Ich bin durch eine Freundin auf Alexander Marcus aufmerksam geworden (die mir ein YouTube-Video zeigte, das mich zunächst verwirrte).
Beschäftigt man sich aber ein bisschen intensiver mit der Kunstfigur Alexander Marcus, wird klar, was der Typ eigentlich will, nämlich der deutschen Mitklatsch-Grins-Gute-Laune-Musiklandschaft einen Spiegel vorhalten. Dabei lässt er fast kein volkstümliches Musikgenre aus (Schlager, Volksmusik, Herz-Schmerz-Ballade usw. usf.). Soweit die eine Seite des Alexander Marcus: Satire. (Man denke an Texte, die an Inzest und Drogenkonsum erinnern, wie er den 'echten Größen' häufig nachgesagt wird!)
Die andere Seite ist ein Alexander Marcus, der tatsächlich das Zeug hätte, in den oben genannten Genres Fuß zu fassen. Er steht den "Größen" im Geschäft nämlich in nichts nach, sei es Matthias Reim, Rex Guildo oder auch DJ Ötzi. Er passte durchaus in Sendungen wie den Musikantenstadl oder den Fernsehgarten. Das will er aber gar nicht, sonst würde er seine Musik als solche vermarkten.
Damit kommen wir zur dritten Seite des Alexander Marcus: Seiner Vermarktung. Raffinierter geht es nicht: Eine Musikrichtung, die er 'erfindet' und der er einen wohlklingenden Namen gibt sowie viele weitere Alleinstellungsmerkmale wie pinke Hose, weiße Slipper, Plastikglobus oder ein gar nicht zum Rest passender Robotdancestil machen Alexander Marcus damit zu einem Gesamtkunstwerk, das selten Rollenbrüche erkennen lässt.
Somit ist er an Authentizität nicht zu überbieten, da er all seine 'Marotten' konsequent durchzieht und dabei eine ganz eigene Note hinterlässt. Ob diese dem Hörer gefällt, ist tatsächlich Geschmackssache. Da verhält es sich ähnlich wie mit Helge Schneider oder Mario Barth: Entweder man liebt sie oder hasst sie. Ich liebe Alexander Marcus und seinen individuellen Stil, den es so tatsächlich nicht noch einmal gibt auf dieser Welt. Schließlich steckt auch in diesem zunächst oberflächlich wirkenden Nonsens eine Menge Arbeit und vor allem eine gute Beobachtungsgabe der 'realen Vorbilder' aus dem Humtata-Bereich'. Diese Vorlagen dann zu adaptieren und mit astreinen Housegrooves zu unterlegen, so dass sie tatsächlich 'hörbar' wird, bekommt meinen vollen Respekt. Hört man die Songs ein paar Male, gehen sie nicht mehr aus dem Ohr. Von daher: 5 Sterne!