Nachdem sich Erick Sermon, Keith Murray und Redman Mitte der 90er mit je 2 bzw. 3 Alben als Solo-Künstler etabliert hatten und Erick 1997 sogar eine gelungene EPMD Reunion vorweisen konnte, brachten das Trio unter ihrem Gruppennamen Def Squad '98 endlich das heißersehnte Debüt "El Niño" auf den Markt. Einen Vorgeschmack auf ihren Funkee Sound gab es ja schon mit diversen Kollaborationen und ihrem Auftritt auf der "In Tha Beginning... There Was Rap" Compilation, diese LP bietet uns ganze 50 Minuten des Schaffens der drei Meister.
Abzüglich des Intros und der Skits bietet "El Niño" 12 Songs, die mit einer Ausnahme alle von Erick Sermon produziert wurden. Los geht es gleich mit einem echten Smash, nämlich "Check N' Me Out". Wie wir es von Sermon gewohnt sind, pumpt der Beat mit Power, ohne dabei aufdringlich zu werden, dazu groovt der funky Bass, sodass schon das Instrumental eine Headbanger-Garantie ausstellt, die Rhymes der drei setzen dem Ganzen noch die Krone auf, wobei besonders der Mix aus Redmans eindringlicher Stimme, Ericks lässigem Flow und Murrays aggressiver Art für Unterhaltung sorgt. Lil' Jamal ist eines der zum Glück nur 3 Features der Platte. Seinen Auftritt finden wir auf "Countdown". Ähnlich wie auf dem vorherigen Song können die Jungs am Mic wieder einmal glänzen, dafür ist die Produktion leider ein wenig eintönig geworden, obwohl sie die typischen Merkmale des Erick Sermon in sich trägt. Die erste und einzige Single "Full Cooperation" wummert lässig und locker vor sich hin, ist zwar nichts Außergewöhnliches, geht aber dennoch gut ins Ohr. Besonders Keith Murray sticht hier heraus und das nicht nur wegen seines Refrains, sondern auch wegen seiner großen Klappe und der spürbaren Motivation beim Rappen. Ultracool, super slow und triefend vor pimpigem Funk präsentiert sich "Ride Wit' Us". Mit Too Short hat sich die Def Squad genau das passende Feature herausgepickt, um dieser Chill-Nummer die richtige Würze zu geben. Mit trockenem Beat und massig Old School Flavor wurde "Rhymin' Wit' Biz", einer Neuauflage von Biz Markies "Just Rhymin' With Biz" ausgestattet. Biz Markie ist selbstverständlich mit am Start, bringt aber keinen richtigen Vers, sondern dient eher als Anchorman für Keith und Red. Wirklich eine coole Nummer, bei der die Stärken der MCs besonders hervorstechen.
Bei "The Game" hat sich die Def Squad erlaubt, auch einen Freestyle mit auf "El Niño" zu packen. Das stört den Albumcharakter keineswegs, sogar das Gegenteil ist der Fall. Der Track macht unheimlich viel Spaß. Das liegt zum einem am funky Beat mit Kurtis Blow Sample, zum andern natürlich aber auch an den Jungs am Mic, die ohne jegliche Unterbrechung durchgehend flüssig ihre Performance abspulen, sodass ein hochwertiges Endergebnis zu Buche steht. Einen der besten Songs finden wir mit "Can U Dig It?" vor. Er hebt sich deutlich vom Rest ab, verzichtet auf die Funk-Elemente, sondern bedient sich einer angenehm wummernden Bassline und einem Gitarrenloop, das dem Stück Tempo und Rhythmus verleiht. Wie man es von dem Trio kennt, wird auch hier wieder nicht mit Selbstbewusstsein und einer großen Klappe gegeizt. Ebenfalls eigenständig und somit anders als die sonstigen Lieder ist "Ya'll Niggas Ain't Ready". Es verzichtet auf jegliche Härte, sondern kommt unglaublich smooth und verträumt daher, das einer Melodie zu verdanken ist, die uns in andere Sphären beamt. Danach geht es wieder so weiter, wie man es von einem Def Squad Album erwartet: dick aufgetragener Funk im energiegeladenen Takt. Besonders "Say Word!" sticht hier noch einmal positiv heraus. Ganz zum Schluss haben die drei uns noch ihre "Rapper's Delight" Coverversion "Def Squad Delite" von der oben angesprochenen "In Tha Beginning... There Was Rap" Compilation als Bonus gegönnt, die das Album klasse ausklingen lässt.
"El Niño" ist gut, richtig gut sogar. Allerdings passiert es bei solch großen Namen wie Erick Sermon, Redman und Keith Murray schnell, dass viele blind die Höchstwertung auspacken, siehe "Blackout!". Das bis dato leider einzige Werk der Def Squad hat auch seine Schwächen. So haben sich ein paar mittelmäßige Tracks eingeschlichen und auch die Abwechslung wird nicht ganz so groß geschrieben, wobei das dank der zumeist hohen Qualität der Beats und dem Unterhaltungswert der Raps zu verschmerzen ist. Wesentlich unangenehmer ist da das Geschwätz, das an manche Tracks angehängt wurde und zum gelegentlichen Betätigen der Skip-Taste veranlasst. Als Fazit kann man festhalten: "El Niño" erfüllt zwar nicht die ganz hohen Erwartungen, ist aber dennoch eine starke LP, die in jeder gut sortierten Sammlung zu finden sein sollte.