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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
ein Klassiker -Gesellschaftskritik mit Elementen der Phantastik , 15. Juni 2006
Der Roman beginnt sehr düster. Eine junge Frau sucht einen Präparator auf, um den Kopf ihres kürzlich verstorbenen Mannes zu konservieren zu lassen. Dieser Präparator ist Eleagabal Kuperus, auf dem ersten Blick eine etwas geheimnisvolle Gestalt, die etwas von einem Alchemisten an sich hat.
Aber die wichtigste Gestalt des Romans ist Adelbert Semilasso, der im Wald bei seinem tyrannischen Vater aufwuchs und dennoch Dichter und Naturphilosoph wurde. Dieser Naturmensch kollidiert mit der Welt der Fabriken und der Technik.
Diese befindet sich zum großen Teil in den Händen von Thomas Bezug, dem Milliardär, der die Weltmacht anstrebt und es vielleicht mit Hilfe der Erfindung Dr. Hechts auch schaffen wird.
Denn sie beabsichtigen die Atemluft aus der Atmosphäre zu pumpen und die Pflanzen so zu verändern, dass sie nicht mehr genügend Luftsauerstoff erzeugen. Dazu gründet er ein Konsortium um den gesamten Erdball kontrollieren zu können. Den einzigen den er noch fürchtet ist der geheimnisvolle Eleagabal Kuperus, der mit seinem Freund dem Türmer und Erfinder Palingenius gegen Bezug wirkt.
Dieser mit phantastischen Momenten und man könnte sogar sagen mit Elementen der Science Fiction gespickte Roman ist zwar bereits 1910 erschienen, aber in der Grundaussage seiner Gesellschaftskritik ist er vollkommen auf der Höhe unserer Zeit.
Es ist ein großes Verdienst des Festa-Verlages dieses lange Zeit fast verschollene Klassiker wieder aus der Versenkung geholt zu haben.
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4.0 von 5 Sternen
Längst überfällige Neuauflage, 19. Mai 2006
Thomas Bezug, der reichste Mann der Erde hat einen teuflischen Plan ersonnen. Zusammen mit den Wirtschaftsmogulen seiner Zeit erwirbt er alles Land auf der Erde. Ein genialer Wissenschaftler hat für ihn eine Maschine entwickelt, mit der sich der Sauerstoff aus der Luft entfernen lässt. Bezugs Ziel, die absolute Macht über alle Menschen auf Erden, über die Schöpfung selbst scheint durch seinen Besitz der atembaren Luft dann erreichbar zu sein. Einzig der Magier EIeagabal Kuperus vermag sich ihm noch in den Weg zu stellen. Doch dazu benötigt der weise Okkultist einen Katalysator, einen Menschen, der seine Dienste begehrt. In dem Dichter Adalbert Demilasso, der einen teuflischen Pakt mit Bezug eingegangen ist, und seinen Körper, sein Leben dem Industriellen gegen Reichtum verpfändet hat könnte er diesen Katalyst gefunden haben. Doch auch Andere sind an dem genialen Dichter interessiert. Die Tochter des Moguls sucht ihn mit teuflischen Kräften zu verführen, und dessen reine, wahre Liebe zu Regina zu korrumpieren. Und auch der präparierte Kopf eines verstorbenen Schriftstellers spielt für die Zukunft der Menschheit eine Rolle..
Karl Hans Strobl zählt neben seinen Zeitgenossen Hans Heinz Ewers, Gustav Meyrink und Oskar Panizza zu den bedeutendsten phantastischen deutschsprachigen Schriftstellern des beginnenden 20. Jahrhunderts. Unverständlich daher, dass sein Werk, im Gegensatz zu dem seiner Kollegen, bislang kaum Beachtung fand, und nicht neu aufgelegt wurde. In der ambitionierten Reihe der »Bizarren Bibliothek« sucht der engagierte Herausgeber Frank Festa nun diesem Umstand abzuhelfen, und legt mit dem zweiteiligen Roman das bedeutendste Werk des Autors erstmals seit 1928 wieder auf. Ein weiterer Band mit Kurzgeschichten ist darüber hinaus angekündigt. Das Lexikon der Horrorliteratur von Alpers, Fuchs, Hahn urteilt über EIeagabal Kuperus wie folgt: »...das Buch ist ein zusammenhangslose Konglomerat verschiedenster Genres (Utopie, Okkultismus, Dekadenz), dessen ehrgeizige Bestrebungen in einem recht mageren Ergebnis enden«. Sicherlich haben die Autoren mit ihrem Urteil nicht ganz unrecht, werden aber meines Erachtens dem Roman damit nicht gerecht. Zutreffend ist, dass der Autor uns zu Beginn in unterschiedlichen Handlungssträngen, die zunächst scheinbar nichts miteinander zu tun haben schlaglichtartig von Geschehnissen berichtet, deren Bedeutung zunächst rätselhaft bleibt. Dabei wirft er aber gekonnt ein Licht auf die Zustände der Weimarer Republik. Geprägt von um sich greifender Arbeitslosigkeit und Armut breiter Gesellschaftsschichten ist die Stimmung erfüllt von dumpfer Verzweiflung und Aggression. Die wenigen Begüterte Unternehmer, die in Saus und Braus leben, die nicht wissen, wie sie ihre Millionen verprassen können, ihre Augen aber vor der Not und dem Elend ihrer Mitmenschen verschliessen werden von Strobl zwar überzeichnet aber letztlich doch gekonnt portraitiert. Gleichzeitig stellt er dem Luxus und der Verschwendungssucht den Hunger, die Verzweiflung der Arbeitslosen gegenüber. Dass er hierbei offen und deutlich Missstände anprangert, die innere Hoffnungslosigkeit der Menschen festhält verleiht dem Roman eine düstere, betroffen machende Note. Die phantastischen Sequenzen nehmen in diesem ersten Teil nur wenig Raum ein, ja sind fast nebensächlich. Strobl geht es um die Menschen, um Schicksale, nicht so sehr darum, seinen Leser mit vordergründiger Handlung zu überfahren. So ist es nur folgerichtig, dass selbst der grössenwahnsinnige Bezug - wenn auch fast verschämt ein wenig versteckt - eine menschliche Seite offenbart, als er sich um seinen kranken Sohn kümmert.
Insgesamt bietet dieser Roman gerade für den heutigen Leser einen intensiven Einblick in eine Zeit, die geprägt war von Verzweiflung und Not mit treffenden Charakterstudien von ungewöhnlichen Personen, der sich auch fast 80 Jahre nach seiner Entstehung noch flüssig und durchaus spannend liest.
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