Gebundene Ausgabe
Dies Buch ist ein seltenes Loblied auf die Ehe, wie sie sein kann, wenn zwei aussergewöhnliche Menschen mit Toleranz und Humor sich lieben und respektieren. Einmalig die Beschreibung der Alzheimer Erkrankung der grossen und in Deutschland viel zu wenig bekannten Autorin Iris Murdoch und wie ihr Partner sie betreut und in ihr unbegreifliches Schweigen begleitet. Ohne Kitsch und Sentiment, und doch zum Lachen und Weinen!
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3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Format:Gebundene Ausgabe
1999 starb Iris Murdoch, eine der bekanntesten Autorinnen ihrer Zeit, an der heimtückischen Alzheimer-Krankheit. Ihr Ehemann, der Literaturprofessor John Bayley, legt in "Elegie für Iris" ein erstaunliches, aber auch zutiefst erschütterndes Zeugnis über das Leben dieser großen Schriftstellerin ab. Durch Rückblenden, Zitate und Tagebucheintragungen Bayleys, die in Romanform intelligent kombiniert wurden, wird uns Einblick gewährt in das Leben dieses ungewöhnlichen Paares und in die seltsam anmutende Fantasiewelt der Protagonistin. Auch wenn ich noch keines ihrer Bücher gelesen habe, so kann man doch schmerzlich mit nachvollziehen, wie es sein muss mitanzusehen, wie die einstmals so intelligente und verstandeskräftige Liebste von der Alzheimer-Krankheit befallen und so all ihrer Erinnerungen und ihrer Identität beraubt wird.
Es gleicht dem russischen Roulette, wenn man sieht, wie das Verständnis für Kunst schwindet und der Intellekt nur noch dazu reicht, einer Sendung wie den Teletubbies zu folgen.
Auch wenn mich das Buch durch die Art und Weise des Erzählens sehr überzeugt hat, muss ich eingestehen, dass mir der Film (mit Judi Dench und Kate Winslet) besser gefällt, da die Gefühle und die Probleme durch die schauspielerische Darstellung viel stärker zum tragen kommen, als es tausende Wörter vermögen.
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