Dieses Büchlein habe ich aus reiner Höflichkeit meiner Tante gegenüber gelesen, welche es mir überlassen hatte. Woher kam mir Autor Christian Graf von Krockow (1927-2002) auf dem Umschlagfoto bekannt vor? Ich schätze mal aus Plauderrunden im Fernsehen; von Krockow war Politikprofessor, hat über Ernst Jünger promoviert und u.a. Reisebücher geschrieben.
Dieser Jünger-Kenner und Graf von Krockow also begibt sich auf einwöchige Elbkreuzfahrt. "Tranchen geräucherter Gänsebrust", "Wildessenz mit gefüllter Morchel" und bekömmlicher sächsischer Wein lassen Preuße von Krockow gediegen parlieren: von der Pracht der sächsischen Fürsten und Könige, von all der Geschichte, die sich für den aufmerksamen Bildungsgourmet in Städten wie Dresden an den großen Strom schmiegt. Da gräbt sich's bedächtig in den grauen Zellen, und es tritt zutage, was ein rechter Bildungsbürger so zu rezitieren vermag: Schwermütiges aus deutschem Liedgut ("Ich weiß nicht, was soll es bedeuten (...)"), große Gefühle von Goethe, Eichendorff, Bach. Krockow parliert, schwadoniert, deutschtümelt sich zunehmend in die Ekstase des Mannes im Spätwinter seines Lebens, schwärmt von der "unvergleichlichen Musikalität" und dem "untrüglichen Sinn für Sprachbilder" in Luthers Bibelübersetzung, was dann so klingt: "Seine Wangen sind wie Würzgärtlein, da Balsamkräuter wachsen (...) Seine Lippen sind wie Rosen, die von fließender Myrrhe triefen."
So trieft, pardon: treibt von Krockov auf der "Dresden" die Elbe Richtung Hamburg hinunter, um bei seinem Ausgangsmotiv, der preußisch-sächsischen Völkerverständigung, zu enden: "Eine Vase, müsste man irgendwo noch auftreiben (...), um gebührend zu feiern, dass wir wieder beieinander sind." Na, dann Prost. Und morgen kommt der Sensenmann. -- Resp. Borndlkramer und sammelt den Krempel gleich mit ein.