Ich bin mit dem vorliegenden Reiseführer neun Tage auf El Hierro unterwegs gewesen, und alles in allem kam ich gut zurecht. Was sind seine Stärken? Zunächst gefällt natürlich das handliche Format des Buches, dann seine übersichtliche Durchgliederung des Stoffes und das gut aufbereitete Register. Die 18 vorgestellten Wanderrouten erschließen mit Karten, Wegbeschreibungen und Angaben zu den Schwierigkeitsgraden die gesamte Insel. Den vier Routen, die die Autorin zur Erkundung per Mietwagen vorschlägt, kann man getrost folgen. Last not least ist die auf jeder Seite spürbare Liebe der Autorin zu der kleinsten Kanareninsel eines der sympathischsten Züge des Buches.
Doch es gibt auch Steigerungsmöglichkeiten. Wenig erbaulich, um nicht zu sagen fast augenschädigend ist die Bebilderung des Buches, was nicht daran liegt, dass etwa die Fotos schlecht wären sondern eher daran, dass der Verlag wahrscheinlich aus Kostengründen an der Reproduktionsqualität etwas zu sehr gespart hat. Die Stadtpläne sind ebenfalls verbesserungsfähig, was vor allem für Valverde zutrifft, wo es mir nicht gelang, mit dem vorliegenden Plan das Archäologische Museum zu finden. Dass kulturgeschichtliche Fragen bei einem so bescheiden dimensionierten Reiseführer offen bleiben, wird man ihm fairerweise nicht vorwerfen dürfen. Die Seite 226 sollte aber in jedem Fall noch einmal überarbeitet werden, will man dem großen Geographen Claudius Ptolemaios, der schon im 2. Jhdt. den Erdumfang recht exakt berechnete, nicht Unrecht tun. Aber das sind nur Kleinigkeiten bei einem insgesamt empfehlenswerten Reiseführer.
Abschließend noch die Antwort auf eine oft gestellte Frage: Muss man El Hierro sehen? Meine Meinung: Nicht unbedingt, Gomera, Gran Canaria und La Palma bieten mehr. Nur wer zu den Kanaren eine Beziehung hat wie ein Sammler zu seiner Lieblingsgruppe, von der er auch alle Alben besitzen möchte, kann die Insel getrost besuchen.