Dieser Film ist anders. Zumindest für denjenigen, der die typischen Bollywoodfilme der 1990'er Jahre mit Musik und Tanz, Herzschmerz und oppulentem Farben- und Bilderrausch erwartet. Eklavya bietet hingegen eine eher theaterhafte Dramaturgie, die Einblicke in die abgeschottete Welt eines indischen Königshauses bietet.
Unter der Regie von Vidhu Vinod Chopra entstand 2005 ein wirklich beeindruckender Film, der ganz auf das großartige Können von Amitabh Bachchan zugeschnitten ist und 2007 veröffentlicht wurde. Chopra stellt im Film den Beschützer, Eklavya, der Familie des Herrschers Rana Jaywardhan und seiner Festung dar. Dies liegt nun wiederum in dessen Familientradition, denn Amitabh, sprich Eklavya, vertritt die 9. Generation, die diese Aufgabe hingebungsvoll versieht.
Eklavya ist alt geworden, die Augen sind müde, die Hände sind nicht mehr so stark und geschwind wie in früheren Tagen, aber die akustische Wahrnehmung ist ungetrübt. Bedingungslos steht er zum Herrscher, der herausbekommt, dass sein Wächter...
Das solltet ihr schon selbst herausfinden.
Weitere starke, aber hinter Amitabhs Rolle zurücktretende Figuren sind:
- Prinz Harshwardhan, der durch Saif Ali Khan (Hum Tum, Salaam Namaste, Ta Ra Rum Pum, Thoda Pyaar..., Kurbaan), verkörpert wird und für den Übergang in die moderne Zeit steht.
- Rajjo, gespielt von Vidya Balan (Guru, The Dirty Picture), eine Freundin der Prinzessin Nandini, dargestellt von Raima Sen. Während Vidya die Rolle sehr leicht und spielerisch gestalten kann, hat Raima die schwierige Aufgabe, eine geistig zurückgebliebene junge Frau zu verkörpern, die abseits der erwarteten Pfade die Geschichte beeinflusst.
- Rana Jyotiwardhan, der rach- und herrschsüchtige Bruder des eigentlichen Gebieters wird sehr überzeugend durch Jackie Shroff gespielt.
- Der die Verbindung zur wirklichen Welt herstellende Polizeiofficer Pannalal Chohar ist Sanjay Dutt (Dus, Agneepath), der hier sehr forsch auftreten kann.
- Und nicht vergessen möchte ich den eigentlichen Herrscher Rana Jaywardhan, den Boman Irani (Don 1,2, Dhan Dhana Dhan Goal), gibt.
Den beeindruckenden Sound zum Film hat Shantanu Moitra komponiert, der auch für den Film 3 Idiots in gleicher Verantwortung stand.
Die hervorragende Kameraarbeit wurde durch das Team um Natarajan Subramaniam realisiert. Eventuell sind dem Leser ja auch Love Aaj Kal und Desi Boys bekannt, auch dort war er mit der Kameraführung betraut.
Der leider nur 138 Min. laufende Film setzt ganz auf die Darstellung der Figuren und die Verdichtung der Geschichte auf die Handlungen und Reaktionen Eklavyas. Die Gründe für sein Verhalten werden detailreich geschildert und geben einen Einblick in verborgene Welten. Dabei lässt sich die gelungene Umsetzung mit keinem anderen Film vergleichen. Eklavya ist einzigartig und ein künstlerisches Werk, dass einen Abend im Heimkino verdient hat.