Diese Platte ist ein Kuriosum in der Diskografie von Muddy Waters. Zwar hatte sein Label, Chess Records, bereits Anfang der 60er Jahre mit THE FOLK SINGER aus kommerziellen Gründen Muddy bewogen, ein Album im Stile der damals populären, auf akustischen Instrumenten gespielten Folkmusik und des Country-Blues aufzunehmen. Heraus kam eine für Muddy eher untypische Platte, da er selbst eigentlich für den elektrischen Blues stand. Dennoch war diese Platte eine seiner besten überhaupt.
ELECTRIC MUD geht nur wenige Jahre später in die entgegen gesetzte Richtung: Um auf den Psychedelia- und Blues Rock-Zug aufzuspringen, heuerte Chess für Muddy Waters eine Band an, die hinter ihm ein Feuerwerk an elektrisch verstärkten Wah-Wah und Fuzz-Sounds abbrennt. Muddy selbst fasst auf dieser Platte gar kein Instrument an sondern heult und jault vor diesem Hintergrund. Ironischer Weise wird hier die Musik von damals populären Bands imitiert, die sich auf Muddy Waters als Vorbild bezogen. Bespielsweise gibt er eine Version des Stones-Songs "Let's Spend The Night Together" zum Besten, aber auch aufgemotzte Interpretationen seiner alten Hits "Mannish Boy" und "Hoochie Coochie Man". Das Experiment hatte durchaus kommerziellen Erfolg und resultierte in einem der meistverkauften Alben von Muddy. Er steckte sich das Geld sicher gerne in die Tasche, fand das musikalische Ergebnis aber bestenfalls eigenartig und hatte in der unmittelbaren Zeit danach Schwierigkeiten damit, dass sein durch ELECTRIC MUD neu dazugewonnenes junges, weisses Publikum auf Konzerten genau diese Musik von ihm hören wollte, zu der er selbst aber überhaupt nicht stand und daher auch mit seiner Stamm-Band weder spielen konnte noch wollte.
Dennoch hat diese Platte ihren Reiz. Zwar ist sie keineswegs authentischer Blues. Aber gerade durch die schrille Kombination des alten Haudegens Muddy Waters mit einer außer Rand und Band geratenen Gruppe junger Hunde, die versuchen sich im Erzeugen abgefahrener Sounds gegenseitig zu übertreffen, entwickelt sich enorme Reibungswärme. Mag sein, dass dies nur ein Strohfeuer ist. Blues-Puristen rümpfen hier angewidert die Nase, aber für tolerante Hörer, die auch in der Lage sind einmal augenzwinkernd zuzuhören, bietet sich hier eine kleine Perle, an der man durchaus seinen Spaß haben kann.