Dass die Autorin ein Quiddje ist, schmälert den Wert dieses Buches nicht. Die Leidenschaft für das Schwimmen im Strom spricht aus jeder Zeile, besonders persönlich aus dem Elbtagebuch. Hella Kemper erinnert daran, dass es einmal völlig selbstverständlich war, in der Elbe zu baden. Ich kenne das aus eigener Erinnerung, in den 50er Jahren war man nicht zimperlich und duckerte unter, auch wenn das Wasser schmuddelig aussah. Und schmuddelig war! Heute brüstet man sich mit trinkwasserreiner Qualität des Stroms, das Badeverbot ist dennoch nicht aufgehoben. Die Fahrrinne und die Tide sind Gefahrenmomente, die überwiegen.
"Elbschwimmer" ist ein Plädoyer für das Bad in der Elbe, es verweist auf die Geschichte, wartet mit tollen alten Fotos auf die zeigen, was Hamburg mal hatte: Badeanstalten an der Elbe! Die wünscht sich Hella Kemper wieder und zeigt in ihrem Buch, wie das heutzutage (besser gesagt: Morgen) wieder aussehen könnte. Mehrere Architektenteams haben Badeanstalten am Strom entworfen, ob sie Wirklichkeit werden, wird man sehen.
Die Elbschwimmer finden immer einen Weg in den Fluss, so steht es im Buch und so ist es auch im Leben. Die Portraits der hartgesottenen Fluss-Geniesser, die sich durch nichts vom Flusschwimmen abbringen lassen, sind interessant. Wer in der Elbe schwimmt, nimmt sich und das Wasser mit allen Sinnen wahr. Und das bezieht sich vermutlich nicht nur auf das Schwimmen in der Elbe.
Flussschwimmen ist Lebensart. Das zeigt sehr persönlich das Tagebuch von Hella Kemper. Es ist Liebe zum wilden Wasser, das scheinbar gezähmt durch die Hansestadt fliesst. Wie schön die Elbe ist,...jeder Hamburger denkt, dass er genau das weiss. Nach der Lektüre des Buches ist klar, dass er Entscheidendes noch nicht einmal geahnt hat.
Die Rückkehr einer Badekultur? Hoffentlich!!