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Produktinformation
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In diesem Buch dokumentiert der Urheber seinen "Scherz". Neben einem gründlichen Kommentar zu dem Artikel, der hier freilich nicht fehlt, liefern die Autoren eine eingehende Diskussion wichtiger postmoderner Theoretiker, die ausgiebig in der Naturwissenschaft gewildert haben. In Einzelkapiteln wird aufgeschlüsselt, wie fahrlässig Lacan, Kristeva, Deleuze und Guattari, Virilio, Baudrillard und andere mit Axiomen der Mathematik und Physik umgehen.
Beispiel: Heisenberg. Dessen Unschärferelation besagt unter anderem, daß bei der Beobachtung eines Teilchens der Beobachtungsvorgang in den Vordergrund rückt. Oder anders: Naturwissenschaftliches Beobachten bringt nicht ein Naturbild hervor, sondern "ein Bild unser Beziehung zur Natur" - ein Ergebnis, daß von der poststrukturalistischen bzw. konstruktivistischen Theorieavantgarde vielfach zur metaphorischen Grundlage einer metaphysischen Skepsis gegenüber Konzepten wie Identität, Existenz und Wahrheit gemacht wurde.
Sokal und Bricmont richten sich im kleinen also gegen den Mißbrauch der Naturwissenschaften als Metaphernlieferant. Dahinter steht die Abneigung gegen den uneingeschränkten Relativismus, den die postmoderne Theorie verherrlicht: alles ist beobachterabhängig, Wissenschaft ist Text, die Wahrheit subjektiv. Eleganter Unsinn ist deshalb vor allem eine ernstzunehmende Auseinandersetzung mit dem philosophischen Skeptizismus von Hume und Descartes bis Popper, Kuhn und Feyerabend. Es ist eine nüchterne, klarsichtige Bestandsaufnahme der jüngsten Wissenschaftgeschichte mit dem Versuch, den Streit zwischen den "zwei Kulturen" Natur- und Geisteswissenschaft argumentativ zu schlichten. --Nikolaus Stemmer -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.
Mit seinem (Scherz-)Artikel «Die Grenzen überschreiten: Auf dem Weg zu einer transformativen Hermeneutik der Quantengravitation» wurde der New Yorker Physiker Alan Sokal weltberühmt: als Ankläger der verschwommenen Rhetorik und begrifflichen Schlampigkeit, die die französischen postmodernen Denker hoffähig gemacht haben. Als «fashionable nonsense», als «imposture intellectuelles» und nun als «eleganten Unsinn» präsentiert Sokal die Beweise dieser Anklage: Textbeispiele aus den Schriften so berühmter Philosophen wie Deleuze, Baudrillard, Virilio und anderer, die er zusammen mit seinem belgischen Kollegen Jean Bricmont kommentiert hat. Das Buch will nicht die Postmoderne überhaupt des Unsinns überführen, sondern bloss ihre vermeintliche intellektuelle Tiefe als pseudowissenschaftliche Untiefe aufdecken. Dass Virilio den Unterschied zwischen Geschwindigkeit und Beschleunigung nicht kennt, dass Kristeva den Gödelschen Satz nicht versteht, dass Irigaray die allgemeine mit der speziellen Relativitätstheorie verwechselt die beiden Physiker monieren, dass diese Denker naturwissenschaftliche Begriffe benutzen, ohne deren theoretischen Ort zu kennen. Vor allem wendet sich das Buch gegen eine postmoderne Philosophie, nach der die objektive Realität nur soziales Konstrukt und die Naturwissenschaft nur «Erzählung» ist. Das Buch, das in Frankreich der Frankophobie bezichtigt wurde, plädiert implizit für den auf (naturwissenschaftlicher) Bildung basierenden Austausch zwischen den zwei Kulturen und für eine Rückkehr zu Klarheit und Objektivität und liegt damit ganz in jener französischen Tradition von «Ce qui n'est pas clair, n'est pas français».
Stefana Sabin -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.
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In der Ausgabe Fruehjahr/Sommer 1996 der US-amerikanischen Zeitschrift "Social Text", einer Sondernummer zum Thema "Wissenschaftskrieg", erschien ein Aufsatz des New Yorker Physik-Professors Alan Sokal unter dem Titel "Die Grenzen ueberschreiten: Auf dem Weg zu einer transformativen Hermeneutik der Quantengravitation" (im Buch S. 262-309). Gegen Ende des Aufsatzes kommt Sokal u. a. zu dem Schluss: "Die Lehre von Wissenschaft und Mathematik ist von ihrem autoritaeren und elitaeren Charakter zu befreien; und der Inhalt dieser Faecher muss durch das Einbeziehen der Erkenntnisse der feministischen, schwulen, multikulturellen und oekologischen Kritik bereichert werden." (S. 262) Der Aufsatz passte offenbar gut zum Thema dieser Sondernummer, die sich mit den Auseinandersetzungen zwischen verschiedenen Fraktionen und Stroemungen der wissenschaftlichen Gemeinde befasste, insbesondere jenen zwischen Geistes- und Naturwissenschaftlern, die auch Sokal reflektiert.
Dann jedoch gab der Autor in der Zeitschrift "Lingua Franca", Ausgabe Mai/Juni 1996, auf den Seiten 62-64 bekannt, dass er mitnichten die in seinem Aufsatz aufgestellten Ansichten teilte, sondern vielmehr beabsichtigt hatte, "den Artikel so zu schreiben, dass jeder kompetente Physiker oder Mathematiker (bzw. Physik- oder Mathematikstudent) ihn als Parodie haette erkennen muessen. (.) Die eigentliche Veralberung in meinem Artikel liegt jedoch nicht den vielen Schnitzern, sondern in den Fragwuerdigkeiten seiner zentralen Thesen und der "Argumentationskette", mit der diese Thesen gestuetzt werden. (.) Bei all dem gibt es nichts, was einer logischen Folgerung auch nur aehnlich sieht. Was man findet, sind Zitate von Autoritaeten (dazu weiter unten; HL), Wortspiele, an den Haaren herbeigezogene Analogien und waghalsige Behauptungen." Aus "Sokal's Hoax (Sokals Jux)", wie die Affaere bald genannt wurde, entwickelte sich rasch ein heftiger, erbittert gefuehrter Streit, der sich um die Grenzen der Erkenntnis, die Zuverlaessigkeit wissenschaftlicher Erkenntnisse, die Abhaengigkeit wissenschaftlicher Erkenntnisgewinnung von gesellschaftlichen Bedingungen und vieles mehr drehte. Im Kern drehte und dreht sich diese Debatte jedoch um "das Dogma", das Sokal in der einleitenden Passage seines Aufsatzes erwaehnt hat, bzw. um die Frage: "Gibt es eine vom Menschen unabhaengige Wirklichkeit und ist sie prinzipiell erkennbar?" Alan Sokal hat gemeinsam mit seinem belgischen Kollegen eine Auseinandersetzung mit jenen Autoritaeten vorgelegt, die er in seinem Aufsatz in "Social Text" so ausgiebig zitiert hatte. Sokal und Bricmont werfen diesen Denkern den "wiederholten Missbrauch von Ideen und Begriffen aus der Mathematik und der Physik" (S. 20) vor, und zwar - durch "weitschweifige Darstellung naturwissenschaftlicher Theorien, von denen man guenstigstenfalls eine aeusserst vage Vorstellung hat (.) ohne sich uebermaessig darum zu kuemmern, was die Woerter eigentlich bedeuten", - mittels "uebernahme von Begriffen aus den Naturwissenschaften in die Geistes- oder Sozialwissenschaften ohne die geringste inhaltliche oder empriische Rechtfertigung", - durch die "Zurschaustellung von Halbbildung, indem man schamlos mit Fachbegriffen um sich wirft, die im konkreten Zusammenhang voellig irrelevant sind", - sowie mit Hilfe der "Verwendung von im Grunde bedeutungslosen Schlagworten und Saetzen". (S. 20/21) Den Hauptteil des Buches machen die Kapitel zu den einzelnen Denkerinnen und Denken aus, deren zum Teil abenteuerliches Wortgeklingel einer gruendlichen Kritik unterzogen wird. Ein Schluesselbegriff ihrer Kritik ist der des epistemischen Relativismus: Epistemologie (vom griechischen Episteme = Wissenschaft) ist Erkenntniswissenschaft, jener Zweig der Philosophie, der sich mit dem Wissen und seiner Erlangung befasst. Relativismus wird hier verstanden als Philosophie, die behauptet, die Richtigkeit einer Behauptung sei abhaengig von einem Individuum oder einer sozialen Gruppe. Relativistisch ist also beispielsweise die Auffassung, bestimmte Ideen seinen allein schon dadurch ent- oder bewertet, dass sie zunaechst, vornehmlich oder ausschliesslich von Maennern, von Frauen oder von Angehoerigen bestimmter Minderheiten oder anderer sozialer Gruppen vorgetragen werden. Sokal und Bricmont beschreiben den epistemischen Relativismus, dem hier ihr Augenmerk gilt, als "die (.) Vorstellung, dass die moderne Wissenschaft nur ein "Mythos" sei, eine "Erzaehlung" oder gesellschaftliche Konstruktion" unter vielen anderen." (S. 10) Auf einer solchen gedanklichen Grundlage ist ein Urteil darueber, ob von zwei einander widersprechenden Aussagen ueber denselben Gegenstand eine, beide oder keine wahr sind, nicht moeglich. Es kann hoechstens festgestellt werden, wie weit eine "Erzaehlung" (also etwa eine Aussage ueber die Welt, wie "Gestern landete auf dem Koelner Neumarkt ein UFO") mit den Konstruktionsprinzipien der Grossen Erzaehlungen (hier etwa der Physik oder der Astronomie) uebereinstimmt oder eben nicht. Daraus einen Schluss darueber abzuleiten, ob gestern wirklich ein UFO auf dem Neumarkt gelandet ist, waere vermessen. Relativistische Auffassungen sind bei Angehoerigen vieler ethnischer und sozialer Minderheiten und deren konkreten oder ideellen Interessenvertretern sehr verbreitet. Das verwundert nicht, da diese Auffassungen den Dominanzanspruch des Wissenschaftsbetriebs in Frage stellen, der oft tiefgreifend von wissenschaftsfremden Interessen sozialer Gruppen gepraegt ist. In der Tat findet ja auch Wissenschaft nicht im luftleeren Raum statt, sondern ist auch selbst Gegenstand sozialer Auseinandersetzungen. Waehrend aber Sokal und Bricmont dafuer eintreten, wissenschaftliche Methoden auf die Wissenschaft anzuwenden, um Missbraeuche von Wissenschaft aufzudecken, bestreiten epistemische Relativisten die besondere Eignung der Wissenschaft, zu wahren Aussagen zu gelangen bzw. die Wahrheit von Aussagen zu pruefen. (Ob dies rassistischen Auffassungen eher abhilft oder ihnen eher eine intellektuelle Ausrede liefert, ist ein Gegenstand der anhaltenden Debatte.) Dem gegenueber geben Sokal und Bricmont zum Schluss ihrer Hoffnung Ausdruck: auf eine "intellektuelle Kultur, die rationalistisch, aber nicht wissenschaftsglaeubig, offen, aber nicht belanglos und politisch progressiv, aber nicht sektierisch ist." (S. 261) Die Debatten um "Sokals Jux", seine Thesen und das Buch sind im Internet ausfuehrlichst dokumentiert. (Die etwas ausfuehrlichere Fassung dieser Rezension erschien im "Skeptiker" 03.2000)
Hier nun endlich die fundierte und dabei sowohl humorvolle wie sachliche Bestätigung dieser Ahnung: Die Autoren, beide Physiker, haben sich die Mühe gemacht, eine Vielzahl zum Teil berühmter postmoderner Texte, die auffallend viel Bezug nehmen auf mathematische und physikalische Themen, auf die Integrität der verwendeten wissenschaftlichen Inhalte zu untersuchen. Dabei kommen sie zu haarsträubenden (und teils schreiend komischen) Ergebnissen: Sei es, das ein Autor die Einstein'sche Relativitätstheorie (die er für den Physiker erkenn- und belegbar gar nicht verstanden hat) für überholt erklärt, oder ein anderer meint, die Erkenntnisse der experimentellen Teilchenphysik bedeuteten das Ende von objektiver Wahrheit und Zeit - immer fühlen Sokal/Bricmont dem Geschriebenen sachlich insistierend auf den Zahn, um gerade dadurch die Absurdität der Behauptungen offenzulegen. Aber die Kritik geht über die Entlarvung von "philosophischer Hochstapelei" hinaus: Sokal, der sich selbst als "Altlinken" apostrophiert, kritisiert diese interlektuelle Haltung als anti-aufklärerisch, weil ein kritischer Rationalismus zugunsten eines "anything goes" aufgegeben wird und damit die Möglichkeit zu gesellschaftlicher Kritik hintertrieben wird. Was bleibt, so Sokal, ist hochtrabendes, relativistisches Geschwätz, ein modischer "Diskurs" ohne Folgen, der den Zuhörer verständnislos läßt und vom Autor allzu oft selbst nicht verstanden wird. Das belegen Sokal/Bricmont in ihrem Buch jedenfalls zur Genüge...
Man beginnt das Buch zu lesen und legt es nicht mehr aus der Hand. Die Autoren analysieren sehr genau Texte von einzelnen Philosophen, und zeigen, wie ungerechtfertigt die inflationäre Verwendung von mathematischen und physikalischen Fachbegriffen in diesen Texten ist. So versucht beispielsweise einer dieser Philosophen seinen Lesern zu suggerieren, daß es Zusammenhänge zwischen der mathematischen Disziplin Topologie und der Psychoanalyse gibt und anderes. Die Autoren Sokal und Bricmont heben ausdrücklich hervor, daß sie die großen Verdienste dieser Philosophen nicht leugnen oder herabsetzen wollen. Es geht ihnen einzig und allein um die erwähnte ungerechtfertigte Verwendung bestimmter Begriffe.
"Eleganter Unsinn" ist kein Verriß philosophischer Theorien, sondern eine durchaus sachliche, allerdings sehr kritische Auseinandersetzung. Die Verfasser von "Eleganter Unsinn" sind Mathematiker bzw. Physiker, aber man muß nicht zu den Eingeweihten der jeweiligen Wissenschaft gehören, um das Buch interessant zu finden. - Gerade die Manier, dem ehrfürchtigen Laien in scheinbar beschlagener Weise Fachtermini um die Ohren zu hauen, ohne selbst richtig zu wissen, wovon man eigentlich redet, wird von den Autoren hart kritisiert und daher vermieden.
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