Dieses Buch, welches 1938 erstmals erschien, ist besonders schwierig in solch einer Kurzform vorzustellen. Denn mit einem kurzen Abriss der Handlung oder der Hauptereignisse wird man der eigentlichen Bedeutung nicht einmal ansatzweise gerecht. Kann es auch nicht werden, denn es wird nicht gesagt, was passiert, sondern die Stimmung und das tiefe Gefühl, welches dieser Roman wachrüttelt, ergreift einen einfach; die Worte sind hier mehr oder minder nur Mittel zum Zwecke. Also versuche ich, wiederzugeben, was dieses Buch in mir geweckt hat, wobei diese Beschreibung zwangsläufig zu kurz greifen muss. In erster Linie hat mich dieses Werk von der Welt und von der Menschheit entfremdet; hat mich, mit den Augen des Autors sicherlich, den Menschen auf eine absurde und gleichzeitig nackte Art und Weise sehen lassen, die nichts als Abscheu gegenüber dem eigenen Geschlecht übrig lässt. Ähnlich wie der Protagonist stellt man sich außerhalb, betrachtet von dort, völlig vereinsamt, das Treiben der Wesen, die sich selbst Menschen nennen. Und dabei beschleichen einen immer wieder „niedere" Gefühle, ob es nun Ekel ob der absurden und sinnentleerten Existenz dieser Menschen, manchmal auch Neid über ihre Unbekümmertheit zu leben, wo man selbst so an der Bürde der Existenz zu schleppen hat oder einfach nur Langeweile wegen der Unbedeutsamkeit des Lebens sind. Ekel ist das Elixier, mit dem dieses Buch in vielfältigster Weise umgeht und mit dem man auf unterschiedlichsten Ebenen konfrontiert wird. Ekel bis hin zum destruktiven und Ekel bis zur erlebbaren Machtlosigkeit. Dies ist also ein Buch, das einen verzweifelt und mit dieser Verzweiflung über sich selbst erhebt. Und es ist nicht leicht zu lesen, unter keinen Umständen abends im Bett, da Sartre nie leitfertig mit Worten und Begriffen umgeht, schon gar nicht mit Satzstrukturen und erst recht nicht mit Bedeutungen, die erst einmal erschlossen werden müssen. Es bedeutet, sich selbst zu quälen, wenn man in dieses Buch halbwegs eindringen möchte, eine lohnenswerte Qual, wie ich meine.