INTRO
Wohin geht vergangenheitsbewältigender elektronischer Pop in diesem noch jungen Jahr? Und warum nicht zwei - bei aller Heterogenität des neuen Selbstverständnisses der deutschen Elektronika - doch symptomatische Ansätze einfach mal zusammenprallen lassen? Okay, zunächst nach Berlin. Nach zwei Maxi-EPs gibt's jetzt das erste Album von Smash TV, und irgendwie ist schon klar, warum neben Gigolo auch BPitch Control als verlässliche Heimat des Datapop firmieren kann. 14mal komprimiertes Geschichtsverständnis in Elektrotech aufgelöst. "Electronic Boy' meets "Nasty Girl' als "Laptop Dancers', natürlich. Dabei immer schön dreckig bleiben, lo-fi, schnarrende Vocoder und Sequenzer-Tuckern fungieren als zwingende Bestandteile einer dekonstruierten Elektrifikation, die dennoch nie zur billigen Retro-Comedy verkommt. Doch Stillstand ist der Tod, und deswegen gleich weiter nach Köln. Eric Schneider a.k.a. Nothingface hat dort nach Beiträgen für das Jörg-Burger-Label Eat Raw, für Harvest und Treibstoff endlich eine feste Bleibe im Hause Eleganz gefunden. Auch hier spielt die Rückbesinnung eine feste Rolle in der Klangsozialisation, auch wenn das naturgemäß zarter, verspielt, barock, halt eben elegant vorgetragen wird. Bittersüßer die Synthies nie perlten, oder ist das in der Post-Xmas-Phase nicht mehr chic ("Flower™')? Und auch gekraftwerkelte Teenie-Reim-Katastrophen auf die "ieren'-Endung ("Wir Marschieren') erhalten im Musikverständnis des Nothingface eine prägende Substanz. Ist das schon/noch House oder noch/doch Loungepop, fragt sich der geneigte Konsument und sucht zwischenzeitlich nach der verschütt gegangenen Eighties-Compilation.
Jochen Ditschler / Intro - Musik & so
mehr unter www.intro.de