Vorab: Dies wird eine SEHR ausführliche Rezension, basierend auf der PC-Version! Die Ausführlichkeit bin ich dem Spiel einfach schuldig... ;)
Im Jahre 2007 veröffentlichte VALVe - bekannt für Erfolgstitel wie Half Life, Half Life 2, Counter Strike, Counter Strike: Source, Left 4 Dead und mehr - eine so genannte "Orange Box".
Darin enthalten war eine Sammlung toller Spiele: Half Life 2, zwei Erweiterungen für Half Life 2 (Episode 1 & Episode 2), Team Fortress 2 und ein unscheinbar wirkender Titel namens "Portal".
Basierend auf der Source-Engine, versuchte Portal, den Spieler in eine neue Welt zu locken, indem es vor allem eines forderte: Das Köpfchen! Man bekam ein "Portal-Device" (Portal-Gerät) und musste sich so den Weg durch ein Labyrinth bahnen.
Dieses Konzept kam derart gut an, dass sich schon schnell eine große Fangemeinde bildete, die es sich auch zur Aufgabe machte, Portal mit selbstgebastelten Maps am Leben zu erhalten.
Im März 2010 kam dann für alle Fans des Spiels DIE Nachricht des Jahres: PORTAL 2 KOMMT! Und am 19. April konnte ich es endlich in Händen halten.
Ich beginne mit dem Singleplayer:
Ich gebe es zu, ich hatte anfangs schon irgendwie erwartet, Portal 2 würde so beginnen wie sein Vorgänger (in einer höchststerilen Umgebung) und dass man erst im späteren Verlauf des Spiels in die verwahrlosten Ecken von Aperture Science zu Gesicht bekommen würde. Umso überraschter und vor allem erfreuter war ich, als man direkt zu Beginn in den 'Dschungel' und somit ins Getümmel geworfen wurde.
Direkt in den ersten Sekunden lernt man 'Wheatley' kennen - einen kleinen Roboter, der einem für eine gewisse Zeit im Spiel als Freund und Helfer zur Seite stehen wird. Anschließend befreit Wheatley einem aus einem Appartement und schickt uns auf die Suche nach dem Portal-Gerät. Sobald man dieses gefunden hat, geht es los!
Der Ablauf des Singleplayers verläuft einfach. So wird man Schritt für Schritt mit der Spielmechanik vertraut gemacht (was besonders für Nichtkenner von Portal 1 von Bedeutung ist), ehe es in angemessenem Tempo nach und nach immer herausfordernder wird. Mich als großen Portal-Fan hat er zumindest überzeugt, weshalb ich ihn auch gleich drei(!) Mal in den letzten Tagen durchgespielt habe. Man entdeckt einfach von Mal zu Mal immer weitere Details und kleine Anspielungen.
Weiter geht es mit dem Multiplayer (Co-op):
Neu in Portal 2 ist auch der Co-op-Modus, den man gemeinsam mit einem Freund bestreiten kann. Der Modus ist in mehrere Abschnitte aufgeteilt, welche nacheinander freigeschaltet werden.
Zuerst kommt der Kalibrierungs-Test (hier werden kurz erste Co-op-Techniken vorgeführt), welcher natürlich auch mit einer guten Portion Humor gespickt ist. ;)
Alles in allem ist der Co-op-Modus ein großer Spaß. Ich habe mit meinen Spielpartnern oft lauthals gelacht, da Fehler nicht unbedingt als störend oder frustrierend, sondern viel mehr als unterhaltend wahrgenommen werden. Hier liegt das wirklich GROßE Potential von Portal 2! Wer den Singleplayer mochte, wird den Co-op-Modus lieben!
Spieldauer:
Da Portal 1 nur als Gimmick bzw. Test angesehen werden musste, war es zu erwarten, dass die Spielzeit eher der einer Demo ähneln würde. Daher musste Portal 2 deutlich mehr an Spielzeit bieten. Entgegen den vielen Behauptungen, man würde für den Singleplayer 8 oder mehr Stunden brauchen, brauche ICH PERSÖNLICH nur knappe als 5 Stunden. Der Co-op-Modus verlangte mir dann nochmal in etwa 4-5 Stunden (mit mehreren Pausen) ab. Doch egal wie lange man an Portal 2 saß um es durchzuspielen - es hat sich gelohnt und macht Lust auf mehr!
Nachtrag zur Spieldauer (23.04.2011):
Ich möchte anmerken, dass sich meine Durchspieldauer auf den ERSTEN Durchgang bezieht und KEINE Achievements beinhaltet! Möchte man auch 100% aller Achievements erlangen, verlängert sich diese Zeit um wahrscheinlich 1-2 Stunden.
Optik:
Die für Portal 1 & 2 verwendete Source-Engine hat zwar schon einige Jahre auf dem Buckel, weiß aber trotzdem noch optisch zu überraschen. So sieht sowohl die klinische Umgebung in Portal 1, als auch die verwahrloste, dschungelartige und verwüstete Aufmachung aus Portal 2 ansprechend aus und fügt sich in ein stimmiges Gesamtbild. Mit anderen aktuellen Spielen (Call of Duty Modern Warfare 2, Battlefield: Bad Company 2, Crysis 2, etc.) kann die Optik zwar nicht mithalten, aber ist die Source-Engine ja nun auch schon älter. Trotz allem: Die Optik passt!
Sound:
Wer Half Life 2 (und dessen Episoden) gespielt hat, der weiß, dass bei VALVe "Soundfachmänner" sitzen, die wissen, worauf es ankommt. Für jede Aktion bekommt man einen dezenten aber dennoch auffälligen Ton geliefert, der einem eine Bestätigung gibt. Aber auch Explosionen, Echos, Schall und dergleichen wirken genau passend und "sehr gut". Hierfür kann man nur die Bestnote vergeben. :)
Übrigens: Ich habe in Portal 2 einige Sounds aus Half Life 1 (aus 1998!) entdeckt! ;)
Atmosphäre:
Im Vergleich zu Portal 1 kommt im zweiten Teil eine deutlich bessere Atmosphäre rüber. Es ist VALVe gelungen, fast über die komplette Spiellänge eine geheimnisvoll wirkende Umwelt zu gestalten. So macht spielen Spaß!
Item-Shop:
Ich muss gestehen, dass ich anfangs etwas geschockt war, als ich sah, dass Portal 2 nun ähnlich wie Team Fortress 2 über einen Item-Shop verfügt. Man kann dort (ausschließlich für den Co-op) Skins, Flaggen, Hüte, Gesten und dergleichen kaufen - und das zum Teil für echt eine Menge Kohle! So kostet zum Beispiel eine "Schutzbrille", die der Brille von Gordon Freeman nachempfunden ist, zur Erstellung dieser Rezension sage und schreibe 7,49€! Das ist schon fast unverschämt viel Geld für etwas, das man eigentlich überhaupt nicht braucht.
Im Nachhinein kann man aber davon ausgehen, dass der Item-Shop durchaus einen positiven Zweck erfüllen wird. Denn das, was alle Portal 2-Fans wollen, ist mehr "Kartenmaterial". Wenn VALVe die Erstellung weiterer Karten und Puzzles über den Item-Shop finanzieren will oder wird, dann soll es mir recht sein. ICH jedoch werde dort keinen Penny lassen. Aber es gibt bekanntlich nichts, dass sich nicht verkaufen lässt... ;)
Fazit:
Was soll ich nun noch groß schreiben? Ich bin begeistert! Das mag vielleicht auch daran liegen, dass ich mich so sehr darauf gefreut habe, andererseits kam es auch schon vor, dass mir Titel, auf die ich mich ähnlich freute wie auf Portal 2, dann letztendlich nicht gefielen.
Ich bin gespannt, was VALVe noch mit Portal 2 anstellt. Sie haben sich mit Portal 2 die perfekte Plattform gebastelt, um Spieler noch hunderte Stunden mit Puzzles zu begeistern. Die Möglichkeiten sind schier unendlich. Weiter so, VALVe!
Von mir gibt es 10/10 Punkte!