Das neue Eko-Album 'Ekrem' ist im Vergleich zum eher mittelmäßigen 'Was kostet die Welt?' wieder ein richtiges Highlight in Freezy's Diskografie.
Das Album kommt mit einer enormen Themenvielfalt daher, bietet sehr gute Beats, auf welchen Eko flowt, wie nie zuvor und macht insgesamt einfach Spaß zu hören.
Musikalisch zieht sich ein roter Faden durchs komplette Album. Die Produktionen wirken alle sehr ausgefeilt & fresh und klingen mMn. etwas amerikanisch.
Thematisch beginnt die LP mit einigen Representern ('Ekrem (wieder wie früher)', 'Hartz 5, 'Zu extrem', ...), danach folgen zwei wirklich tolle Storytelling-Songs ('Du wolltest mich verraten' & 'Köln Kalk Ehrenmord'). Mit 'Grembranx' und 'Straßendeutsch/Türkenslang' wird die Heimat des Rappers aufgegriffen und thematisiert, bevor mit 'German Dream' das eigene Label thematisiert wird, welches sich auf dem darauf folgenden Track 'Volkspartei' fast vollzählig die Ehre gibt. Daraufhin folgen wieder einige Representer ('Der Punisher', 'Deutschlands 1 (2012)'), bevor es mit 'Jenseits von Eden' persönlich und nachdenklich wird. Diese Seite Eko's zieht sich bis zum Ende des Albums (ausgenommen 'Ich bleib mir treu') und findet mit 'Burak' ihren Höhepunkt.
Das Album beinhaltet einige Highlights, auf die ich jetzt genauer eingehen möchte:
Ekrem vs. Eko Fresh -> Hier diskutiert Ekrem mit seinem arroganten und überheblichen Alter Ego Eko Fresh über Hip Hop, Geld & kommerziellen Erfolg. Zwar gibt es einen ähnlichen Track schon von Fler (Fremd im eigenenen Land -> 'Fler vs. Frank White'), Eko's Track gefällt mir allerdings deutlich besser.
Köln Kalk Ehrenmord -> Das sensible Thema Ehrenmord musikalisch aufzugreifen ist ein Drahtseilakt, den Eko hier allerdings großartig meistert. Er erzählt die Geschichte eines muslimischen Mädchens, das sich in einen deutschen Jungen verliebt, was zur Folge hat, dass der streng gläubige Bruder des Mädchens den so genannten 'Ehrenmord' an beiden begeht und sich daraufhin selbst richtet. Eko berichtet objektiv über das Thema, bezieht seinen Standpunkt aber dennoch.
Still Menance -> Das Highlight auf diesem Track ist das Feature von MC Eiht, seineszeichens Darsteller im Ghetto-Kultfilm 'Menance II Society'. Leider liefert Featurepartner Haftbefehl hier einen weniger guten Part, schade.
B-Promi-Status -> Hier zieht Eko sich selbst durch den Kakao, indem er von seinem Status als B-Promi berichtet. Das ist zum Einen unterhaltsam, nimmt ihm zum Anderen aber auch hektarweise Angriffsfläche.
Burak -> Der wohl persönlichste Track auf diesem Tonträger. Eko widmet diesen Track einem verstorbenen Jungen, der zu Lebzeiten eine unheilbare Krankheit hatte. Eko richtet seine Worte hier direkt an den Jungen im Himmel. Diesen Track sollte man auf jeden Fall gehört haben.
Das Einzige, was mir an 'Ekrem' nicht gefällt, sind die teilweise sinnlosen Lines in den Representer-Songs. Diese kennt man schon von von vergangenen Alben. Sie fallen allerdings nicht besonders ins Gewicht, da diese Songs grandios geflowt sind.
Noch schnell etwas zur Aufmachung der CD:
Als Cover wird hier ein schlichtes Foto von Eko verwendet, was aber außerordentlich gut zum Titel des Albums passt. Der Ekrem-Schriftzug ist in der Handschrift des Rappers verfasst und im Booklet sind alte und neue Fotos von Ekrem Bora zu finden. Alles in Allem vermittelt der optische Eindruck der CD, dass es sich um ein sehr persönliches Album handelt, was auch definitiv zutrifft.
Ich kann für 'Ekrem' eine uneingeschränkte Kaufempfehlung aussprechen und das nicht nur für Eko-Fans!