Als ich endlich die neue von Abuela Coca in den Händen hielt, nach Hause flitzte um sie den ganzen Tag rauf und runter hören zu können, und dann das erste mal die Songs anspielte war ich ehrlich gesagt enttäuscht. Auch wenn ich "El ritmo del Barrio" nicht als absolutes Spitzenalbum empfand, da es doch einige musikalische Ecken und Kanten hatte an denen ich mich stoß, vermisste ich genau diese am neuen Album. Zu glatt erschien mir der Sound, zu wenig Eigenes und auch Eigenartiges war daran und irgendwie schien es mir als ob die Popularitätswelle des Latin Ska oder Latin Rock Ska bla bla - wie auch immer zu bezeichnen - die Band mitgerissen und geschliffen hätte.
Denn tatsächlich hat sich der Sound geändert wenn man ihn z.B. zu Songs wie "H20" oder "Para ver las estrellas" vom ersten Album vergleicht. Eingängiger,teils rockiger, tanzbarer sind sie geworden und irgendwie haben die Sänger entweder ihre Stimmen geschult oder das Ganze ist einfach besser produziert. Wahrscheinlich etwas von Beidem.
Dennoch musste ich meinen ersten Eindruck überdenken, denn die Eingängigkeit der Melodien hat Qualität. Was ich damit meine? Ich konnte tatsächlich die CD den ganzen Tag durchlaufen lassen, aber statt langweilig zu werden, wurden sie interessanter. Sie begannen sich mehr und mehr voneinander abzuheben und ein melancholischer Grundton wurde in einigen Liedern deutlich.
Von uptempo "el Penitente" und "Mambru", über Sofamucke wie "A eso voy" und "Curo heridas" zu der gelungenen neuen Version von "007" namens "Se duerme" als akustische Ballade ist alles drauf was man sich an Songs wünschen dürfte.
Tatsächlich hat sich an der textlichen Qualität nichts geändert, die sich kritisch inbesondere mit dem Themen Globalisierung, Konsum und Krieg auseinandersetzt.. ah und natürlich die Liebe. Jedem, der nicht des Spanischen mächtig, würde ich daher raten sich einen Übersetzer zu suchen.
Für Neu-entdecker ist die CD uneingeschränkt empfehlenswert, denn an und für sich lässt sich nicht viel meckern und sie bringt einen netten Lebenshintergrunds- / Party- und OhrstöpselinderBahn- sound.
Für Fans der ersten CD, naja "El cuarto de la abuela" lässt sich gut auf dauerrepeat durchlaufen, etwas was "el ritmo del barrio" sich nicht gefallen lassen hat. Für den einen ideal, für den anderen ein Wehmutstropfen, deshalb von mir nur gute 4 Punkte.
Anspieltipps: Mambru, Derrocha, A eso voy