Dies ist eines von diesen Büchern, auf die der Spruch zutrifft, dass ein schlechter Schluss ein ganzes Buch ruinieren kann. Ich war nämlich durchaus nicht abgeneigt, bis eben kurz vor Schluss, dem Buch 4 vielleicht sogar 5 Sterne zu geben. Das hat seine Gründe, die ich hier nicht vorenthalten will, weil sie immerhin für 4/5 des Buches zutreffen.
Einer davon betrifft sicherlich die erfrischend originellen Ideen in diesem Buch, die sich hauptsächlich um die Stadt Elantris, ihre Bewohner und ihre Magie reihen. Dann spürt man, dass das Buch, selbst wenn es seichtere Stellen gibt, von genereller Intelligenz durchdrungen ist, eben ein Erstlingswerk von einem aber vielversprechenden Autor. Dialoge sind witzig, clever, vereinzelnd tiefschürfend. Einige der Figuren sind bemerkenswert gut gelungen, Hrathen, der sicher sympathischste "Böse", dem ich jemals über den Weg gelaufen bin, Galladon, genialer Pessimist, und Iadon, komplex und interessant in seiner Unfähigkeit.
Sarenes Strang lässt etwas zu wünschen übrig, scheint mehr aus sinnlosen Abendessen mit ihrem Onkel und fast lächerlichen Fechtstunden mit den höchsten Frauen des Landes zu bestehen als wirklich aus echten politischen Intrigen. Auch zieht sich ein starker religiöser Unterton durch das ganze Buch, der mich, da selbst streng antireligiös, etwas vor den Kopf gestoßen hat. (Die Guten besitzen alle die "Wahrheit", was mich irgendwie an die amerikanischen Evangelikalen erinnert, wenn sie über den Islam reden ... )
Aber all das hält sich in Grenzen und ließe sich vergessen mit dem Guten im Gepäck.
Wenn da nicht der Schluss wäre. Ich möchte nicht allzu speziell werden, um die Spannung für niemanden zu versauen, und es nur so vage formulieren: Jeder Trick aus Hollyswoods Mottenkiste lässt grüßen. Was an Intelligenz im Rest des Buches immer wieder genial durchscheint, ist hier brutal für unterhaltungstechnische Aspekte niedergetrampelt worden.
SPOILER
Das schließt mehrere deus ex machina mit ein von der Art: Aber ich habe doch eine kurze Andeutung im 2. Absatz von Kapitel 5 fallen lassen. Das beste Beispiel dafür ist sicher Aidens Auftritt (oh, wie günstig, dass du gerade da bist, spielst zwar überhaupt keine Rolle im Rest des Buches, aber hilf mir doch bitte mit deinen merkwürdigen Fähigkeiten, wo ich sie gerade so zufällig brauche). Hrathens vorläufiges Ende ist nicht mal deus ex machina, sondern komplett willkürlich und unlogisch, wie überhaupt die meisten "überraschenden" Wenden in diesem Teil. Jede Menge haarsträubende Enthüllungen, wer doch eigentlich der rechtmäßige Thronerbe von Teod ist und was es mit Hrathens Vergangenheit auf sich hat. Sogar die Erklärungen Dilafs konnten nicht ausgelassen werden, was seine Motivation hinter all seinem Hass ist. (Ähnlich wie James Bond, was? Wo wir hier doch schon mal alle zusammengekommen sind und gerade nichts zu tun haben, kann ich euch doch erzählen ...) Es wird nicht einmal davor Halt gemacht, das ganze Gemetzel auf den komplett an den Haaren herbeigezogenen Hass eines einzigen Mannes zu reduzieren. Rettungen erfolgen in letzter Minute wie von Wunderhand (und danach stundenlange Erklärungen, warum dieser oder jener doch noch gerade rechtzeitig auftauchen konnte), und Gott sei dank, dass Galladon und alle "Elantriser" auf einmal perfekt Aons zeichnen können, obwohl sie das in ihrem Leben vorher nie geübt haben. Und Hrathens allerletzter Auftritt darf schließlich diesem unglaublichen Ausbund an Lächerlichkeit die Krone aufsetzen. (Ja, was denn, ein halbtoter Mann kann doch bitte ohne Probleme mit einer Hand den stärksten und fähigsten und nicht im mindesten verwundeten Mann der Welt erwürgen.)
SPOILERENDE
Es ist immer eine ganz besondere Enttäuschung, wenn eigentlich gute Bücher so fürchterlich abfallen. Ich kann nicht einmal sagen, dass der Schluss wirklich "absolut" schlecht ist - verglichen mit den meisten Fantasybüchern sicher kein Ausbund an Peinlichkeit. Schlecht wird er eben dadurch, dass man ihn mit dem Vorhergehenden vergleicht. Das mag jemandem, der nicht nach Intelligenz und Anspruch in Fantasy sucht, nicht einmal auffallen. Aber für mich hat es aus diesem eigentlich erfreulich intelligenten Lesevergnügen ein bloßes Ärgernis gemacht, das ich die letzten fünfzig Seiten nur noch abwechselnd ausgelacht und verachtet habe. Was für eine Verschwendung.